Finanzwerte stärken ihre Stellung im Index Mib 30
Italiens Leitindex bekommt neue Zutaten

Morgen wird die Mailänder Börse verkünden, welche Unternehmen am 23. September aus dem Club der italienischen Top-Aktien herausfallen und welche neu hinzukommen werden. Wahrscheinlich müssen Bulgari und AEM der Banca Popolare Verona-Novara und Antonveneta weichen.

MAILAND. Mehr Banken, noch weniger Industrie: Das dürfte die wahrscheinlichste Folge der anstehenden Neuordnung des Mailänder Leitindexes Mib 30 sein. Borsa Italiana, die Betreibergesellschaft der einzigen Börse des Landes, wird am Freitag Abend die neue Zusammensetzung ihres Blue-Chip-Panels bekannt geben. Die Änderungen treten am 23. September in Kraft.

Marktteilnehmer gehen davon aus, dass der Römer Luxusgüterhersteller Bulgari und die Stadtwerke von Mailand, AEM, aus dem Kreise der italienischen Top-Aktien ausscheiden werden. Ersetzt werden sie vermutlich durch die frisch fusionierte Banca Popolare Verona-Novara (BPVN), die Volksbank von Padua, Banca Antonveneta, oder den Nahrungsmittelkonzern Parmalat Finanziaria. Das Revirement des Mib 30 ist kursrelevant für die betroffenen Titel, da sich indexbasierte Fonds mit den neu ausgerufenen Blue-Chips eindecken und ausscheidende Titel verkaufen müssen.

Die Vorgänge werfen ein wichtiges Schlaglicht auf die weiter wachsende Bedeutung der Finanzwerte in Mailand: Sollten beide Kreditinstitute in den Mib 30 aufgenommen werden, bestünde bereits die Hälfte des Indexes aus Bank- bzw. Versicherungstiteln. Diese augenscheinliche Dominanz wird aber nur begrenzt durch das tatsächliche Gewicht des Sektors bestätigt. Aktuell kommen die 13 Werte der Branche gemeinsam auf einen Anteil von lediglich 22,6 % des Mib 30. Schwerer wiegen sowohl das Telecom-Italia-Konglomerat (23,3 % mit Pirelli, Olivetti, TIM, Seat Pagine Gialle) als auch die früher staatlichen Versorger bzw. Energieriesen, sprich Eni oder Enel (30,3%).

Grund für die numerisch starke Präsenz der Geldinstitute ist denn auch weniger deren volkswirtschaftliche Bedeutung, sondern die noch immer starke Zersplitterung des Bankenmarktes. Hinzu kommt, dass in Italien, anders als beispielsweise in Deutschland, Sparkassen und Volksbanken meist börsennotiert sind. Zwei der Aufsteigerkandidaten (BPVN und Antonveneta) gehören zur Riege der genossenschaftlichen Institute in der Rechtsform von Aktiengesellschaften. Aus dieser Eigenart folgt die große Masse von mittleren bis großen Häusern, deren Marktkapitalisierung und Handelsvolumina eine Präsenz im Blue-Chip-Index rechtfertigen. Das selbe Bild zeigt sich im Mid-Cap-Index, Midex, in den Ende September möglichwerweise drei weitere Banken (Banca Lombarda, Carige und Carifirenze) aufgenommen werden könnten.

Die numerische Stärke der Finanzinstitute kombiniert mit der tatsächlichen Dominanz früher staatlicher Konzerne lässt den Schluss zu, dass Industriewerte an der Mailänder Börse eine im internationalen Vergleich geringe Rolle spielen. Inklusive des Reifen und Kabelhersteller Pirelli, der seit seiner Übernahme der Telecom Italia eher einer Holding gleicht, kommen die fünf Titel im Mib 30 gerade einmal auf ein Gewicht von 9,2 %. Dies ist nicht zuletzt eine Folge der Krise des Fiat-Konzerns, der als umsatzstärkster Konzern des Landes gerade einmal 1,3 % des Mib 30 abbildet. Ende September dürften es nochmals weniger werden.

Die Schwäche der Industrietitel dokumentiert das voraussichtliche Ausscheiden des Römer Schmuckkonzerns Bulgari nach nur einem Jahr der Zugehörigkeit aus dem Club der italienischen Top-Aktien. Zu stark hat der Wert in den letzten Monaten an Kapitalisierung und Umsatzvolumen verloren. Seit Anfang des Jahres ist der Titel im Abwärtsstrudel der Luxusmärkte um rund 45 % abgestürzt. Ebenso düster sieht die Performance der Multi-Utility AEM mit Minus 43 % aus. Die beiden sie ersetzenden Banken oder auch Parmalat sind weniger volatil. Die Banken konzentrieren sich auf das heimische Retail-Geschäft. Risikotreiber wie das Investmentbanking oder Auslandsaktivitäten spielen nur eine untergeordnete Rolle. Parmalat zählt als Nahrungsmittelkonzern ohnedies zu den antizyklischen und verhältnismäßig defensiven Werten.

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