Finanzierung ist das Problem der Anbieter – Institutionelle Anleger sind die Zielgruppe
Unabhängige Analysten drängen auf den Markt

Seit den Analysten-Skandalen in den USA werden auch in Deutschland unabhängige Research-Häuser gegründet. Sie konzentrieren sich auf kleine und mittlere Unternehmen, die Großbanken nicht mehr beobachten. Mit Solventis hat sich gestern ein weiterer Anbieter der Öffentlichkeit präsentiert.

HB FRANKFURT/M. Die Solventis AG mit ihren sieben festen Mitarbeitern betreibt neben Handel und Sales seit Februar einen dritten Geschäftsbereich: unabhängiges Research. Damit gibt es neben Independent Research, SES Research, Fairesearch und anderen Anbietern ein weiteres deutsches Unternehmen in einem Geschäft, das in den USA bereits eine wichtige Rolle spielt.

Ohne Interessenskonflikte analysieren die reinen Researchhäuser Unternehmen und Märkte und verkaufen ihre Researchergebnisse hauptsächlich an institutionelle Investoren. Solventis etwa wird meist nur aktiv, wenn ein Großinvestor eine Studie in Auftrag gibt. Geschäftsführer Joachim Schmitt erklärt: "Wir konzentrieren uns auf Research im Bereich Small- und Midcaps, der von vielen großen Banken nicht mehr geleistet wird." Teile der Studien können sich auch Privatanleger kostenlos aus dem Internet herunterladen.

Der Hauptvorteil unabhängigen Researchs liegt auf der Hand: Es gibt keine Interessenskonflikte zwischen den Abteilungen Investment-Banking und Research. Die Analysten sind nicht versucht, Werte zu empfehlen, von denen sie nicht überzeugt sind, an denen aber die Investment-Banking-Abteilungen ihrer Häuser interessiert sind, weil sie Aktien-Positionen halten oder Kunden gewinnen möchten. Denn unabhängige Analystenhäuser haben kein Investmentbanking. Spätestens nach den aus Interessenskonflikten entstandenen Analysten-Skandalen bei einigen US-Investmentbanken sind unabhängige Analysen auch hier zu Lande Gesprächsthema und Geschäftsfeld. Die US-Häuser wurden kürzlich zur Zahlung von 1,4 Mrd. Dollar verurteilt, von denen über 430 Mill. Dollar unabhängigen Researchunternehmen zugute kommen.

Durch die Bank sprechen sich Aktionärsschützer für unabhängiges Research aus. Die Aktionäre selbst haben durchschaut, dass viele Empfehlungen, denen sie noch vor kurzem blind gefolgt sind, teils interessengeleitet waren. Auch deshalb ist der Vorsitzende des Analystenverbands DVFA Fritz Rau optimistisch für die Zukunft unabhängiger Analystenhäuser.

Doch ein Problem ist den meisten unabhängigen Häusern gemeinsam: Geld zu verdienen. Bei den großen Bankhäusern ist es vor allem das Investment-Banking, das Einnahmen im großen Stil generiert - bei den Unabhängigen fällt diese Einnahmequelle per definitionem aus. Zuflüsse durch Strafzahlungen der Großen wie in den USA gibt es nicht. Auch Privatanleger sind in den seltensten Fällen gewillt, zwischen ein paar Euro und bis zu mehreren hundert Euro für eine Studie hinzublättern.

Also bleiben als lukrative Zielgruppe nur institutionelle Investoren wie Fonds, Versicherungen und Vermögensverwaltungen. Die aber sind es gewohnt, ihre Analysen kostenlos zu bekommen. Klaus Schlote, Geschäftsführer von Solventis, sagt: "Wir konzentrieren unsere Researchkapazitäten deshalb auf Bereiche, die von den Banken nicht mehr abgedeckt werden und die überdurchschnittliche Wertentwicklung erwarten lassen." So biete Solventis seinen Kunden die Möglichkeit, auch in einem schwachen Marktumfeld durch Stock-Picking eine positive Wertentwicklung zu erreichen. Schlote rechnet in den kommenden Jahren mit einer Konsolidierung unter den unabhängigen Researchunternehmen. Solventis werde überleben. "Wir schreiben in unseren zwei anderen Bereichen jeden Monat schwarze Zahlen. Und auch im Research ist der Break-Even bald erreicht."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%