Finanzministerium plant Neuregelung der Absetzbarkeit
VIP-Logen könnten für Firmen teurer werden

Nach Dienstwagenbesitzern und Aktienspekulanten nimmt sich Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) nun auch die Mieter von VIP-Logen in Fußball-Stadien vor. Wie das Handelsblatt aus dem Ministerium erfuhr, bereitet man dort zurzeit einen Erlass vor. Dieser soll den Finanzämtern vorschreiben, in welchem Umfang sie die Kosten für die Nutzung einer solchen Edel-Kabine noch als Betriebsausgaben zulassen dürfen.

DÜSSELDORF. "Es ist richtig, dass wir so etwas planen. Hier sind wir derzeit noch in der Abstimmung mit den Ländern", sagte eine Sprecherin Eichels. "Sollte die Abzugsfähigkeit angetastet werden werden, dürfte sich dies mit Sicherheit signifikant auf die Liga auswirken", sagt Michael Pfad, Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Gerade in Zeiten geringerer TV-Gelder seien diese Einnahmen für Klubs und Stadionbetreiber unverzichtbar.

Grund für den Erlass: Seit Jahren gehen die Finanzbehörden unterschiedlich mit den verschiedenen Leistungspaketen um. Deren steuerliche Behandlung ist kompliziert, weil bei der Bewirtung von Geschäftspartnern oder Freunden in VIP-Logen viele Einzelleistungen zusammen kommen. Da ist oft kaum aufteilbar, was beruflich motiviert und damit absetzbar ist und was nur einen rein privaten Hintergrund hat. Neben kostenlosen Karten sind in den meisten VIP-Paketen auch die Verköstigung enthalten sowie Werbemöglichkeiten, etwa im Vereinsmagazin. "Teilweise sagt in einer Stadt Finanzamt West etwas Anderes als Finanzamt Ost", so Pfad. Einige Vereine hätten sich über diese Ungleichbehandlung beschwert.

Die will Eichel nun ändern - und dabei offenbar die Steuerschraube andrehen. Zwar beteuert seine Sprecherin, dass es "keineswegs ausgemacht" sei, dass der Erlass die Absetzbarkeit erschwere. Jedoch glaubt in der Fußballbranche keiner, dass Eichel den einheitlichen Maßstab für den Betriebsausgabenabzug an den großzügigeren Finanzämter orientiert. Zudem sind die Leistungen in den einzelnen Stadien nicht immer vergleichbar: "Diese Regelungswut muss aufhören. Bisher hat die Abstimmung mit den Finanzbehörden vor Ort gut funktioniert. Man kann doch jetzt nicht auf einmal Berlin und München über einen Kamm scheren", sagte ein Branchenvertreter.

Eine weiterer Steuernachteil droht Unternehmern, die Eintrittskarten verschenken wollen, aus dem von Eichel geplanten "Steuervergünstigungsabbaugesetz". Danach sollen die Kosten für Kundenpräsente über 40 Euro pro Person nicht mehr steuerlich als Betriebsausgaben abziehbar sein - sofern das Geschenk rein privat genutzt wird.

Aber nicht jedes Land will bei Eichels Plänen mitspielen. Beide Maßnahmen bedürfen der Zustimmung der Länder. Hessens Finanzminister Karlheinz Weimar (CDU) hat bereits sein Veto verkündet. "Steuererhöhungen", so seine Sprecherin, "machen wir in keinem Fall mit".

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