Finanzinvestoren profitieren von Rezession
Beteiligungsmarkt ist tief gespalten

Während die großen paneuropäischen Beteiligungsfonds fast täglich neue Investments vermelden, geht im breiteren Markt die Konsolidierung der Branche unvermindert weiter. Schlecht sieht es bei der Finanzierung von Neugründungen und frühen Unternehmensphasen aus. Hier fließt der Geldstrom immer spärlicher.

FRANKFURT/M. Im Moment ist die Schweiz dran. Vor drei Tagen übernahm die Beteiligungsgesellschaft BC Partners die Hirslanden-Gruppe, den größten privaten Krankenhausverbund der Eidgenossen, für 636 Mill. Euro. Und gestern gab 3i den Kauf von SR Technics bekannt. Zusammen mit dem Management wird die Wartungsgesellschaft für Flugzeuge aus der Konkursmasse der SAir Group für 425 Mill. Euro herausgelöst. Keine Frage: die milliardenschweren, paneuropäischen Beteiligungsfonds sind auf Shopping-Tour.

"Die Insolvenzwelle und die Restrukturierungen bei den Konzernen werden in den nächsten zehn Jahren anhalten und für gute Investitionsmöglichkeiten sorgen", sagt Rudolf Kinsky, stellvertretender Geschäftsführer von 3i Deutschland. Bei den institutionellen Geldgebern für die Fonds sei eine "Flucht in die Qualität" zu beobachten, von der etablierte Beteiligungsgesellschaften profitierten. "Unser nächster Buyout-Fonds für 2003 soll drei Mrd. Euro umfassen, und das Fundraising läuft derzeit ganz gut", sagt Kinsky.

Auch Thomas Krenz, Geschäftsführer der Permira Beteiligungsberatung GmbH, hat kaum Zukunftssorgen. "Angesichts der höheren Risiken an den Finanzmärkten und der unsicheren Konjunkturlage konzentrieren sich die institutionellen Geldmanager auf die bekannten Adressen im Markt für außerbörsliche Eigenkapitalbeteiligungen", sagt Krenz. Das Unternehmen mit dem eigentümlichen Kunstnamen firmierte bis November 2001 unter Schroder Ventures Europe und erlangte vor zwei Jahren die vollständige Unabhängigkeit von der britischen Investmentbank Schroders plc. Permira gilt als ein Platzhirsch der Branche, die von ihr beratenen Fonds gehören zu den größten in Europa (siehe Tabelle). Zu den wichtigsten Transaktionen auf dem deutschen Markt zählte - zusammen mit Goldman Sachs - die Übernahme der Spezialchemiesparte Cognis von Henkel für insgesamt 2,6 Mrd. Euro. Zum Beteiligungsportfolio gehören u.a. der Mode-Discounter Takko und die Kfz-Zulieferer Grammer und Kiekert.

Der jüngste Fonds, Permira Europe II, mit einem Volumen von 3,5 Mrd. Euro, sei derzeit zu rund 47 % investiert, erklärte Krenz. Auch die kommenden Fonds würden ungefähr die gleiche Größenordnung haben, die Zeiten der Verdrei- oder Vervierfachung der Fondsvolumina seien aber vorbei. "Die Veränderungen werden eher bei plus/minus zehn Prozent liegen", schätzt Krenz. Die Investoren suchten derzeit Fondsmanager, die mindestens einen Zyklus mit Auf- und Abschwung gemanagt haben. Trotz des aktuell äußerst schwierigen Marktumfelds hält Krenz an der Renditevorstellung von 25 % brutto für Einzelbeteiligungen - gerechnet über eine durchschnittliche Haltedauer von vier Jahren - fest. Für die Investoren stellt er eine Nettoverzinsung des eingesetzten Kapitals von 20 % in Aussicht. Private Equity sei mittlerweile ein "extrem bedeutender Wirtschaftsfaktor" geworden, die von Permira betreuten europäischen Beteiligungen kämen auf einen Umsatz von 17 Mrd. Euro und beschäftigten rund 70 000 Mitarbeiter.

Während die großen Beteiligungsfonds "sehr gute Deals aus der Rezession heraus" erwarten, wie es Kinsky von 3i formuliert, sieht es im breiteren Markt weniger gut aus. Der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) meldete gestern in Berlin einen Rückgang der Investitionen im dritten Quartal auf 490 Mill. Euro nach 727 Mill. im zweiten Quartal. Die Zahl gibt einen guten Eindruck von der allgemeinen Tendenz im Markt wieder, jedoch fehlen in der Statistik viele Milliarden-Deals, weil beispielsweise die Schwergewichte Kohlberg Kravis Roberts (KKR) oder BC Partners dem Verband nicht angehören.

BVK-Geschäftsführer Holger Frommann sieht den Markt gespalten. Während Buyouts bei Großunternehmen zunehmen, sei das Frühphasensegment von der Konsolidierung am härtesten gebeutelt. Für die Finanzierung ganz junger Unternehmen ("seed capital") flossen im dritten Quartal nur noch 11,8 Mill. Euro gegenüber schon kümmerlichen 17,3 Mill. im zweiten Quartal. Auch 2003 seien kaum Erholungstendenzen zu erwarten.

Als "katastrophal" bezeichnete Frommann die Steuerpläne der rot-grünen Regierung für die Beteiligungsbranche. Sollte es zu einer Begrenzung der Verlustverrechnung, zur Nichtabzugsfähigkeit von Schuldzinsen und einer Mindestbesteuerung für Unternehmensgewinne kommen, dann drohe ein Exodus der Geldgeber ins Ausland.

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