Finanzminister will Steuerschlupfloch schließen
Schiffsfonds: Tonnagesteuer ist dem Bund ein Dorn im Auge

Erst mit Anfangsverlusten die aktuelle Steuerlast senken und dann später nur Bagatellsteuern zahlen - den Zeichnern von Schiffsfonds ist es recht. Dem Finanzministerium nicht: Es will dieser Praxis einen Riegel vorschieben, indem es den Paragraph 5a des Einkommensteuergesetz ändert.

rrl DÜSSELDORF. Der Paragraph regelt die so genannte Tonnagesteuer. Die ist eigentlich keine Steuer, sondern eine pauschale Gewinnermittlungsart für Handelsschiffe auf Basis des Rauminhalts eines Schiffes. Noch erlaubt der Tonnagesteuer-Paragraph den Fonds, zunächst den Gewinn so zu ermitteln wie jedes andere Handelsunternehmen auch. Das heißt, der Anleger kann die Anfangsverluste steuermindernd geltend machen. Spätestens nach drei Jahren kann die Gesellschaft dann zur sehr geringen Tonnagesteuer wechseln. Tut sie es nicht, kommt es den Fondsanleger steuerlich sehr viel teurer, wenn das Schiff mit Gewinn fährt.

Ob Fonds auch künftig drei Jahre Zeit haben, sich zu entscheiden, ist offen. Der Verband Deutscher Reeder wie auch die Fondsanbieter würden die Tonnagesteuer am liebsten lassen, wie sie ist. Denn obwohl die Anfangsverluste der Fonds nicht mehr so üppig sind wie früher, weil die Nebenkosten nicht mehr sofort abzugsfähige Betriebsausgaben sind, möchten die Fondsanbieter die steuersenkenden Anlaufverluste als Verkaufsargument nicht missen. Doch Hans-Jürgen Weiland, Steuerreferent des Landes Hamburg, sagte kürzlich vor dem 7. Hansa-Forum für Schiffsfinanzierer: "Die Streichung des § 5a ist vom Tisch, die Streichung der Frist nicht." Möglicherweise wird das Tauziehen um diese Frist im Vermittlungsausschuss zu den aktuellen Steuerrechtsänderungen entschieden.

Einige Fondsanbietern warten nicht auf die Entscheidung. Sie legten bereits im Jahresverlauf Fonds auf, die von Anfang an für die Tonnagesteuer optierten. Zum handfesten Nachteil wird diese Entscheidung nur dann, wenn die Schiffe Verluste einfahren. Denn die Tonnagesteuer muss trotzdem bezahlt werden, die Verluste können aber nicht mehr steuerlich geltend gemacht werden. Dass andererseits die Tonnagesteuer wirklich läppisch ist, zeigt die Berechnung des Anbieters Alcas. Er kalkuliert den jährlichen Tonnagesteueraufwand für den aktuellen Fonds auf 0,19 Prozent des Kommanditkapitals.

Die sofortige Option für die Tonnagesteuer erspart Anlegern auch die später anstehende Diskussion über die Höhe des so genannten Unterschiedsbetrages. Der Betrag ist die Differenz zwischen dem Marktwert und dem Buchwert, der sich aus dem Kaufpreis minus Abschreibungen ergibt. Ermittelt wird er zum Zeitpunkt des Wechsels zur Tonnagesteuer. Er muss bei Veräußerung des Schiffes oder Verkauf des Anteils versteuert werden. Alcas kalkuliert den Unterschiedsbetrag im Fonds 150 beispielsweise auf 21,4 Prozent des Kommanditkapitals. Anleger sind deshalb an einem möglichst geringen Marktwert interessiert, denn mit ihm sinkt der Unterschiedsbetrag.

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