Finanzwerte brechen europaweit ein
Neuer Schock für die Märkte: Anleger flüchten aus Banktiteln

Dienstag war ein rabenschwarzer Tag für Finanztitel: Kursverluste auf breiter Front, zum Teil sogar zweistellige. Die Schockwellen der Unternehmenskrisen schlagen jetzt offenbar voll auf die Banken durch.

FRANKFURT/M. Der Absturz der Banken- und Versicherungsaktien beschleunigt sich. Nachdem zum Wochenbeginn der niederländische Assekuranzriese Aegon die Märkte mit einer Gewinnwarnung geschockt hatte, setzte der Allfinanzkonzern Fortis am Dienstag die Liste der schlechten Nachrichten fort. Auch Fortis geht davon aus, dass die Gewinne hinter den bisherigen Prognosen zurückbleiben könnten. Daraufhin brachen die Kurse der Versicherungswerte europaweit ein. Allianz sowie Münchener Rück sackten um mehr als sechs Prozent ab. Bei Aegon setzte sich der Einbruch fort.

Die Banken wurden derweil erneut von Sorgen über weitere Unternehmenspleiten und Kreditausfälle gebeutelt. Zu den größten Verlierern in Deutschland gehörten Hypo-Vereinsbank und Commerzbank, die mehr als acht Prozent an Wert verloren. In der zweiten Reihe brach die Aktie der Depfa Bank um 18 Prozent ein.

Der Kursrutsch der Finanzdienstleister hinterließ tiefe Spuren im Deutschen Aktienindex (Dax). Zeitweise rutschte das wichtigste heimische Börsenbarometer unter die psychologisch wichtige Marke von 3 600 Punkten. So schwach notierte der Dax zuletzt im Jahr 1997.

Ausgelöst wurde der Einbruch durch die Angst vor einem schlechten Ergebnis der Hypo-Vereinsbank (HVB). Das Institut legt am kommenden Donnerstag als erstes großes deutsches Kreditinstitut Zahlen für das erste Halbjahr 2002 vor. Finanzkreise befürchten für das zweite Quartal einen operativen Verlust in Höhe von 200 Mill. Euro. Nur dank des Verkaufs von Allianz-Aktien aus dem eigenen Beteiligungsportfolio werde die Bank unter dem Strich schwarze Zahlen schreiben. Vor allem der starke Anstieg der Zahl der Firmenpleiten in Deutschland macht der Hypo-Vereinsbank zu schaffen. Das Institut war unter anderem bei der Kirch-Gruppe, bei Fairchild-Dornier und Holzmann stark engagiert. Nach Informationen des Handelsblatts muss die HVB die Risikovorsorge für das Kreditgeschäft im Gesamtjahr voraussichtlich von bisher erwarteten 2,1 auf 2,5 Mrd. Euro anheben.

Der Einbruch der Hypo-Vereinsbank-Aktie zog auch Commerzbank und Deutsche Bank mit in die Tiefe. Die Deutsche bezifferte gestern ihr Risiko aus dem Zusammenbruch von Worldcom auf 241 Mill. US-Dollar. Die Analysten von Sal. Oppenheim erwarten, dass deshalb die Netto-Risikovorsorge im zweiten Quartal von 270 auf 425 Mill. Euro erhöht werden muss. Metehan Sen von Sal. Oppenheim geht für die zweiten drei Monate von einem operativen Gewinn vor Steuern von 345 Mill. Euro aus. Im Vorjahr war es noch über eine halbe Milliarde.

Quelle: Handelsblatt

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