Finnen verbuchen Großauftrag von France Télécom im Mobilfunkgeschäft
Nokia drängt in Ericssons Domäne

Nokia stärkt seine Position im bisher schwächeren Geschäft mit Infrastruktur-Systemen für den Mobilfunk. France Télécom hat den Finnen den Auftrag erteilt, einen Großteil des Mobilfunknetzes in Frankreich, Großbritannien und Deutschland zu bauen. Dafür beteiligt sich Nokia mit Milliarden-Krediten an der Finanzierung.

DÜSSELDORF. Der Nokia-Konzern hat erneut bedeutende Aufträge für seine Netzwerksparte erhalten. Dadurch rückt für die Finnen das Ziel näher, als Lieferant für Mobilfunk-Infrastruktur zum bisher führenden schwedischen Konkurrenten Ericsson aufzuschließen. Nokia-Chef Jorma Ollila hatte vor kurzem das Ziel vorgegeben, bei den anstehenden Aufträgen für die Netze der dritten Mobilfunk-Generation einen Anteil von 35 % zu erreichen. Bisher dominiert bei Nokia eindeutig das Handy-Geschäft. Mit Mobiltelefonen erzielten die Finnen bisher mehr als 70 % Anteil ihres Umsatzes.

Als neuesten Erfolg kann Nokia einen Auftrag von France Télécom für deren konzernweites Mobilfunknetz verbuchen. Nokia gibt die Höhe des Auftrages mit 1,5 Milliarden Euro an. Die Finnen werden für die britische Mobilfunktochter von France Télécom, Orange, das Mobilfunknetz alleine aufbauen. Für die Mobilfunk-Tochter in Frankreich, Itineris, teilt sich Nokia den Auftrag mit dem bisherigen Hauptlieferanten von France Télécom, Alcatel. Der Auftragsanteil für Alcatel wird mit 315 Millionen Euro angegeben.

Mit dem Auftrag der France Télécom betritt Nokia Neuland: Erstmals haben sich die Finnen mit einem Milliardenkredit an der Finanzierung eines Mobilfunk-Projekts beteiligt. Nach Angaben Nokias liegt die Summe der Lieferantenkredite für das gesamte Paket bei über zwei Milliarden Euro. Bisher hatte sich der Handy-Spezialist an der Finanzierung von Aufträgen für das derzeitige GSM-Mobilfunksystem lediglich mit 200 Millionen Euro beteiligt. Eine Nokia - Sprecherin begründete dieses hohe finanzielle Engagement damit, dies sei ein strategisch wichtiger Auftrag mit einem bedeutenden Kunden.

Durch diesen Auftrag und auch durch andere in der jüngsten Zeit hat Nokia in der Netzwerksparte gegenüber Ericsson kräftig aufgeholt. Die Schweden sehen sich allerdings immer noch deutlich in Front. Ein Sprecher in Düsseldorf betonte, Ericsson habe von bisher 44 weltweit vergebenen Aufträgen für Mobilfunk-Systeme der dritten Generation 29 erhalten. "Damit liegen wir mit Abstand in Front", betonte der Ericsson-Sprecher. Nokia sieht das anders. Nach deren Rechnung liegen die Finnen mit bisher 20 erhaltenen Aufträgen gleichauf mit dem bisherigen Spitzenreiter.

In Deutschland wird Nokia für den Mobilfunker Mobilcom, an dem France Télécom zu 28,5 % beteiligt ist, zusammen mit Ericsson das Mobilfunknetz liefern. Der Wert dieses Auftrages wird mit insgesamt 1,4 Milliarden Euro angegeben, wobei der Anteil der Finnen etwas höher liegt als der von Ericsson.

Heftiges Gerangel um Auftrag für Mobilcom

Um den Auftrag für Mobilcom hatte es offensichtlich ein heftiges Gerangel gegeben. Zunächst hatte die Telekomgesellschaft aus Büdelsdorf im Oktober vergangenen Jahres verkündet, den Auftrag im Volumen von 1,6 Milliarden Euro für das künftige UMTS-Netz in Deutschland ausschließlich an Ericsson vergeben zu haben. Dabei hatte sich Mobilcom-Chef Gerhard Schmid damit gebrüstet, dass Ericsson alleine die Finanzierung übernehme. Später hatte Mobilcom mitgeteilt, man prüfe die Aufteilung des Vertrages an einen weiteren Lieferanten, um schneller mit dem Netz starten zu können.

Jetzt geht der Auftrag zu einem etwas größeren Anteil an Nokia, während Ericsson weniger als die Hälfte der benötigten Basisstationen und Rechner liefert. Die Auftragssumme ist nach Angaben von Mobilcom um 200 Millionen auf 1,4 Milliarden Euro gesunken. Dies wird mit Einsparungen durch einen Mengenrabatt begründet. Nach Angaben von Mobilcom übernehmen Nokia und Ericsson nicht nur anteilig die Finanzierung für die Infrastruktur, sondern tragen auch die Kosten für die Anlauffinanzierung des Mobilfunknetzes.

An der Börse konnte Nokia von dem Auftrag nicht profitieren. Die Aktie fiel ebenso wie die von Ericsson. Hakan Persson, Analyst beim Stockholmer Broker-Institut Aragon, sagte, Nokias Entscheidung, sich mit einer hohen Finanzierung an dem Auftrag zu beteiligen, werde erhebliche Auswirkungen auf den Rivalen Ericsson haben. "Nokia verfolgt beim Netzwerkausbau nun die gleiche Strategie wie in seinem Mobilfunkgeschäft", sagte der Analyst. Ericsson habe große Probleme beim Cash-Flow und habe weniger Mittel, sich in diesem Wettbewerb zu behaupten. Gerade der niedrige Cash-Flow des Rivalen könne Nokia veranlasst haben, Ericsson die Führung im Infrastruktur-Geschäft streitig zu machen.

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