Finanzmärkte bestrafen schlechte Rendite bei Autoherstellern
Goldman-Sachs-Analyst kritisiert General Motors, Ford und VW

zel BRÜSSEL. Die schlechte Bewertung der Automobilindustrie an den Finanzmärkten wird noch länger anhalten. Das sagte Gary Lapidus von der Investmentbank Goldman Sachs, einer der führenden US-Automobilanalysten, auf einer Expertentagung von Wall Street Journal und der Unternehmensberatung Booz, Allen & Hamilton in Brüssel. Insbesondere große Zulieferkonzerne aus den USA müssten sich darauf einstellen.



Als wichtigsten Grund für die Negativeinschätzung der Automobilbranche nannte Lapidus die weltweit bestehenden Überkapazitäten und die damit verbundene übermäßige Kapitalausstattung der Unternehmen. Viele Konzerne verdienten mit ihrer Rendite nicht die nötigen Kapitalkosten.



"So denkt der Markt über die Automobilbranche", fasste der Aktienexperte zusammen. Zu recht aus Sicht von Lapidus: Im Großen und Ganzen handele es sich dabei um eine "faire Bewertung". Die Überkapazitäten führten zu der außergewöhnlichen Situation, dass die Finanzmärkte bei Automobiltiteln auf stärkeres Wachstum mit einer niedrigeren Bewertung reagierten.



Die Automobilzulieferer könnten sich den Überkapazitäten der Hersteller nicht entziehen. Der Trend zur Verlagerung der Wertschöpfung von Herstellern zu Zulieferern führe dazu, dass es für die Lieferanten noch schwieriger werde, "wirtschaftlich gesund zu sein".



Als ein typisches Beispiel für die geringe Ertragskraft auf der Herstellerseite nannte Lapidus General Motors (GM), das weltgrößte Automobilunternehmen mit mehr als 8 Mill. jährlich hergestellten Fahrzeugen. In Europa gebe es ähnliche Probleme bei Volkswagen; bei dem Wolfsburger Konzern spielten die Finanzmärkte eine untergeordnete Rolle. "Volkswagen interessiert sich nicht für diese Sachen", betonte Lapidus. Von VW strahle in Börsenkreisen ein Negativeffekt auf die gesamte Branche aus, weil die Anstrengungen anderer Unternehmen durch VW konterkariert werden. Allerdings gab es auch ein Lob für VW: "Die Autos sind wirklich gut."



"Volkswagen strahlt Negativeffekt aus"



Harsch fiel die Kritik für den zweitgrößten Automobilhersteller der Welt aus. "Ford Europa ist ein einziges Desaster", sagte Lapidus in aller Schärfe. Die europäische Tochter von Ford wird in diesem Jahr rote Zahlen schreiben und muss einen massiven Einbruch seines Marktanteils hinnehmen. Nach den Worten des US-Aktienanalysten stellt sich das Problem der Überkapazitäten in Südkorea am stärksten. Er empfahl, den angeschlagenen Hersteller Daewoo Motor "sterben zu lassen". General Motors - wahrscheinlicher Käufer von Daewoo Motor - würde sich unnötige Lasten aufbürden.



Lapidus appellierte an die Hersteller, im Vertrieb effizienter zu werden. Durch elektronischen Handel im Internet ließen sich pro Fahrzeug annähernd 1 000 $ sparen.



Steven Wheeler von Booz, Allen & Hamilton formulierte die Aufforderung an die Hersteller, "stärker den Wünschen der Kunden zu folgen". Dringend geboten sei eine Differenzierung der Fahrzeugangebote, sie müsse sich stärker an den Wünschen einzelner Kundengruppen orientieren.



Zugleich müssten sich die Automobilhersteller mit dem gesamten Lebenszyklus eines Autos befassen und dürften nicht nur auf den Neuwagenverkauf sehen. "Mit Dienstleistungen lassen sich neue Geschäfte machen", sagte Wheeler. Beispiele dafür seien Anstrengungen bei Leasing und Finanzierung. Als Abfallprodukt gebe es darüber hinaus eine stärkere Kundenbindung.



Gottfried Schillinger, früher Vertriebsmanager bei Daimler-Chrysler und jetzt beim Beratungsunternehmen Samaxis, sah auf dem Brüsseler Treffen ebenfalls den Bedarf für mehr Kundenorientierung. Die Branche müsse mehr und bessere Daten über ihre Kunden sammeln. Eine stärkere Differenzierung nach Kundenwünschen führe auch zu einer Ertragssteigerung. "20 Prozent der Kunden sorgen für 80 Prozent des Ertrags", sagte Schillinger.

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