Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick weist Berichte über schwierige Kassenlage zurück
Diskussionen um die Finanzen der Telekom drücken den Aktien-Kurs

Für die Banker von Credit Suisse First Boston steht die Deutsche Telekom AG zur Zeit auf Platz 1, wenn sie über Investitionen in integrierte Telekommunikationskonzerne nachdenken.

BERLIN. Sie loben das Unternehmen für die Steigerung der Profitabilität im Mobilfunk und den forcierten Einstieg in die schnelle Datenübertragungstechnik DSL. Zwar warnen sie vor möglichen Risiken aus der hohen Verschuldung; doch habe "das Management bewiesen, dass es auch mit einer Mega-Schuldenlast umgehen kann", heißt es in der neuen CSFB-Analyse.

An den Finanzmärkten waren viele Händler vergangene Woche gegenteiliger Meinung. Der Kurs rutschte nach Spekulationen von "Capital" über einen möglichen Ausfall der Dividende und der "Financial Times Deutschland" über eine angeblich schwierige Kassenlage auf 18,34 Euro. Der Cash-flow, also das Geld, was am Ende eines Geschäftsjahres in der Kasse übrig bleibt, bewegte die Märkte: Ein Loch von 2 Mrd. Euro entstehe, wenn die Telekom zusätzlich zu Investitionen und Zinsen eine gleich bleibende Dividende von 0,62 Euro zahle, hieß es. Auch 2002 werde dieser "free cash-flow" negativ ausfallen, wenn die Telekom eine Dividende zahle.

"Ob der free cash-flow in diesem Jahr negativ sein wird, weiß doch heute noch niemand", sagte Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick dem Handelsblatt. Eine kontinuierliche Dividendenpolitik sei wichtig für die Aktionäre, meinte er. Die Dividende schlägt der Vorstand dem Aufsichtsrat kurz vor der Hauptversammlung vor. Diese findet bei der Telekom im Mai statt.

Analysten sehen es nicht als Problem, wenn der freie Cash-flow ein oder zwei Jahre negativ ist. "Das bedeutet nur, dass sich das Unternehmen keine größeren Übernahmen mit Barzahlungen leisten kann", sagte Theo Kitz von Merck, Finck & Co. Nach früheren Äußerungen von Telekom-Chef Ron Sommer plant das Unternehmen derzeit keine größeren Übernahmen. Für 2001 erwarten Analysten ohnehin einen negativen freien Cash-flow.

Zahlen zum Jahresabschluss 2001 wollte Eick nicht nennen: Noch sei das Unternehmen dabei, das Dezember-Geschäft auszuwerten. "Wir sind jetzt in der Publikation zum Jahresabschluss vorsichtig mit vorläufigen Zahlen", so Eick. Bei den letzten Quartalsabschlüssen hätten vorläufige Zahlen die Anleger nur verwirrt, deshalb werde die Telekom künftig ausschließlich endgültige Zahlen veröffentlichen. "Wir sollten nicht aus dem Blick verlieren, dass sich die Telekom derzeit im Rahmen der langfristig angestrebten Bilanzrelation von 40 % Eigenkapital, 40 % Finanzverbindlichkeiten und 20 % Sonstiges bewegt", sagte Eick.

Die meisten Telekommarkt-Analysten sehen auch die nach den Übernahmen der Jahre 2000 und 2001 voraussichtlich bis 2004 roten Zahlen bei der Deutschen Telekom nicht als Problem, solange die Telekom mit dem Schuldenabbau voran kommt.

Bei der Telekom würde laut Eick selbst dann keine schwierige Kassenlage eintreten, wenn der geplante Kabel-Verkauf an Liberty Media für 5,5 Mrd. Euro am Kartellamt scheitert und der Börsengang der Mobilfunksparte nicht in diesem, sondern erst im nächsten Jahr stattfindet. "Dann würden wir unser Schuldenziel von 50 Mrd. Euro voraussichtlich erst Ende 2003 erreichen", so Eick. Zum 30. September hatte die Telekom 65 Mrd. Euro Netto-Schulden. Die einzige Auswirkung sei dann, dass die Kreditrating-Agenturen die Telekom wahrscheinlich schlechter einstufen würden. "Das würde uns pro Jahr 100 Millionen Euro mehr an Zinsen kosten", so Eick. "Ich rechne allerdings nicht mit diesem Szenario."

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%