Finanzkontrolle
Verheugens Spesen erhitzen die EU-Gemüter

Ist etwas faul in der Finanzkontrolle der EU-Kommission? Das Europaparlament und die Kommission streiten über die Überprüfung von Spesenabrechnungen des Industriekommissars Günter Verheugen. Die Kontrolle seiner Reisekosten obliegt offenbar hauptsächlich Kabinettschefin Petra Erler. Das Pikante: Verheugen und Erler wird eine Liebesaffäre nachgesagt.

STRASSBURG. Um Inge Gräßle ist es einsam geworden. Seit drei Jahren sitzt die angesehene CDU-Politikerin aus Baden-Württemberg im Europaparlament in Straßburg. Im Februar wurde sie sogar zur Fraktionssprecherin im Haushaltskontrollausschuss gewählt - eines der wichtigsten und undankbarsten Ämter, die das Parlament zu bieten hat.

Doch seit es die 46-Jährige wagte, ihre Nase in die Angelegenheiten von EU-Industriekommissar Günter Verheugen (SPD) zu stecken, wird sie selbst von Parteikollegen gemieden. Die Gräßle habe sich in diese dumme Verheugen-Affäre verrannt, munkelt man in der Fraktion. Das bringe doch nichts, der Fall sei ohnehin hoffnungslos.

Doch Inge Gräßle geht es gar nicht um die Gerüchte, die Verheugen eine Liebesbeziehung mit seiner Kabinettschefin Petra Erler nachsagen. Ihr geht es nicht um die Fotos, mit denen die Illustrierte "Bunte" die Jagdlust des Publikums anheizt. Ihr geht es auch nicht um die Dementis und Drohungen, mit denen Verheugen seine Verteidigung mehr schlecht als recht organisiert. Nein, Frau Gräßle geht es um mehr, um viel mehr. Ein wenig verloren sitzt sie an diesem Morgen in ihrem winzigen Büro im 10. Stock des Straßburger Europaparlaments. "Schauen Sie sich einmal dieses Dokument an", bittet sie den Besucher. "Das hat doch Signalcharakter! Das zeigt doch, dass in Europa alles möglich ist."

Dieses Dokument ist die Antwort von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso auf eine Anfrage von Frau Gräßle. "Gibt es eine Prüfung der Reisekosten von Kommissar Verheugen und/oder seiner Kabinettschefin, und welches Ergebnis hatte diese Prüfung? Könnte ein Interessenkonflikt nach Artikel 52 der Haushaltsordnung vorliegen?"

Das und noch einiges mehr hat die Haushaltsexpertin am 7. Juni gefragt. Am 14. September, mehr als drei Monate später, kommt endlich die Antwort - und die hat es in sich. Denn Barroso antwortet nicht nur erwartungsgemäß, dass "die Reisekosten des Vizepräsidenten und seiner Kabinettschefin (?) einer gründlichen Kontrolle" unterliegen. Von einer Interessenverquickung zwischen Verheugen und Erler, die oft gemeinsam auf Reisen gehen, könne also keine Rede sein.

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