Finanzkräftiger Investor gesucht
Weitere Risiken bei der Gontard-Bank

Die finanziell angeschlagene Gontard & Metallbank wird nach Informationen aus Bankenkreisen wahrscheinlich einen weiteren Eigenkapitalverlust durch Wertberichtigungen auf als Sicherheiten hinterlegte Wertpapiere hinnehmen müssen. "Man kann von weiteren Wertberichtigungen ausgehen", erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag aus den Kreisen.

Reuters FRANKFURT. Bereits am vergangenen Freitag hatte die Frankfurter Traditionsbank bekannt gegeben, dass mehr als die Hälfte ihres Grundkapitals aufgezehrt sei. Als Grund waren anhaltende Kursrückgänge bei den als Sicherheiten für Kredite hinterlegten Wertpapieren genannt worden. Daraufhin hatte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) am Montagabend ein Moratorium nach dem Kreditwesengesetz über die Bank verhängt und das Institut vorübergehend für den Kundenverkehr geschlossen.

Gold-Zack-Papiere als Sicherheiten hinterlegt

Grund für die erwartete weitere Wertberichtigung sind nach Angaben aus den Kreisen wiederum Kursrückgänge von Wertpapieren. So seien für Kredite unter anderem Aktien und Wandelanleihen des derzeitigen Gontard-Großaktionärs Gold-Zack hinterlegt. Die Gold-Zack-Aktie gab am Dienstagvormittag zeitweise um mehr als 25 Prozent bis auf 0,53 Euro nach. Für die Wandelanleihe will Gold-Zack bis Ende Mai ein Umtauschangebot in junge Aktien vorlegen, um damit seine Eigenkapitalbasis zu stärken und die Schulden zu senken.

Ein Gontard-Sprecher gab am Dienstag keinen Kommentar zu weiteren Wertberichtigungen und einer möglichen Unterlegung von Krediten mit Gold-Zack-Wertpapieren ab.

Kredite mit Wertpapieren zu unterlegen ist nach Angaben des BAFin und der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SDK) ein legitimes und gebräuchliches Mittel zur Kreditbesicherung. Verliere die hinterlegte Aktie an Wert, verlange die Bank einen Nachschuss. Könne der Kreditnehmer diesen nicht mehr leisten, müsse der Kredit von der Bank glatt gestellt werden.

Finanzkräftiger Investor ist die einzige Lösung

"Bei Gontard frisst diese Entwicklung jetzt das Eigenkapital auf", sagte am Dienstag ein Analyst. "Die einzige Chance, wie sie da raus kommen können, ist ein finanzkräftiger Investor, der die Bank in ihrem Kern für gesund hält und bereit ist, die Kreditrisikokosten zu tragen." Den vom Gontard-Vorstand angedachten Verkauf des Kreditgeschäfts hält der Analyst für eine weniger wahrscheinliche Lösung: "Ich denke, es wird im Zweifelsfall schwieriger sein, die Kredite zu verkaufen als die ganze Bank." Ob Gontard allerdings einen Investor finden werde, ließ der Experte beim gegenwärtigen Stand der Entwicklung offen.

Nach der BAFin-Entscheidung hatte Gontard am Montagabend mitgeteilt, das Moratorium eröffne der Bank die Möglichkeit, den eingeschlagenen Sanierungskurs fortzusetzen. Man suche weiter nach einem neuen Partner, der das Überleben ermögliche, sagte ein Sprecher. Außerdem plane der Vorstand in Abstimmung mit dem Einlagensicherungsfonds, das Kreditgeschäft der Bank komplett zu verkaufen. Der Personalbestand solle ebenfalls deutlich verringert werden. Der Gontard-Aktienkurs brach am Dienstag in Reaktion auf die jüngste Entwicklung dennoch zeitweise um weitere knapp 43 Prozent auf 0,20 Euro ein.

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