Finanzminister und Kanzleramtsminister um Unterstütung gebeten
Führungsriege kritisiert Telekom-Chef Sommer

Die Deutsche Telekom AG, Bonn, kommt unter ihrem angeschlagenen Vorstandsvorsitzenden nicht zur Ruhe. Zwar sprach Finanzminister Hans Eichel (SPD) dem Vorstandsvorsitzenden Ron Sommer am Wochenende demonstrativ das Vertrauen aus. Zeitgleich wurde allerdings bekannt, dass eine Gruppe von Telekom-Führungskräften in Berlin um Termine nachsuche, um die Bundesregierung für eine Nachfolgeregelung zu gewinnen. Unterdessen erwartet die Telekom-Spitze bei ihrer Mobilfunktochter T-Mobil in diesem Jahr eine "regelrechte Gewinnexplosion".

ddp/vwd BONN. Für Aufsehen sorgte der veröffentlichte Antwortbrief von Schauspieler Manfred Krug an einen enttäuschten Telekom-Aktionär. Der einstige Werbe- und Sympathieträger beim Börsengang der T-Aktie schrieb: "Wahrscheinlich konnten Sie den Hals nicht voll kriegen und haben darauf gewartet, daß die Aktie steigt und steigt. Jetzt muß ich mir Ihr Gejammer anhören." Der "Bild am Sonntag" war der Krug-Brief derart brisant, dass sie ihn als Aufmacher brachte.

Eichel nannte Rücktrittsforderungen gegen Sommer "völlig unangebracht". Die Telekom sei "ein solides, werthaltiges Unternehmen". Außerdem gehe es "ja wieder aufwärts beim Kurs der Telekom", sagte in der "Welt am Sonntag". Er hielt den Kritikern der Telekom-Führung entgegen: "Die Opposition argumentiert unredlich. Sie brüstet sich damit, dass sie die Telekom-Privatisierung eingeleitet hat." Jetzt wolle sie "dirigistisch eingreifen. So geht das nicht". Eichel sprach sich klar dafür aus, die Verantwortlichkeiten zu beachten. Vorstand und Aufsichtsrat "tun ihre Pflicht", sagte Eichel. Bei der Telekom handele es sich um eine Aktiengesellschaft und nicht um Bundesvermögen.

Der Bund hält derzeit 43 % der Telekomanteile, 15 % werden von der Kreditanstalt für Wiederaufbau verwaltet. Der Rest von 42 % ist als Streubesitz an der Börse platziert. Eichel bekräftigte, er wolle die Telekom vollständig privatisieren. Man werde "Schritt um Schritt" die Anteile des Bundes an die Börse bringen. "Aber nicht an große institutionelle Anleger, sondern breit gestreut", fügte der Minister hinzu. Die Bundesregierung wolle nicht, "dass die Telekom nur aus einer Hand bestimmt wird".

Kritik aus dem eigenen Haus



Ärger steht Sommer aber nicht nur von Kleinaktionären, Großanlegern und Oppositionspolitikern, sondern aus dem eigenen Haus bevor. Der "Spiegel" berichtete, eine Gruppe von Führungskräften wolle bei Eichel und Kanzleramtsminister Hans Martin Bury (SPD) die ihrer Ansicht nach "mangelnden Managementqualitäten" Sommers darstellen. Sommer hatte jüngst eine von "Halbwahrheiten" geprägte Medienberichterstattung für den schlechten Kurs der T-Aktie verantwortlich gemacht. Diese Analyse gehe an der Realität vorbei, kritisieren die Telekom-Manager. Sommer und Teile seines Vorstandes würden Probleme wie die eklatante Ertragsschwäche in fast allen Geschäftsbereichen verdrängen, anstatt Lösungen zu suchen.

Das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtete am Wochenende vorab unter Berufung auf Kreise der Konzern-Leitung, die Telekom-Tochter T-Mobil habe dank massiv subventionierter Handys zahlreiche neue Kunden in Deutschland, Österreich und Großbritannien gewinnen können. Auch das kurz vor der Übernahme durch die Telekom stehende US-Mobilfunkunternehmen Voicestream soll bereits im Jahr 2002 erstmals Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen erzielen. Die Deutsche Telekom wollte den Bericht nicht näher kommentieren. Der Konzern wollte seine Tochter T-Mobil ursprünglich bereits im vergangenen Jahr an die Börse bringen. Auf Grund des sich verschlechternden Börsenklimas wurde das Vorhaben auf dieses Jahr verschoben. Ein genauer Termin steht bisher nicht fest.

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