Finanzvorstand bereits zurückgetreten
Aufsichtsamt untersucht auffällige Kursbewegungen bei Media

Einen Tag nach der überraschenden Bekanntgabe von Verlusten und einem drastischen Kurseinbruch hat der Vorstand des Mediendienstleisters Media Fehler eingeräumt. "Ich hätte es früher riechen müssen", sagte Vorstandschef Hans-Peter Mack am Donnerstag in München. Dennoch habe er die Anleger nicht bewusst getäuscht.

dpa/vwd FRANKFURT/MÜNCHEN. Anfang des Monats habe er nicht gewusst, dass die damals veröffentlichte vorläufige Gewinnschätzung von 1,5 Mill. ? für das damals bereits abgelaufene Geschäftsjahr drei Wochen später komplett verfehlt würde. Andernfalls hätte das Unternehmen diese Zahl nicht noch in einer Pflichtmitteilung am 4. September bekräftigt. "Ich bin doch nicht völlig wahnsinnig."

Das Unternehmen habe erst am vergangenen Montag die endgültigen Zahlen von Wirtschaftsprüfern erhalten. Auf Grund hoher Wertberichtigungen und Rückstellungen schloss die Media AG das Geschäftsjahr 2000/01 (30. Juni) demnach statt des versprochenen Gewinns mit einem Verlust von 6,56 Mill. ? (12,83 Mill. DM) ab. Am Tag der Veröffentlichung dieser Zahl brach der Kurs um rund 70 % auf 1,50 ein.

Mack begründete die Differenz in der Jahresbilanz mit einem neuen Verfahren bei der Bewertung des Vermögens, das kurz vor dem Jahresabschluss eingeführt worden sei. Dadurch sei das Anlagevermögen offenbar nicht richtig bewertet worden. Der zuständige Finanzvorstand Edmund Appelt hatte seinen Posten am Mittwoch niedergelegt. "Aber es geht hier nicht um Schuldzuweisungen", sagte Mack.

"Strikter Sparkurs"

Appelts Nachfolger Karl-Heinz Kragler kündigte an, das Unternehmen durch einen strikten Sparkurs aus der Krise führen zu wollen. Das Einsparungspotenzial für das laufende Geschäftsjahr liege bei mindestens 3,6 Mill. ?. Es sei das Ziel, im laufenden Geschäftsjahr beim Vorsteuer-Ergebnis wieder eine schwarze Null zu schreiben. Der Umsatz von rund 51 Mill. ? im abgelaufenen Geschäftsjahr solle gehalten werden. Denkbar sei auch die Partnersuche für Beteiligungen oder der Verkauf von Tochtergesellschaften. Einzelheiten wollte er allerdings noch nicht nennen.

Vorstandschef Mack hat nach eigenen Worten keine seiner rund zwei Millionen Aktien verkauft. Wie es zu dem starken Kursrückgang bereits Stunden vor der Ankündigung des Verlusts am Mittwoch kommen konnte, sei unklar. "Ich hoffe, dass es rausgefunden wird, weil es mir am meisten geschadet hat", sagte Mack. Bereits vor Veröffentlichung der Pflichtmitteilung brach der Kurs um mehr als ein Fünftel ein.

Auch das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) interessiert sich für die auffälligen Kursbewegungen rund eineinhalb Tage vor der Pflichtmitteilung. "Dazu liegt uns eine Reihe Beschwerden von Anlegern vor", sagte ein Sprecher auf Anfrage. Das BAWe untersuche den Fall jedoch ebenso von Amts wegen. Noch sei allerdings nicht entschieden, ob der Anfangsverdacht zu einer Analyse des Sachverhalts oder später zu einem förmlichen Verfahren führen wird.

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