Finnischer Hersteller präsentiert sein erstes Mobiltelefon mit neuer Technik
UMTS nimmt bei Nokia Gestalt an

Nokia präsentiert sein erstes UMTS-Handy, der finnische Mobilfunkbetreiber Sonera seine ersten Datendienste für die neue Technik. Den UMTS-Durchbruch erwarten Experten aber erst in zwei Jahren.

HELSINKI. Gemessen am Interesse der Medien ist der neue Mobilfunkstandard UMTS bereits jetzt ein Riesenerfolg. Doch als gestern der größte Handy-Hersteller der Welt, Nokia aus Finnland, vor über 200 Journalisten sein erstes UMTS-Mobiltelefon im Kiasma, dem Museum für zeitgenössische Kunst in Helsinki, präsentierte, wurde auch schnell klar, dass das Exponat auf Grund einiger technischer Hürden in der Praxis noch nicht voll anwendbar ist.

Zwar erhielt Nokia Schützenhilfe von Sonera, dem größten finnischen Mobilfunknetzbetreiber, der seine ersten UMTS-Dienste vorstellte, doch bis gewöhnliche Verbraucher in den Genuss der schnellen Übertragungsraten kommen, werden noch mindestens zwei Jahre vergehen.

Die beiden finnischen Unternehmen hatten ursprünglich geladen, um den "Start in das neue Zeitalter" einzuläuten. Nun erklärte selbst J.T. Bergqvist, verantwortlich für die Nokia-Netzwerksparte, dass man erst "am Rande der nächsten Generation" stehe. Der Grund für seine Zurückhaltung: Es gibt weiterhin technische Probleme mit den superschnellen Netzen, die später einmal sogar das Anschauen von Video-Clips und das Herunterladen von Musikstücken möglich machen sollen.

Die Probleme verbergen sich hinter dem Begriff der Interoperabilität. Während einer mehrjährigen Übergangsphase werden die bisherigen GSM-Mobilfunknetze und die neuen UMTS-Netze parallel nebeneinander laufen. In Regionen, in denen das UMTS-Netz noch nicht ausgebaut ist, muss sich das Handy automatisch und für den Anwender nicht spürbar in das bestehende Netz schalten. Bei diesem so genannten Handover kommt es aber jedoch immer noch zu Verbindungsabbrüchen.

"Wir müssen sicherstellen, dass Handys und Netzwerke verschiedener Hersteller untereinander kompatibel sind", gibt Anssi Vanjoki, Chef der Handy-Sparte von Nokia zu. "Wir sind jetzt aber in der Schlussphase der Tests", so Vanjoki. Er betonte immer wieder, dass "die Kunden nicht verzeihen" und sein Unternehmen deshalb die Geräte erst in größeren Stückzahlen auf den Markt bringt, wenn alles funktioniert. Nach Meinung von Experten ist es in erster Linie ein Standardisierungs- und Softwareproblem, dass aber demnächst gelöst sein müsste. "Die Leute sind einfach zu ungeduldig", meint Lauri Rosendahl, Telekom-Analyst bei der Deutschen Bank in Helsinki. Er betont, dass beim Übergang zu einer völlig neuen Technik auch in der Vergangenheit immer wieder Verzögerungen aufgetreten sind.

Sonera zog aus den noch nicht endgültig gelösten Problemen vor kurzem die Konsequenzen und sagte den für gestern geplanten Startschuss für die Inbetriebnahme des finnischen UMTS-Netzes ab. Der kommerzielle Betrieb soll jetzt im Laufe des nächsten Jahres beginnen. Mit dem richtigen Durchbruch rechnet Sonera-Chef Harri Koponen jedoch nicht vor 2004.

Dennoch gaben sich sowohl Nokia - wie Sonera-Vertreter optimistisch. "Wir müssen nicht auf UMTS warten. Die künftigen Dienste gibt es ab heute auch im bisherigen Mobilfunkstandard", versuchte Koponen zu trösten. Sonera stellte gestern eine ganze Reihe neue Angebote vor - von Nachrichten über Auskunftsangebote bis zu Positionierungsdiensten, mit deren Hilfe man stets genau weiß, wo man sich in Finnland befindet. Diese können die finnischen Handy-Kunden ab sofort nutzen können, wenn sie ein GPRS-Handy besitzen. GPRS gilt als die Vorläufertechnologie von UMTS. Der Unterschied: Die Daten werden bei GPRS langsamer übertragen als bei UMTS.

Wenn das Nokia-UMTS-Handy 6650 auf den Markt kommt, wird alles noch schneller. Es ermöglicht Datenübertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 128 Kilobit pro Sekunde - das entspricht etwa den Übertragungsraten im Festnetz bei einem ISDN-Anschluss. Das UMTS-Gerät von Nokia ermöglicht Sprechzeiten von rund zweieinhalb Stunden. Die Standby-Zeit beträgt 14 Tage. Ausgeliefert wird das Kamera-Handy in der ersten Jahreshälfte 2003.

Doch Vanjoki gibt sich kämpferisch, geht trotz Startverzögerungen von einem großen UMTS-Erfolg aus. "Leute, die heute kein Handy besitzen, sind Relikte aus vergangener Zeit oder einfach unsoziale Typen". Und die soll es nach seinem Weltbild im neuen UMTS-Zeitalter nicht mehr geben.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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