Finanzkrise Auslöser
McCain setzt Wahlkampf aus

Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat John McCain unterbricht wegen der Krise im US-Finanzsektor seinen Wahlkampf. Zugleich forderte er am Mittwoch, die für Freitag geplante erste Fernseh-Debatte mit seinem demokratischen Gegner Barack Obama zu verschieben.

HB WASHINGTON. Er werde am Donnerstag zurück nach Washington fliegen und sich um eine Einigung zwischen Kongress und Regierung um das 700 Mrd. Dollar schwere Rettungsprogramm bemühen, sagte Senator McCain.

„Lasst uns die Politik beiseite stellen.“ Er habe mit Obama gesprochen und ihn ebenfalls zur Unterbrechung des Wahlkampfes aufgefordert, bis eine Lösung der Krise gefunden ist.

Die Reaktion Obamas war zunächst unklar. Der TV-Sender CNN berichtete, das Obama-Lager wolle den Wahlkampf zunächst nicht aussetzen. Senator Obama wolle auch an der Debatte am Freitag festhalten. Möglicherweise sei aber eine gemeinsame Erklärung Obamas und McCains geplant.

Angesichts des anhaltenden Tauziehens um den milliardenschweren Rettungsplan für den Finanzsektor wollte sich US-Präsident George W. Bush am Mittwochabend (03.00 Uhr MESZ am Donnerstag) in einer Fernsehansprache zu der Krise äußern, teilte das Weiße Haus überraschend mit. Finanzminister Henry Paulson und Zentralbankchef Ben Bernanke hatten am Mittwoch erneut betont, ohne eine rasche Einigung über das Rettungspaket könne die US-Wirtschaft in eine Rezession schlittern.

„Es ist Zeit, dass beide Parteien zusammenkommen“, begründete McCain seinen überraschenden Schritt. Er verglich die derzeitige Finanzkrise sogar mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Jetzt sei erneut Patriotismus und gemeinsames Handeln notwendig. Wenn sich Kongress und Regierung nicht bald einigen, drohten „verheerende Konsequenzen“ für das ganze Land, sagte er.

Wie es heißt, will McCain „alle Parteiauftritte und TV-Werbespots“ für die nächsten Tage aussetzen. In der Zwischenzeit müssten sich Regierung und Parlament einigen. TV-Kommentatoren werteten den Schritt des 72-Jährigen als einen Versuch, sich als „staatsmännischer Retter“ zu präsentieren, der die Streitereien der Politik überwinden könne. Man erwarte von dem langjährigen Senator jetzt besonderen Einsatz.

Die Rivalen McCain und Obama liegen laut Umfragen seit Wochen praktisch gleichauf. „Interessant ist allerdings, dass McCains Vorschlag, die Debatte abzusagen, ausgerechnet dann kommt, als die Washington Post Obama in Führung sieht - nicht zuletzt aufgrund der Wirtschaftskompetenz“, erklärte Handelsblatt-Korrespondetn Markus Ziener in diesem Zusammenhang. Um reine Wahlkampftaktik handele es sich dabei jedoch wohl nicht, da McCains Meinung zum Bailout-Plan für den Senat wichtig sei. Die Präsidentschaftswahl findet am 4. November statt.

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