Fingerbruch beendet WM-Traum
Kretzschmar als untröstlicher Held

Ein gebrochener kleiner Finger hat einen großen Traum zerstört und Stefan Kretzschmar zu einem tragischen Helden der Handball-Weltmeisterschaft gemacht. Rund 20 Stunden vor dem Endspiel am Sonntag in Lissabon gegen Kroatien wurde für den Linksaußen der deutschen Nationalmannschaft zur Gewissheit, dass das ersehnte Finale ohne ihn stattfindet.

HB/dpa LISSABON. "Diagonale Fraktur des kleinen Fingers der Wurfhand" lautete die niederschmetternde Diagnose, die sein 200. Länderspiel ausgerechnet im WM-Finale verhinderte. "Das gibt es nur einmal im Leben. Das ist das Bitterste, was passieren konnte", sagte Bernd-Uwe Hildebrandt, Manager von Kretzschmars Magdeburg.

Den traditionellen Spaziergang der Mannschaft vor einem Spiel machte Kretzschmar am Sonntag mit. Dabei war der lädierte Finger provisorisch mit einer Schiene versehen. Gleich nach der Rückkehr aus Portugal wird der Finger in Magdeburg operiert und der komplizierte Bruch mit Schrauben versehen. Hildebrandt rechnet damit, dass sein Star in der Bundesliga drei Wochen fehlen wird.

Zwei Wochen vor seinem 30. Geburtstag war Kretzschmar im WM-Halbfinale gegen Frankreich ausgerechnet mit seinem Club-Kameraden Joel Abati zusammengeprallt, gestürzt und auf den Finger gefallen. "Ich konnte keinen Ball mehr fangen", berichtete er nach dem Spiel. Zu diesem Zeitpunkt war der auch wegen seiner Piercings und Tätowierungen auffällige Profi jedoch noch optimistisch, im ersten WM-Endspiel einer deutschen Mannschaft seit dem Titelgewinn 1978 auflaufen zu können. "Ich hoffe, dass es nicht so schlimm ist, dass ich nicht spielen kann."

Nur wenige Stunden später waren die schlimmsten Befürchtungen Gewissheit. Der "Medien-Mogul", wie Kretzschmar in der Mannschaft genannt wird, schottete sich nun ab und war nicht mehr zu sprechen. "Ich will und kann zu dieser Situation nichts sagen. Ich bin einfach nur enttäuscht. Mehr sage ich in dieser Phase jetzt nicht", ließ der zutiefst niedergeschlagene Kretzschmar über DHB-Pressesprecher Detlev Zenk ausrichten. Aus der Entfernung hatte es auch Franziska van Almsick schwer, ihren Freund zu trösten. "Für Stefan tut es mir leid. Ihm geht es verständlicherweise nicht so gut", ließ sich die Starschwimmerin am Samstag in Frankfurt vernehmen. Dorthin hatte ihr Kretzschmar die Hiobsbotschaft übermittelt, bevor Franziska van Almsick beim "Ball des Sports" als Glücksfee aufgetreten war.

Das Turnier in Portugal sollte für den Magdeburger zum sportlichen Höhepunkt werden. Denn bei der WM 2005 ihn Tunesien will er nicht mehr in der Nationalmannschaft spielen. Seinen Rücktritt nach den Olympischen Spielen im kommenden Jahr in Athen hat Kretzschmar bereits angekündigt. Bis zu seiner Verletzung hatte er eine überragende WM gespielt, war mit 48 Treffern bester deutscher Torschütze und sprühte vor Spielfreude. "Er ist in der besten Form, seit ich ihn als Bundestrainer habe. Das messe ich nicht nur an der Torausbeute, sondern auch an seiner Konzentration auf das Ereignis", sagte Bundestrainer Heiner Brand anerkennend.

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