Finanzminister denkt an weiterer Leitzinssenkungen
Die Talfahrt des Yen geht ungebremst weiter

Die Talfahrt des Yen konnte auch am Dienstag nicht gebremst werden. Bei nervösem Handel sackte die japanische Währung an den Devisenmärkten gegenüber dem Dollar auf zeitweise nur noch 128,45 Yen ab.

FRANKFURT/M. Das ist der niedrigste Stand seit rund drei Jahren. Damit liegt die US-Valuta mehr als 12 % über dem Schlussstand des Jahres 2000. Auch zum Euro fiel der Yen weiter bis auf das Zweijahrestief von rund 116 Yen, bevor nachmittags eine leichte Erholung einsetzte. Damit liegt der Yen zur europäischen Einheitswährung auf dem niedrigsten Stand seit zwei Jahren.

Das Wohl und Wehe des Yen hängt kurzfristig maßgeblich vom Ausgang der zweitägigen geldpolitischen Sitzung der Bank of Japan (BoJ) am heutigen Mittwoch ab. Finanzminister Masajuro Shiokawa sprach in Tokio von der Möglichkeit weiterer geldpolitischer Lockerungen durch die Notenbank. Zugleich forderte er die BoJ auf, der Wirtschaft mehr Liquidität zur Verfügung zu stellen, um die Anforderungen des Jahresultimos problemlos bewältigen und die Bankenkrise entschärfen zu können.

Auch der Kauf ausländischer Anleihen durch die BoJ wurde jüngst als Möglichkeit zur Stabilisierung der Devisenmärkte diskutiert. "Wir glauben nicht, dass die Bank of Japan eine solche Maßnahme beschließen wird", meint Devisen-Experte Michael Klawitter von der WestLB in London. Man müsse sich darüber im klaren sein, dass die Notenbank überhaupt nicht für die Devisenmarktpolitik zuständig sei, sondern diese Verantwortlichkeit allein beim Finanzministerium liege. Zurückhaltung sei derzeit die beste geldpolitische Strategie für die BoJ, rät Ulrike Bischoff von der Helaba zur Defensive. "Wir erwarten, dass die Bank of Japan erneut den Erwerb inländischer Staatsanleihen ankündigen wird, um so das Zinsniveau am japanischen Kapitalmarkt auf einem niedrigen Niveau zu halten", sagt Christoph Müller von der DZ Bank.

"Japans Regierung ist über die jüngste Talfahrt des Yen nicht gerade unglücklich", meint Klawitter. Bestätigt wird er in dieser Sicht der Dinge durch den stellvertretenden japanischen Finanzminister Haruhiko Kuroda, der als der führende Diplomat in der japanischen Finanzpolitik gilt. Kuroda hatte zuletzt erklärt, man werde einen weiteren Rutsch des Yen-Kurses auf keinen Fall durch Interventionen an den Devisenmärkten zu bremsen versuchen. Die jüngste Yen-Abwertung sei zwar rasch und dynamisch gewesen, sie habe jedoch kein besorgniserregendes Ausmaß angenommen. Die Währung seines Landes sei zuvor stark überbewertet gewesen, erklärte er mit Hinweis darauf, dass sich Japan seit geraumer Zeit in einer tiefen Rezession befinde. Die Märkte seien jetzt dabei, diese Überbewertung zu korrigieren.

In einer Umfrage des Handelsblatts zeigen sich alle befragten Devisenmarkt-Experten überzeugt davon, dass weder von der Regierung noch von Seiten der Notenbank offiziell von der Notwendigkeit einer weiteren Abwertungs gesprochen wird. "Eine solche offizielle Abwertung ist stets das letzte politische Mittel einer Regierung", sagt Christoph Müller von der DZ Bank in Frankfurt. "Der Yen kann sich gegenüber dem Dollar bis zum März 2002 bis auf 135 Yen abschwächen", steckt Neil MacKinnon, Devisenmarkt-Stratege des Finanzhauses Merrill Lynch, ein klares Kursziel ab.

Eine darüber hinaus gehende Abwertung zur Lösung der japanischen Probleme könne nicht im Interesse der Regierung sein, sagt Klawitter. Die Exporteure Japans könnten mit einem Kursniveau zwischen 130 und 135 Yen je US-Dollar recht gut leben, meint Müller. Eine stärkere Yen-Schwäche könnte nach Ansicht von Klawitter zu einer Destabilisierung anderer Volkswirtschaften im Fernen Osten führen. "In diesem Fall würde ich sogar eine Abwertungs-Spirale nicht ausschließen", warnt Müller vor einem solchen Schritt.

Erst wenn die Regierung Koizumi konsequent Strukturreformen durchführe, könne eine im begrenzten Handlungsrahmen aktivere Geldpolitik zur Unterstützung der Fiskalpolitik sinnvoll sein, meint Ulrike Bischoff. Der entscheidende Schritt zum Wandel und zur Bewältigung der Wirtschaftskrise in Japan sei nicht von Seiten der Notenbank, sondern von der Regierung Koizumi zu tun. Solange die Regierung nicht stärker aktiv werde, vergrößere sich der Abstand der einstigen Vozeige-Volkswirtschaft zu anderen wichtigen Wirtschaftsräumen. "Langfristig ist dies auch eine - allerdings unerwünschte - Strategie zur Yen-Abwertung", folgert die Expertin.

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