Finanzierungsprobleme verzögern den Ausbau der Netze – Auftragseingang der Netzausrüster schrumpft
Telefonriesen strecken Investitionen

Nicht nur Ericsson leidet unter dem schwächeren Mobilfunkmarkt. Stockender Handyabsatz und zeitlich gestreckte Investitionen in die Mobilfunknetze lassen den Auftragseingang vieler Lieferanten von Handys und Netzausrüstungen schrumpfen. Gewinnwarnungen und sinkende Aktienkurse sind die Folgen.

DÜSSELDORF. Nach der Gewinnwarnung von Ericsson am Montag fragen sich viele Analysten, ob auch bei Nokia mit einer Revision der bisherigen Prognosen zu rechnen ist. Bisher hat der finnische Weltmarktführer für Mobiltelefone als einer der wenigen Telekomkonzerne die Anleger nicht mit Hiobsbotschaften überrascht. Allerdings kursieren schon seit einiger Zeit Gerüchte, dass auch bei Nokia das Geschäft schlechter läuft. Deutsche Bank und BNP Paribas haben denn auch gestern die Nokia-Aktie heruntergestuft.

Klarheit dürfte spätestens die Hauptversammlung von Nokia am Mittwoch kommender Woche bringen. Nokia hatte Ende Januar bei der Vorlage der Jahreszahlen zwar ein Rekordergebnis präsentiert, gleichzeitig aber die Prognose für Absatz und Gewinn gesenkt. Die Börse hatte darauf mit einem deutlichen Kursrutsch reagiert.

Auch der weltweit zweitgrößte Handyhersteller, Motorola, begründete gestern seine neuerliche Gewinnwarnung mit dem schwachen Mobilfunkgeschäft. Alcatel lässt die Produktion in seinen beiden Werken in Frankreich für zwei Wochen ruhen, um die hohen Lagerbestände abzubauen.

André Jäkel, Technologie-Analyst bei der BHF-Bank, sieht die Ursachen für das schwache Handygeschäft neben der allgemeinen Sättigung und den hohen Kapazitäten der Anbieter vor allem in den sinkenden Subventionen seitens der Netzgesellschaften. Da die Telefongesellschaften weniger Geld haben, kürzen sie die Subventionen für Geräte, was den Marktpreis steigen und den Absatz fallen lassen. "Der Markt wird schwieriger", sagt Jäkel. Nokia könne dies durch einen höheren Absatz ausgleichen, da die Finnen immer noch Marktanteile hinzugewännen, Konkurrenten wie Ericsson oder Motorola bekämen Schwierigkeiten.

Doch der stockende Handyabsatz ist nicht das Hauptproblem bei Ericsson, denn dieses Geschäft macht bei den Schweden nur rund ein Drittel des Umsatzes aus. Ericsson ist klarer Weltmarktführer bei Mobilfunknetzen. Diese Sparte steht für zwei Drittel des Umsatzes und konnte die seit einiger Zeit anfallenden Verluste der Handysparte bisher immer ausgleichen. Jetzt spürt Ericsson aber wie andere Netzausrüster die sinkende Investitionsneigung der Telefongesellschaften. Dies betrifft besonders das US-Geschäft, das bei Ericsson etwa ein Viertel des Umsatzes ausmacht.

Hier ist Ericsson in guter Gesellschaft: Fast alle großen US-Netzausrüster haben in den vergangenen Wochen Gewinnwarnungen veröffentlicht. Sie bauen nun massiv Stellen ab: Cisco hat angekündigt, elf Prozent der Arbeitsplätze zu streichen, während Nortel und Lucent jeweils rund 10 000 Stellen abbauen wollen.

Ericsson betonte in der Gewinnwarnung, dass der Konzern in den USA keine Aufträge verloren habe. Die Kunden verschöben die Aufträge für neue Mobilfunknetze aber oder streckten sie zeitlich. Dies sieht auch Technologie-Analyst Jäkel von der BHF-Bank als Ursache für das schwächere Geschäft der Netzausrüster. "Neben dem allgemeinen Preisverfall wird vor allem die Finanzierung der Investitionen schwieriger", sagt er. Der Kursverfall an den Börsen habe den Telekom-Konzernen Finanzierungsmöglichkeiten verstopft. Um die Finanzmittel zu schonen, strecken die Gesellschaften nun ihre Investitionen und erhöhen die Auslastung ihrer bestehenden Anlagen. Die Nachfrage nach neuen Netzen vor allem für das steigende Datenvolumen bleibe aber bestehen.

UMTS-Auktionen rissen in Europa die Löcher

Einen ähnlichen Rückgang der Investitionen der Netzgesellschaften sieht Jäkel auch in Europa. Hier haben die UMTS-Auktionen große Löcher in die Kassen gerissen. Jetzt werde in das bestehende GSM-Mobilfunknetz nur noch wenig investiert, was die Aufträge für die Netzausrüster wie Ericsson, Alcatel und Siemens schrumpfen lässt. Dies bestätigt auch Jens Kürten von Ericsson Deutschland. "Die GSM-Aufträge werden gestreckt, dafür wird in den neuen Mobilfunkstandard GPRS investiert."

Ein Gutes sehen Jäkel und andere Analysten aber in den vielen Gewinnwarnungen der vergangenen Wochen: Viel schlimmer könne es nicht mehr kommen. Im April, wenn die meisten Unternehmen ihre Ergebnisse vorlegen, werde es neue Hinweise auf die weiteren Geschäftsaussichten geben, dann sei man aber mit den Warnungen durch. "Die Erwartungen wurden ohnehin schon gesenkt", betont Jäkel. "Der Talboden der Kursentwicklung ist allmählich erreicht."



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