Finanzmärkte reagieren kaum
EZB lässt Leitzinsen erwartungsgemäß unverändert

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen in der Euro-Zone am Donnerstag erwartungsgemäß unverändert gelassen. Der für die Refinanzierung der Geschäftsbanken maßgebliche Schlüsselzins betrage weiterhin 3,25 %, teilte die EZB nach ihren Beratungen in Luxemburg mit.

Reuters LUXEMBURG. "Die Entscheidung kam überhaupt nicht überraschend. Der Euro-Anstieg sollte für die EZB ein wichtiges Argument gewesen sein", sagte Claudia Henke von Dresdner Bank. Wie die meisten Analysten hatte sie noch nicht mit einer Zinserhöhung gerechnet, weil die Konjunktur sich nur langsam erholt und die Inflationsgefahren von den Kursgewinnen der Gemeinschaftswährung etwas gedämpft wurden. Zudem hielten die Experten eine Zinserhöhung zum jetzigen Zeitpunkt wegen der Vertrauenskrise und der Kursverluste an den Aktienmärkten für nicht angebracht.

Die EZB begründete die Entscheidung vorerst nicht und verwies auf die Pressekonferenz mit Notenbankchef Wim Duisenberg ab 14.30 Uhr MESZ. Analysten versprechen sich davon Hinweise darauf, wann die Notenbank ihre Geldpolitik straffen wird. Denn eine Zinserhöhung in diesem Jahr gilt als sicher – nur der Termin ist noch ungewiss. "Wir erwarten vor dem Hintergrund der schwachen Marktsituation, daß die EZB ihren Ton etwas abmildert", sagte BHF-Bank-Chefvolkswirt Uwe Angenendt. "Ich bin gespannt, ob Duisenberg etwas über die Auswirkungen der Aktien-Schwäche auf Investitionen und Verbrauch sagt", sagte Henke.

Die Finanzmärkte reagierten zunächst kaum auf die Entscheidung der Notenbank. Der Euro notierte weiter um 0,9750 $. Auch die britische Notenbank hatte am Mittag wie erwartet ihren Schlüsselzins unverändert gelassen.

Zinserhöhung trotz Euro-Anstiegs nur eine Frage der Zeit

Duisenberg hatte in dieser Woche vor dem Europäischen Parlament in Straßburg auf die anhaltende Unsicherheit bei den Aussichten für Konjunktur und Inflation in der Euro-Zone hingewiesen. "Wir müssen abwarten und schauen, wie sich die Dinge entwickeln", hatte der EZB-Präsident gesagt und damit in der Sprache der Notenbanker deutlich signalisiert, dass die EZB die Zinsen in dieser Woche noch nicht verändern wird.

Die jüngsten Kursgewinne des Euro unterstützen die EZB durch niedrigere Importpreise derzeit dabei, die Jahresteuerung gemäß ihres Mandats unter zwei Prozent zu halten. Dennoch ist die Inflation in der Euro-Zone seit Monaten höher als von der EZB erwartet und könnte mit der Wirtschaftserholung steigen. Im Juni hatte sich der Verbraucherpreisanstieg auf eine Jahresrate von vorläufig 1,7 % ermäßigt. Dennoch wird im Jahresschnitt die Rate wahrscheinlich knapp über 2 % liegen und die EZB im dritten Jahr in Folge ihr Ziel stabiler Preise mit weniger als 2 % Inflationsrate verfehlen.

Bisher belegen nur wenige Konjunkturdaten den von vielen Stimmungsindikatoren signalisierten Aufschwung, auch wenn am Donnerstag ein unerwartet deutlicher Anstieg der deutschen Auftragseingänge im Mai die Hoffnungen auf eine Erholung verstärkte. Die Notenbanker werden nach Einschätzung von Experten erst die Zinsschraube anziehen, wenn sie sicher sind, dass das Wachstum Fahrt aufnimmt. Der Chef des Internationalen Währungsfonds, Horst Köhler, hatte der EZB noch am Mittwoch von einer baldigen Zinserhöhung wegen der noch schwachen Konjunktur abgeraten.

Auch den Zinskorridor für den Geldmarkt ließ die Zentralbank unverändert. Die Sätze dafür betragen weiterhin 2,25 % für Übernachteinlagen der Banken bei der EZB und 4,25 % für Übernachtkredite. 2001 hatte die EZB in der Euro-Zone den Schlüsselzins in vier Schritten um insgesamt 1,50 %punkte reduziert, weil die Inflationsgefahren mit dem Konjunkturabschwung zurückgegangen waren.

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