Finanznot zwingt Kirch zum Umdenken
Mehr WM-Spiele bei ARD und ZDF

Deutschlands TV-Zuschauer sitzen bei den Fußball- Weltmeisterschaften 2002 und 2006 wahrscheinlich bei ARD und ZDF in der ersten Reihe.

dpa HANNOVER. In diesem Sommer sollen ARD/ZDF mehr Spiele als geplant zeigen, das Turnier im eigenen Land wird wohl komplett im Free TV übertragen. Die akute Finanznot der KirchGruppe hat zu einem Umdenken bei den Übertragungsplänen geführt.

Zwar bezeichneten Kirch und die TV-Sender Berichte als Spekulation, nach denen in den nächsten Tagen der Medienkonzern mit der ARD über den Verkauf der kompletten WM 2006 mit 64 Spielen für 250 Millionen Euro verhandeln will. Die Dementis fielen aber zaghaft aus. Bei einem Schuldenberg von rund 7 Milliarden Euro gilt es als wahrscheinlich, dass der vom Konkurs bedrohte Konzern schon bald mit ARD/ZDF über die WM in Deutschland verhandeln wird.

«Es gibt im Augenblick keine konkreten Gespräche über dieses Thema. Aber wir haben in München regelmäßig Kontakt mit ARD und dem Bayerischen Rundfunk», sagte Kirch-Sprecher Hartmut Schultz. Die ARD - Spitze mit dem Vorsitzenden Fritz Pleitgen und dem Sport-Intendanten und BR-Chef Thomas Gruber ist offensichtlich aus medienpolitischen und finanziellen Gründen an einer schnellen Einigung interessiert. Mit einer kurzfristigen Geldspritze für die WM-Rechte könnte Kirch zahlungsfähig bleiben und der angloamerikanische Medienmogul Rupert Murdoch zurückgedrängt werden.

Rigoroser Sparkurs

Die Intendanten von ARD/ZDF haben auch den Vertrag für die diesjährige WM mit Kirch abgeschlossen. Der Kontrakt hat ein Volumen von rund 115 Millionen Euro und sieht zur Zeit maximal 25 Live-Spiele für ARD und ZDF vor. Das komplette Turnier in Asien soll ebenso wie vier Jahre später die WM in Deutschland verschlüsselt im defizitären Pay TV-Sender Premiere zu sehen sein. Inzwischen wird aber darüber nachgedacht, bereits in diesem Sommer mehr Spiele an ARD und ZDF abzutreten. Premiere muss einen rigorosen Sparkurs fahren und schickt nur zwei Kommentatoren nach Asien.

Für die WM 2006 besitzen ARD/ZDF eine Option für 24 Spiele und eine Klausel, die viel Geld wert ist. Sollte Kirch die WM-Rechte einem anderen Sender geben, muss der Konzern rund 50 Millionen Euro an ARD/ZDF zahlen. Deshalb stehen auch ARD und ZDF unter Druck. Nach Angaben eines führenden ARD-Mitarbeiters würde das Geld wegfallen, falls Kirch vor Abschluss des 2006-Vertrages Pleite macht. Die Rechte würden dann an den Weltverband FIFA zurückgehen.

Die ARD-Pressestelle in Köln widersprach dieser Darstellung. «Einen Teilbetrag für die WM 2002 haben wir überwiesen. Laut Vertrag werden die restlichen rund 50 Millionen Euro fällig, wenn es ein Abkommen über die WM 2006 gibt. Deshalb können wir uns Zeit mit den Verhandlungen lassen», sagte ARD-Sprecherin Gudrun Hindersin der dpa. Sie betonte, dass in jedem Fall ARD und ZDF gemeinsam Gespräche mit Kirch führen werden. Die «Süddeutsche Zeitung» hatte über einen Alleingang der ARD berichtet, die nach dem Erwerb der 64 WM-Spiele einen Teil der Begegnungen an das ZDF weitergeben werde.

ZDF will im Sportsektor kürzer treten

Das ZDF, dem bisher bessere Kontakte zu Kirch nachgesagt wurden, will auf dem Sportsektor kürzer treten. Das kündigte der neue Intendant Markus Schächter an. Er sieht Einspar-Potenziale beim Ausland-Fußball, Tennis und Skisport. Die Fußball-WM soll aber nicht unter die Sparmaßnahmen fallen. Bei der anstehenden EM-Qualifikation des DFB-Teams tritt das ZDF allerdings in die zweite Reihe. Alle Auswärtspartien werden von der ARD gezeigt.

Der WM-Vorstoß der ARD ist auch ein Warnsignal an die Bundesliga und ihre Dachorganisation Deutsche Fußball-Liga (DFL). «Wenn wir uns die WM-Rechte sichern, haben wir kein Geld, notfalls auch die Bundesliga zurückzukaufen», erklärte ein ARD-Sportchef. Die DFL hat bisher in der Öffentlichkeit keinen Krisenplan für den Fall entwickelt, dass die Partner Kirch und Premiere Pleite gehen. Für die meisten der 36 Proficlubs hätte dies gravierende Konsequenzen. Sie müssten ihre Etats radikal kürzen.

Der Pay TV-Sender Premiere, der seit zwei Jahren alle Bundesliga- Spiele zeigt, schreibt mit seinen 2,4 Millionen Abonnenten täglich rote Zahlen in Millionenhöhe. Der neue Premiere-Chef Georg Kofler plant zwar ein preisgünstiges Fußball-Angebot für fünf Euro pro Monat. Dennoch muss der Abo-Kanal möglicherweise verkauft oder eingestellt werden.

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