Finanzierung überraschend gestrichen
Gatrixx gibt Web-TV-Geschäft auf

Mit ruckelden Bildern im Briefmarkenformat hat das Web-TV in Deutschland Einzug gehalten. Das Internetfernsehen für den Neuen Markt, Gatrixx Internet Television, gehörte zu den besseren Angeboten. Nachdem das Mutterunternehmen aber kein Geld mehr zur Verfügung stellt, hoffen die Betreiber auf neue Investoren.

HB DÜSSELDORF. Die Gatrixx Internet Television, eine Tochter des Finanzinformationsdienstes Gatrixx, hat die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Damit steht das Internetfernsehen für den Neuen Markt vor dem Aus; zum 31. Januar wird der Betrieb eingestellt.

Nach Unternehmensangaben versagte das Berliner Mutterunternehmen der Gatrixx Internet Television AG überraschend fest zugesagte Mittel. Projektleiter Roland Klaus, der das Web-TV-Geschäft aufgebaut hat, sagte im Gespräch mit Handelsblatt.com, die Situation habe sich sehr plötzlich zugespitzt. "Die Entscheidung kam so unerwartet, dass wir keine Gelegenheit hatten, nach einer Alternative zu suchen." Gatrixx gehört zu den Beteiligungen der am Neuen Markt notierten United Internet AG und sollte ursprünglich im vergangenen Jahr an die Börse geführt werden.

Viele offene Fragen



Die Entscheidung, sich aus dem Web-TV-Geschäft zurückzuziehen, überraschte auch die Intraware-Tochter Ebc GmbH, -Solutions in deren Frankfurter Studio die Sendungen produziert worden waren. "Das war für uns ein schönes Referenzprodukt", sagte Manager Steffen Schau zu Handelsblatt.com. Die 4 bis 7 Sendungen pro Tag hätten zu einer hohen Auslastung des Studios geführt; zudem sei das Projekt als anspruchsvolles TV-Format exklusiv für das Internet einzigartig gewesen. Das abrupte Ende werfe viele Fragen auf, zumal es zwischen dem Vorstand bei Gatrixx und der Tochtergesellschaft personelle Überschneidungen gegeben habe: "Die Situation bei Gatrixx selbst wird wohl der Auslöser gewesen sein", sagte Schau. Für Ebc-Solutions selbst sei die Lage nicht dramatisch, da das Unternehmen noch andere Kunden habe. Über deren Anzahl wollte Schau jedoch keine Angaben machen.

Projektleiter Klaus sagte, er sei enttäuscht über die Entscheidung. Die wirtschaftliche Situation bei Gatrixx wolle er aber nicht kommentieren. Nun werde er sich darauf konzentrieren, einen neuen Partner für die Zusammenarbeit zu gewinnen. Nach seinen Worten benötigt das Web-TV-Unternehmen eine "niedrige siebenstellige Investitionssumme bis zum Break-Even".

Qualität hat ihren Preis



Er habe aus der Entwicklung gelernt, dass ein derartiges Projekt von Anfang an durchkalkuliert werden muss. So seien die Mittel planmäßig aufgezehrt worden, nur sei die fest vorgesehene Anschlussfinanzierung gekippt worden. Qualität sei aber nur zu bestimmten Kosten zu erzielen.
Die zweite Lektion sei, dass auch beim Web-TV von Anfang an dem Marketing ein höherer Stellenwert eingeräumt werden müsse. Trotz der finanziellen Probleme gebe es noch Hoffnung, sagte Klaus und verwies auf erste Gespräche mit potenziellen Partnern. Ein Scheitern treffe ihn auch persönlich. "Da steckt viel Herzblut drin."

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