Finanzwerte schwach
Dax dreht nach Duisenberg-Aussagen ins Minus

Nach zurückhaltenden Aussagen von EZB-Präsident Wim Duisenberg über die weitere Entwicklung der Konjunktur haben die deutschen Standardwerte am Dienstag ins Minus gedreht.

Reuters FRANKFURT. Die Terminmärkte hätten umgehend mit nachgebenden Kursen reagiert und die Aktien mitgezogen, sagte ein Händler. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) hatte bei einer Anhörung vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments gesagt, das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone werde auch Anfang 2002 noch schwach bleiben. Die Voraussetzungen für eine Erholung im weiteren Verlauf des nächsten Jahres seien aber gegeben. Infineon-Aktien, die trotz der gescheiterten Kooperation des Unternehmens mit der japanischen Toshiba zeitweilig deutlich im Plus lagen, gaben ihrer Gewinne wieder ab. Commerzbank-Papiere gaben ebenso nach.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) tendierte am späten Nachmittag 0,47 % schwächer bei 5044 Zählern. Am Neuen Markt stieg der Auswahlindex Nemax 50 ides um 0,73 % auf 1 210 Zähler an. Der M Dax für die mittelschweren Werte notierte 0,56 % fester bei 4 170 Punkten.



Dünne Umsätze

In Erwartung der Weihnachtsfeiertage seien die Umsätze insgesamt sehr dünn, sagte ein Broker. Alle warteten nur auf das Jahresende. Ein Fondsmanager verwies darauf, dass viele Marktteilnehmer ihre Bücher bereits geschlossen hätten. "Der Handel ist absolut lustlos", fügte ein Aktienhändler hinzu.

Duisenberg sagte vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments, das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone werde auch Anfang kommenden Jahres eher schwach bleiben. Die Voraussetzungen für eine Erholung seien allerdings gegeben. Die Euro-Zone sei bei einer möglichen Erholung jedoch auf sich alleine gestellt, da nicht angenommen werden könne, dass der Aufschwung von den USA angeführt werde. Zugleich warnte der Niederländer an der EZB-Spitze mit Blick auf die nationalen Regierungen der zwölf Euro-Länder, die Ziele des europäischen Stabilitätspakts dürften trotz der schwierigen Konjunkturlage nicht in Frage gestellt werden.



Infineon-Aktie fährt Achterbahn

Infineon

waren im Tagesverlauf um bis zu 4,83 % gestiegen, lagen am Nachmittag aber 0,41 % im Minus bei 24,32 Euro. Infineon und Toshiba hatten am Morgen überraschend ihre Verhandlungen über eine Kooperation bei Speicherchips beendet. Keine der diskutierten Optionen sei für beide Seiten gleichermaßen zukunftsfähig gewesen, teilte Infineon mit. Während Aktien von SAP ihre Gewinne größtenteils halten konnten, rutschten Siemens ebenfalls ins Minus. Bis zum Nachmittag stiegen SAP um 2,57 % auf 149,90 Euro, Siemens fielen um 0,4 % auf 71,56 Euro.

Commerzbank -Titel verbilligten sich unterdessen um 4,25 % auf 17,33 Euro. David Scully, Leiter des Aktienhandels bei JP Morgan, zufolge gab es keine Nachrichten, die den Kurs der Commerzbank-Papiere belasteten. Allerdings befürchteten einige Anleger offenbar, das Commerzbank-Engagement beim angeschlagenen Energiehändler Enron, bei der Kirch-Gruppe und dem hoch verschuldeten Kabel-Betreiber NTL könne die Bank stärker belasten als bisher angenommen. Außerdem seien angesichts des bevorstehenden Jahreswechsels Portfolio-Umschichtungen zu verzeichnen.

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