Finanzinvestor soll Wachstum in Asien finanzieren – Sanierungskurs trägt erste Früchte
Grundig wirbt um Vertrauen

Der Dauersanierungsfall Grundig ist noch nicht über den Berg. Bis Sommer braucht das Traditionsunternehmen einen Geldgeber, um zu überleben. Verhandlungen mit drei Finanzinvestoren sind offenbar weit fortgeschritten. Mit dem frischen Geld will Grundig-Chef Kohlhammer endlich eine wettbewerbsfähige Größe erreichen.

NÜRNBERG. Die Zeit für den traditionsreichen Unterhaltungselektronik Grundig AG-Hersteller wird knapp: Bis Ende Juni muss Grundig-Chef Hans-Peter Kohlhammer einen finanzkräftigen Partner finden. Sonst könnte das Geld ausgehen, weil die Kreditlinien auslaufen. Auf weitere Unterstützung der Banken will sich Kohlhammer nicht verlassen: "Wir brauchen frisches Geld, und das geht nicht über Kredite", beschreibt der Manager, wie wichtig es ist, zügig einen Investor zu finden. Dem Vernehmen nach ist das Nürnberger Unternehmen mit drei Finanzinvestoren im Gespräch. Ein Abschluss steht aber nicht unmittelbar bevor. Mehrheitseigentümer Anton Kathrein ist bereit, bis zu 49 Prozent der Aktien abzugeben. Kathrein, Chef der Kathrein-Werke in Rosenheim, dem ältesten Antennen-Bauer der Welt, hatte Grundig im Jahr 2000 übernommen. Das ehemalige deutsche Vorzeige-Unternehmen stand damals vor der Pleite.

Wie viel Geld der neue Anteilseigner mitbringen muss, wollte Kohlhammer im Gespräch mit dem Handelsblatt nicht sagen. "Ein Finanzpartner muss die Expansion mitfinanzieren", betonte der Manager lediglich. So planen die Franken eine Marktoffensive insbesondere in Asien. Dort durfte Grundig nach der Trennung vom früheren Besitzer Philips im Jahr 1997 nichts mehr verkaufen. Mehrere Kooperationen mit asiatischen Partnern im Einkauf und Verkauf sowie als Lieferanten für Geräte seien geplant, ein Vertrag bereits unterschrieben.

Für Kohlhammer ist die regionale Ausdehnung eine Überlebensfrage. Denn bislang galt das Unternehmen im internationalen Maßstab als zu klein. Mit einem Partner könnte Grundig jetzt endlich eine wettbewerbsfähige Größe erreichen. "Ursprünglich haben wir eher an einen strategischen Partner gedacht," räumt Kohlhammer ein. Wegen der allgemeinen Marktschwäche wurde es aber nichts mit dem Wunschpartner aus der Branche: "Die sind derzeit fast alle mit sich selbst beschäftigt." In der Tat sieht es für viele Unternehmen der Unterhaltungselektronik schlecht aus. Auch der Umsatz von Grundig lag im ersten Quartal etwa zehn Prozent unter den Planungen, sagte Kohlhammer, ohne Details zu nennen. Das Ergebnis sei hingegen wesentlich besser ausgefallen als prognostiziert: "Wir sind näher an der Null-Linie als erwartet."

Damit zahlt sich das im vergangenen Jahr begonnene Sanierungsprogramm offenbar aus: So hat Kohlhammer das Produktprogramm radikal zusammengestrichen und setzt verstärkt auf höherwertige Ware. Wegen der hohen Sanierungskosten rutschte Grundig 2001 bei einem Umsatz von rund 1,3 Mrd. Euro unterm Strich vermutlich mit rund 160 Mill. Euro ins Minus. Die endgültigen Zahlen werden Mitte Mai vorgelegt. Auch 2002 wird das Unternehmen noch nicht profitabel sein. Neben Fernsehern baut Grundig unter anderem Satelliten-Empfangsanlagen, Autoradios und HiFi-Geräte.

"Jetzt muss geklotzt werden", fordert Betriebsrats-Chef Dieter Appelt vom Management einen zügigen Abschluss der Verhandlungen mit den Investoren. "Der Druck ist wahnsinnig," gesteht Appelt. Er möchte verhindern, dass sich ähnliche Vorgänge wie im vergangenen Jahr wiederholen: 2001 musste jeder sechste Grundig-Mitarbeiter gehen, die TV-Geräte-Produktion wurde von Nürnberg nach Wien verlagert. Insgesamt arbeiten jetzt weniger als 5 000 Leute für die Firma, die als Vorzeige-Unternehmen des Wirtschaftswunders in guten Zeiten 40 000 Mitarbeiter beschäftigte.

In Kürze will Kohlhammer immerhin einen Partner für die profitable Autoradio-Sparte präsentieren: "Wir sind in abschließenden Verhandlungen." Das gelte auch für den Verkauf der Sparte Bürokommunikation mit rund 200 Mitarbeitern. Ursprünglich sollten die Abschlüsse bis März vorliegen.

Quelle: Handelsblatt

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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