Finanzierungskosten für Unternehmen steigen
Inflation in der Euro-Zone ist unter Kontrolle

Die Inflation in der Euro-Zone ist nach Einschätzung der EU-Kommission unter Kontrolle. Nicht erst seit der jüngsten Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) seien die geldpolitischen Voraussetzungen für ein Wirtschaftswachstum gegeben, hieß es.

Reuters BRÜSSEL. Privathaushalte und Investoren rechneten inzwischen mit einem stabilen Preisniveau in der Euro-Zone, und dies erleichtere die Ausstattung der heimischen Wirtschaft mit ausreichender Liquidität, heißt im Jahresbericht der Kommission zur wirtschaftlichen Entwicklung im Jahr 2002, der der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag vor der geplanten Veröffentlichung vorlag. Das Papier war entworfen worden, bevor die EZB in der vergangenen Woche die Leitzinsen um 50 Basispunkte auf 2,75 Prozent im Schlüsselzins gesenkt hatte.

In dem Bericht fordert die Kommission Deutschland, Frankreich, Italien und Portugal erneut auf, verstärkt die Konsolidierung der Haushalte anzustreben. Die Fehler der Vergangenheit hätten nun zur Folge, dass die Neuverschuldung die Glaubwürdigkeit des Stabilitäts- und Wachstumspakts aufs Spiel setze. Gegen Deutschland und Portugal hatte die EU-Kommission ein Verfahren wegen eines übermäßigen Defizits von mehr als 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) eingeleitet. Gegen Frankreich sollen die EU-Finanzminister dem Kommissionsvorschlag für eine Frühwarnung folgen.

Die Kommission bekräftigt in dem Bericht ihre bisherige Prognose, derzufolge die Nachfrage allmählich anziehen wird. Eine kräftige Wende bei den Investitionen sei aber so lange unwahrscheinlich, wie Unsicherheiten und Sorgen über den mittelfristigen Ausblick weiter bestünden. Angesichts eines verlangsamten Wachstums der Arbeitsproduktivität und eines nicht zu erwartenden Rückgangs der Löhne seien die Aussichten für die Investitionstätigkeit gefährdet.

Finanzierungskosten für Unternehmen steigen

Die Finanzierungsbedingungen für einige Unternehmen hätten sich im Lauf des Jahres 2002 allerdings verschärft, heißt es in dem Bericht weiter. Die Kosten für die Beschaffung von Kapital an den Aktienmärkten seien deutlich gestiegen und deshalb habe der Zinsrückgang in den wichtigsten Märkten nicht zu niedrigeren Finanzierungskosten für Unternehmen geführt.

Zum jüngsten Kursanstieg des Euro schreibt die Kommission in ihrer Stellungnahme: "Die Aufwertung des Euro hat in den vergangenen Monaten einen negativen Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit gehabt, aber letztere ist immer noch auf lange Sicht günstig." Der starke Euro könne dazu beitragen, den Inflationsdruck einzudämmen, fügte die Kommission hinzu. Das Potenzialwachstum für die Jahre 2001 bis 2003 liegt nach Einschätzung der Kommission bei rund 2,5 Prozent und werde voraussichtlich ab 2004 auf 2,2 absinken. Das Potenzialwachstum ist die Rate, mit der eine Volkswirtschaft maximal steigen kann, ohne dass die Preise übermäßig steigen.

Langer Weg für Beitrittskandidaten

Die zehn Beitrittskandidaten hätten gute Fortschritte bei der Bekämpfung der Inflation und Reduzierung der Haushaltsdefizite gemacht, heißt es weiter. Allerdings hätten die Länder noch einen langen Weg vor sich, um mit den EU-Lebenshaltungsstandards mitzuhalten. "Der Euro-Beitritt ist nicht Mittel zum Zweck", teilt die Kommission mit. Die Einführung des Euro sei riskant, wenn die mikro- und makroökonomischen Bedingungen noch nicht vollständig den Anforderungen der Währungsunion entsprechen. Der Versuch, den Euro-Beitritt zu schnell erreichen zu wollen, könnte Spannungen hervorrufen, erklärte die Kommission. Niedrige Inflationsraten von rund 1,5 Prozent könnten der Forderung nach einem angemessenen Lohnniveau in den EU-Mitgliedsstaaten entgegenstehen.

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