Finanzierungsalternativen abseits des klassischen Bankkredits
Investmentbanking öffnet sich für den Mittelstand

Beim Namen Goldman Sachs denkt man in erster Linie an die Wall Street. Dabei versteht sich die deutsche Tochter auch als Ansprechpartner für den Mittelstand.

FRANKFURT/M. "Anleihen sind beispielsweise für große mittelständische Unternehmen eine Alternative zum klassischen Bankkredit", sagt Executive Director Daniel Schmitz. Zwar solle man auf die Bankkredite solange wie möglich zurückgreifen. Allerdings müsse man auch neue Finanzierungsarten überdenken, denn mit den neuen Eigenkapital-Richtlinien gemäß "Basel II" wird die Kreditvergabe wohl restriktiver.

Goldman Sachs deckt das gesamte Spektrum alternativer Finanzierungsmöglichkeiten für Mittelständler ab, jedoch hat man eher Konzerne im Blick, die auch das Zeug zu einer Börsennotierung hätten. Die Lösungen reichen von syndizierten Krediten bis zu außerbörslichem Eigenkapital (Private Equity).

Ein erster Schritt weg vom normalen Bankkredit ist der syndizierte Kredit für Finanzierungsvolumina zwischen 50 und 150 Mill. Euro. Bei einer Laufzeit von fünf bis acht Jahren hat der Kreditnehmer Planungssicherheit, denn ein syndizierter Kredit kann nicht jederzeit fällig gestellt werden, vorausgesetzt ein Zielkorridor aus Unternehmensergebnis und Verschuldungsgrad wird eingehalten.

Ein weiteres Instrument ist Mezzanine-Kapital, das zwischen Eigen- und Fremdkapital steht und sich laut Goldman Sachs als äußerst flexibles Instrument eignet. Charakteristisch seien niedrige laufende Belasutungen: das Kapital und ein Teil der Zinsen würden erst am Ende der Laufzeit fällig. Eine öffentliche Publizität finde nicht statt und alle Konditionen könnten individuell verhandelt werden, regelmäßige Cash-Abflüsse würden vermieden. Eine gängige Größe für Mezzanine-Tranchen seien 40 Mill. Euro, Minimum rund zehn Mill. Euro, erklärt Schmitz.

Bei Private Equity sind die Ertragsziele noch höher gesteckt, hier rechnen die Geldgeber mit einer Verzinsung des eingesetzten Kapitals von rund 25 % über einen Zeitraum von vier bis sieben Jahren. Goldman Sachs konzentriere sich hier vor allem auf Beratung und Finanzierung des Buyout-Geschäfts, also den Herauskauf von Konzernteilen oder die Übernahme durch das bestehende Management. Als Untergrenze für eine Eigenkapitalbeteiligung nennt man bei Goldman Sachs 50 Mill. Euro.

Auch Anleihen dürften in Zukunft stark an Bedeutung gewinnen, bisher haben nur wenige Mittelständler den Kapitalmarkt angezapft. "Hochzinsanleihen sind das bisher am wenigsten diskutierte Thema im Mittelstand", meint Schmitz. Die Emission eines Bonds lohne sich ab etwa 100 Mill. Euro, ohne US-Investoren - und damit ohne Erfüllung der Kriterien der US- Börsenaufsicht SEC - betrage die Obergrenze 400 Mill. Euro. Als Kapitalkosten seien rund 9 bis 11 % anzusetzen, hinzu kommen die Kosten für Ratingagenturen, Marketing, Prospekt, Wirtschaftsprüfer und Juristen. Größter Vorteil sei die üblicherweise zehnjährige Laufzeit, während Bankdarlehen jederzeit fällig gestellt werden können. "Solange man die Zinsen zahlt und quartalsweise die Zahlen veröffentlicht, hat man als Bond-Emittent keine Probleme", sagt Schmitz.

Lutz Boeder, Mittelstandsexperte beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), glaubt, dass nur eine Minderheit der Mittelständler für Dienstleistungen der Investmentbanken in Frage kommt. "Hier wird die Messlatte bezüglich der Bonität so hoch gelegt wie bei den privaten Großbanken auch", sagt Boeder. Seiner Meinung nach sind politische Lösungen für den Mittelstand gefragt, etwa Steueranreize, um Gewinne in den Unternehmen zu belassen.

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