Finanzinvestoren nehmen nach Kluwer nun Bertelsmann-Springer ins Visier
Heißer Preispoker um Fachverlage

Cinven und Candover werden nach eigenen Angaben jeweils gut 107 Mill. Euro investieren, Barclay's Capital stellt weitere Finanzierungstranchen bereit, als Berater fungierte die US-Bank Morgan Stanley.

FRANKFURT/M. Immer mehr so genannte Finanzinvestoren - in der Regel milliardenschwere Buyout-Fonds, hinter denen wiederum institutionelle Anleger wie Pensionskassen und Versicherungen stehen - greifen nach den Fachverlagssparten der Medienkonzerne. Der Grund ist einfach: "Die Medienhäuser brauchen Geld, und die Finanzinvestoren haben Geld", sagt ein Fondsmanager. Während die Verlagshäuser unter sinkenden Abonnements- und Anzeigenerlösen leiden, schwimmen die Buyout-Fonds im Geld. Ende 2001 sind nach Schätzungen von Max Burger-Calderon, Gründungspartner der Beteiligungsgesellschaft Apax, europaweit rund 44 Mrd. Euro in den großen Fonds noch nicht investiert gewesen, in diesem Jahr dürften etwa 25 bis 30 Mrd. Euro abfließen.

Der KAP-Deal gilt als Startschuss für weitere Bietergefechte, vor allem für den "Krimi unter den Auktionen in diesem Winter", wie es ein Beteiligungsmanager formuliert: den Verkauf der Fachverlagssparte Bertelsmann-Springer, für die der neue Bertelsmann-Konzernchef Gunter Thielen jetzt öffentlich eine Kaufpreisvorstellung von 1 Mrd. Euro genannt hat. Auf Seiten der Private Equity-Fonds hat man die Zahl mit Verwunderung aufgenommen, dort hält man 700 bis 750 Mill. Euro für realistisch. Schon wird spekuliert, Bertelsmann teste nur den Marktwert, ohne sich wirklich von der profitablen Sparte trennen zu wollen. "Jetzt kommen zwar Assets auf den Markt, die man als Finanzinvestor schon immer haben wollte, allerdings zu schamlosen Preisvorstellungen", schimpft ein Beteiligungsmanager.

Das "information memorandum" für den Verkauf der Sparte wird nach Angaben einer Bertelsmann-Sprecherin voraussichtlich Mitte bis Ende November verschickt, die Betreuung des Auktionsprozesses übernimmt die Investmentbank Merrill Lynch, die sich gegen harte Konkurrenz durchsetzte.

Beteiligungsexperte Hans J. Moock von EQT Partners rechnet damit, dass nach dem derzeitigen Stand vielleicht ein halbes Dutzend Finanzinvestoren wirklich interessiert sind. Zu den Bietern wird auch wieder Cinven gezählt, allerdings könnte das Portfolio des aktuellen Fonds (Volumen: 4,4 Mrd. Euro) nach dem KAP-Deal und der vorangegangenen Übernahme verschiedener Fachpublikationen von Vivendi Universal Publishing zu medienlastig werden. Auch Apax wird mit von der Partie sein, wobei pikant ist, das auf der Bertelsmann-Seite mit der Managerin Renate Krümmer eine Verhandlungspartnerin sitzt, die alle Tricks der Buyout-Spezialisten bei Apax gelernt hat. Ob die Investoren deshalb ihre Renditevorstellungen von immer noch 20 % realisieren können, ist fraglich.

Die Attraktivität der Fachverlage für Finanzinvestoren erklärt Stefan Zuschke, Geschäftsführer bei der BC Partner GmbH, mit dem stabilen cash-flow und dem wenig preissensiblen Kundenstamm aus Wissenschaftlern, Ärzten und Bibliotheken. Probleme bereite nur die Einschätzung, wie sich das Online-Geschäft entwickelt: komplementär oder kannibalisierend. Zur Bertelsmann-Sparte gehören u.a. der Springer-Wissenschaftsverlag, die "Ärzte Zeitung", "Der Internist" und der Finanzinformationsdienst "Platow Brief".

Wer bei Bertelsmann nicht zum Zug kommt, hat aber eine neue Alternative: die Fachinformationssparte des Süddeutschen Verlags. Auch hier haben die Buyout-Fonds schon die Rechenschieber gezückt.

Quelle: Handelsblatt

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