Finanzmarkt-Kolumne
Der Schwung lässt nach

„Air Berlin verschiebt den Börsengang!!!“ Aufgeregt stürzt ein junger Kollege in den Salon des 5-Sterne-Hotels, um den Teilnehmern einer Anlegerkonferenz die heiße Nachricht zu übermitteln. Sofort entwickelt sich eine lebhafte Diskussion, denn dieser nicht alltägliche (aber auch nicht neue) Schritt liefert Stoff für Spekulationen. Und der Versuch, über den auslösenden Anlass hinaus zu denken, stimmt manchen Skeptiker nachdenklich: Ist das vielleicht auch ein Zeichen dafür, dass dem deutschen Aktienmarkt allmählich die Puste ausgeht? Schließlich waren ja auch einige der jüngsten Zwischenberichte nicht gerade prickelnd (Siemens, Daimler). Außerdem verweisen vorsichtig gewordene Akteure auf den belastenden Komplex Ölpreise/Iran. Also lieber „Sell in may ...?“

Dem eher zaghaften, risikoscheuen Anleger, der in seinen Büchern bereits gute Gewinne hat, kann man durchaus mit “Ja“ antworten. Denn es gibt tatsächlich ausreichende Argumente für eine anhaltend nachlassende Dynamik.

Und das zweite Halbjahr könnte enttäuschend verlaufen, entweder wenn sich die weltpolitische Lage zuspitzen sollte oder die immer optimistischer werdenden Wachstumsprognosen wieder nach unten korrigiert werden müssen. Zudem könnte der weitere wirtschafts- und sozialpolitische Kurs der großen Koalition die Stimmung der Börsianer zunehmend beeinflussen. Die Entwicklung der Unternehmensgewinne dürfte dagegen nicht mehr den Ausschlag für die Gesamtkondition des Marktes geben, denn zu einen ist generell mit einer Fortsetzung des positiven Trends zu rechnen, zum anderen nimmt die Differenzierung in den Branchen allerdings zu, so dass sich der Anleger vor der Kauf- oder Verkaufsentscheidung die einzelnen Werte genau anschauen muss.

So wie es in der zurückliegenden Aufwärtsbewegung nie zu einer krankhaft übersteigerten Euphorie gekommen ist, so zeichnet sich jetzt an keiner Stelle epidemische Angst vor Kurseinbrüchen ab. Schwächere Börsen können nicht ausgeschlossen werden, aber empfindliche Rückschläge erscheinen zur Zeit unwahrscheinlich. So ist auch die Verschiebung des Air-Berlin-Börsengangs kein Absturz: Die Erfahrung lehrt, dass nach einer Korrektur des Starts dann doch zu einem gelungenen Flug kommen kann.

Es besteht im übrigen kein Anlass, dem Aktienmarkt vollends den Rücken zuzuwenden, denn es lohnt sich nach wie vor, einzelne Attraktionen aufzuspüren. Allerdings bieten internationale Börsen ziemlich interessante Alternativen. Für das lauteste Getöse sorgen aber nach wie vor die Rohstoffe, von den Experten nahezu übereinstimmend behaupten, ihre Verteuerung würde noch lange anhalten.

Meine Empfehlung: Bleiben Sie bei außereuropäischen Engagements weiter vorsichtig, denn ich befürchte, dass es vielerorts bereits zu spekulativen Übertreibungen gekommen ist. Deshalb sollten als Depotbeimischung insbesondere Optionsscheine und Zertifikate eingesetzt werden, gerade wenn man vielleicht 5 bis 15% in exotische Börsen oder die Commodities investieren will.

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