Finanzsektor dominiert weiterhin
Dax: Umstellung auf Streubesitz

Nach Börsenschluss am Freitag-Abend werden die Karten im Dax-Poker neu gemischt. Vom 24. Juni an gilt für die deutschen Aktienindizes eine neue Berechnungsgrundlage. Dabei werden den tatsächlich handelbaren Titeln größere Bedeutung beigemessen. Dies führt zu teilweise erheblichen Gewichtsveränderungen einzelner Aktiengesellschaften, aber auch ganzer Branchen.

dpa FRANKFURT. Im Mittelpunkt des Interesses steht naturgemäß der Deutsche Aktienindex Dax mit den am meisten gehandelten 30 Standardtiteln. Am Auf und Ab dieses Kursbarometers wird täglich - auch von Millionen Kleinaktionären - die Stimmung an der Börse registriert. Die Aufnahmekriterien in diesen erlauchten Kreis bleiben im Prinzip unverändert: Hohe Umsätze und hohe Marktkapitalisierung. Letztere ergibt sich aus dem aktuellen Kurs multipliziert mit der Zahl der zum Handel zugelassenen Aktien.

Genau an dieser Stelle setzt nun die Reform des Dax - aber auch der übrigen Indizes MDax, SDax und Nemax 50 für den Neuen Markt - an. In Anlehnung an internationale Gepflogenheiten werden künftig nicht mehr alle Aktien eines Unternehmens zur Ermittlung des Börsenwertes herangezogen, sondern nur noch der tatsächlich für den Handel verfügbare Teil. Dieser Streubesitz oder im Börsenjargon Free-Float beträgt im Durchschnitt aller Dax-Werte nur 72 Prozent.

Nach der Definition der Deutschen Börse gehören alle Aktienpakete in festen Händen mit mehr als fünf Prozent des jeweiligen Kapitals nicht mehr zum Streubesitz. Darüber hinaus wird künftig auch nur noch eine Aktiengattung im Dax vertreten sein. Bislang sind sieben Titel - VW, BMW, RWE, Metro, Henkel, FMC und MAN - sowohl mit Stamm- als auch mit Vorzugsaktien vertreten. Künftig wird nur noch die Gattung mit der höheren Marktkapitalisierung im Dax-Gesamt-Index berücksichtigt.

Am deutlichsten ist der Unterschied zwischen der Zahl der ausgegebenen Aktien und dem Streubesitz bei der Telekom. Mit einem Staatsanteil von 43,05 Prozent büßt der Telefonriese deshalb das meiste Gewicht innerhalb des Dax ein. Aber auch die Münchener Rück - Versicherung und BMW mit ihren großen Einzelaktionären verlieren an Bedeutung. Auf der Gewinnerseite stehen dagegen Siemens, Deutsche Bank und der Energieversorger Eon, deren Gewichte im Index am stärksten zulegen.

Der Hauptvorteil der Index-Umstellung liegt darin, das Abbild des Aktienmarktes im Index mit der Realität in Übereinstimmung zu bringen. So haben hohe Telekom-Kurse in der Vergangenheit den Dax überproportional in die Höhe getrieben. Investmentfonds, die sich an dem Leitindex orientieren, mussten Telekom-Papiere zukaufen, um mit der überzeichneten Entwicklung des Dax gleichzuziehen. "Die Gefahr, dass es auf Grund der geringen Anzahl frei verfügbarer Aktien eines Unternehmens zu künstlichen Knappheitspreisen kommt, soll mit einem Free-Float-Index reduziert werden", resümiert der Aktienexperte Achim Matzke von der Commerzbank. Damit werde es für die Investoren leichter ihr Kapital in Dax-Werten anzulegen.

Siemens ist künftig das größte Schwergewicht im deutschen Börsenolymp, dem DAX. Der Konzern verdrängt mit der Umstellung der Börsenindizes auf Streubesitz den bisherigen Spitzenreiter Allianz, die nach vorläufigen Berechnungen auf den fünften Rang zurückfällt. Auch die Deutsche Telekom verliert deutlich an Gewicht. Wie die Deutsche Börse in Frankfurt am Main mitteilte, verringert sich das Gewicht der Telekom vorläufig von 7,26 auf 5,62 Prozent. Siemens legt dagegen von 8,84 auf 11,50 Prozent zu.

Die Verschiebung der Gewichte bezieht sich allerdings nicht nur auf einzelne Standardwerte, sondern auch auf Sektoren. Dabei wird insbesondere die Automobil-Branche - mit großen Einzelaktionären bei VW und BMW sowie dem Wegfall der Vorzugsaktien - an Gewicht verlieren. "Hierdurch sollte sich eines der Hauptmerkmale des Dax (hoher Anteil des Automobil-Sektors im Vergleich zu anderen, wichtigen internationalen Blue-Chip-Indizes) abschwächen", bilanziert Matzke. Am stärksten verlieren allerdings die Versicherungen, während Banken und Finanzdienstleister an Bedeutung zunehmen. Unter dem Strich bleibt damit die dominierende Stellung des Finanzsektors im Dax aber unverändert.

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