Finanzvorstand Rabe soll übergangsweise die Geschäfte führen
Führungskrise in der RTL-Group scheint beendet

Die Führungskrise bei Europas größten Fernseh- und Radiokonzern scheint gelöst: Finanzvorstand Thomas Rabe soll die RTL Group führen, bis die neue Führungsarchitektur endgültig steht. Das bestätigten am Mittwoch Unternehmenskreise.

DÜSSELDORF/LUXEMBURG. Eine entsprechende Entscheidung fällt möglicherweise heute Nachmittag auf einer Sitzung des RTL-Group-Aufsichtsrates, an der auch Bertelsmann-Chef Gunther Thielen, BMG-Chef Rolf Schmidt-Holtz und Finanzvorstand Siegfried Luther teilnehmen.

Der in Luxemburg geborene 37-jährige Rabe ist seit August 2000 bei der RTL Group. Zuvor war der deutsche Ökonom bei der EU-Kommission, der Treuhandanstalt und bei der Brüsseler Kanzlei Forrester Norall & Sutton sowie als Finanzchef beim Börsendienstleister Clearstream. Thomas Rabe wird auch die Bilanz der RTL Group am 17. März präsentieren. Diese soll mit einem Gewinn von über 400 Mill. Euro bei einem Umsatz von etwa 4,4 Mrd. Euro trotz des schwierigen Werbemarktes ausgesprochen positiv ausfallen.

Der vielsprachige Rabe, der für eine Stellungsnahme nicht zu erreichen war, ist innerhalb des Bertelsmann-Konzerns nicht verankert. Genau das macht ihn für den belgischen Finanzmagnaten Albert Frère, 25 %-Gesellschafter bei Bertelsmann, jedoch akzeptabel. Bisher galt der bisherige Vorstandschefs Didier Bellens, der am Freitag die Kommandobrücke in Luxemburg verlässt, als Vertrauensmann Frères. Bellens übernimmt nächste Woche den Chefsessel des belgischen Telekomunternehmens Belgacom in Brüssel. Innerhalb der RTL Group galt Rabe als Kritiker von Bellens.

Wie lange die Lösung mit Rabe Bestand haben wird, ist offen. Als Favorit für die Bellens-Nachfolge galt bisher der frühere Fernsehmanager und jetzige BMG-Chef Schmidt-Holtz. "Noch ist das nicht entschieden", sagte ein Bertelsmann-Sprecher. Dem Gütersloher Medienkonzern gehören mehr als 90 % an der RTL-Group. "Wann Schmidt-Holtz kommt, ist weiter völlig ungewiss", bestätigte gestern ein RTL-Insider. Wie die RTL Group aussehen wird, darüber herrscht im Kreis der Gesellschafterkreis noch keine Einigkeit. Möglicherweise wird die Holding mit derzeit rund 70 Mitarbeitern weiter verkleinert, heißt es in der Branche. Derzeit gilt es auch als möglich, dass Schmidt-Holtz künftig Chef des RTL-Aufsichtsrats wird. Damit würde er Juan Abéllo Gallo ablösen.

Die Geschäfte in Luxemburg würde Rabe führen, unterstützt von einem starken Gremium, bestehend aus RTL-Deutschlandchef Gerhard Zeiler, dem französischen M6-Senderchef Nicolas de Tavernost und dem britischen Fremantle-CEO und früheren Zeitungsredakteur Tony Cohen.

Schmidt-Holtz, schon derzeit im Aufsichtsgremium der RTL-Group, wird derzeit in New York am Sitz der Musiktochter BMG gebraucht. Erst am Montag bestätigte Bertelsmann-Finanzvorstand Luther, dass über die Zukunft des Musikgeschäfts in Gütersloh nachgedacht wird.

Die im Jahr 2000 gegründete RTL-Group ist mit 23 TV-Sendern und 22 Radios in acht Ländern vertreten. Gestern stieg die Aktie der Mediengruppe in Brüssel um 3,45 % auf 30 Euro. Innerhalb eines Jahres hatte das Papier rund ein Drittel seines Wertes eingebüßt.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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