Finanzspritze von neun Milliarden Euro
Staat greift France Telecom unter die Arme

Die französische Regierung will der angeschlagenen France Telekom mit einer Finanzspritze von neun Milliarden Euro bei der Sanierung unter die Arme greifen und ist bereit, die Kontrolle über den Konzern abzugeben.

Reuters PARIS. Dies sieht ein am Donnerstag veröffentlichter Plan vor, mit dem France Telecom den gewaltigen Schuldenberg von 70 Milliarden Euro bis 2005 nahezu halbieren will. Die Regierung und der zu 55 Prozent im Staatsbesitz befindliche Konzern vereinbarten eine Kapitalerhöhung von 15 Milliarden Euro, von denen der Staat neun Milliarden Euro zahlen soll. Den Verbindlichkeiten will der Konzern zudem durch drastische Kosteneinsparungen zu Leibe rücken. Insgesamt 15 Milliarden Euro Schulden sollen in den nächsten drei Jahren durch Kürzungen im Betrieb und bei den Investitionen sowie durch die Streichung der Dividende im Jahr 2003 getilgt werden.

Der Aktienkurs von France Telekom stieg am Donnerstag an der Börse in Paris um mehr als sieben Prozent. "Der Markt spendet den Kosteneinsparungen Beifall, weil sie über den Erwartungen lagen", sagte ein Händler in Paris. Die staatliche Soforthilfe werde in Form einer Kreditlinie der staatlichen Bank CDC zur Verfügung gestellt, für die die Regierung bürge, sagte ein Parlamentarier am Donnerstag. Für die Bereitstellung des restlichen Betrags wurde in dem Sanierungsplan kein Termin festgesetzt.

Der ehemalige Telefonmonopolist hatte bis zum Ende des Telekom-Booms im Jahr 2000 insgesamt 100 Milliarden Euro in die Übernahme von Firmen im In- und Ausland gesteckt. Diese Summe entspricht in etwa der gesamten Wirtschaftsleistung Irlands. In Deutschland engagierte sich France Telecom beim Büdelsdorfer Mobilfunkunternehmen Mobilcom, an dem France Telecom 28,5 Prozent hält. Für den Rückzug aus den UMTS-Aktivitäten in Deutschland hat der französische Konzern zuletzt 6,1 Milliarden Euro Schulden von Mobilcom übernommen.

"Unser wichtigstes Ziel ist es, die finanzielle Schlinge zu lockern", erklärte Konzernchef Thierry Breton nach dem fünfstündigen Treffen des Verwaltungsrates. Finanzminister Francis Mer bezeichnete den Plan als "ehrgeizig und realistisch" zugleich. Er führte die Probleme des Konzerns darauf zurück, dass Frankreich per Gesetz verpflichtet ist, die Kontrolle über den Konzern zu halten. Deshalb müsse France Telecom Übernahmen mit Schulden statt mit der Ausgabe von Aktien finanzieren. Falls nötig, werde der Staat die mehrheitliche Kontrolle abgeben.

Der Minister zeigte sich in einem Interview mit dem Fernsehsender France 2 zuversichtlich, dass die EU-Kommission den Sanierungsplan akzeptieren werde. Die Regierung werde belegen, dass es sich bei der im Sanierungsplan festgelegten Zahlung nicht um eine Staatsbeihilfe handelt.

In den Stellungnahmen zum Sanierungsplan betonten sowohl France Telecom als auch die Regierung, sie wollten an den wichtigsten Beteiligungen wie die Mobilfunktochter Orange, die Internet-Firma Wanadoo und den Dienstleister für Hochgeschwindigkeits-Datenübertragung Equant festhalten. Andere Aktivitäten, die finanziell oder strategisch schwach seien, oder bei denen man nicht Mehrheitsgesellschafter werden könne, seien Kandidaten für einen Verkauf.

Für das Gesamtjahr 2002 rechnet France Telecom nach Worten von Thierry Breton auf Grund hoher Abschreibungen mit einem Nettoverlust von 18 bis 20 Milliarden Euro. Die zusätzlichen Abschreibungen, die vor allem Equant und die Telekomtochter Wind betreffen, liegen den Angaben zufolge zwischen 5,5 und sieben Milliarden Euro. Bereits im ersten Halbjahr hatte der Konzern 11,1 Milliarden Euro abgeschreiben und einen Verlust von 12,2 Milliarden Euro verzeichnet. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen (Ebitda) werde im Gesamtjahr 2002 rund 14,5 Milliarden Euro betragen, bekräftigte Breton in einer Pressekonferenz am Donnerstag.

In der Mitteilung nach der Verwaltungsratssitzung prognostizierte France Telecom für 2003 ein Umsatzplus von weniger als fünf Prozent, nach acht bis neun Prozent für 2002. Das Ebitda soll 2003 um mehr als zehn Prozent wachsen. Die Liquidität werde am Jahresende 2002 voraussichtlich bei sechs Milliarden Euro liegen. Der Aktienkurs von France Telecom stieg in den ersten Handelsstunden an der Pariser Börse um 8,6 Prozent auf 17,61 Euro.

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