Finnischer Mobilfunkbetreiber erwartet Verkaufszahlen für neue Spielekonsole im sechsstelligen Bereich
Spielehandy ist Nokias Bewährungsprobe

Mit einem vollkommen neuen Produkt will sich der finnische Mobilfunkhersteller Nokia neue Einnahmequellen erschließen. Mit dem "N-Gage", einer Videospielkonsole mit Handyfunktion, greift der Konzern vor allem den japanischen Giganten Nintendo an, der mit seinem Gameboy den Markt mit Spielekonsolen beherrscht. Die Erwartungen sind hoch.

DÜSSELDORF. Pro Jahr werden in Deutschland über 1,7 Mill. Videokonsolen verkauft, Bislang hat der deutsche Handel vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft Orders im "sechsstelligen Bereich" platziert, sagt Nokia-Manager Mats Winblad. N-Gage ist die erste große Bewährungsprobe für den neuen Nokia-Bereich Multimedia. Hier sind neben Bildtelefonen ab nächstem Jahr auch Mobil-Spiele zusammengefasst.

Mobile-Gaming wächst rasant: Das Online-Portal Jamba.de zählt rund 250 000 Spiele-Downloads pro Monat, erklärt Sprecher Tilo Bonow. Mitte letzten Jahres waren es 5 000. "Wir haben Wachstumsraten zwischen 30 bis 35 % monatlich." Zwischen 4 und 5 Euro sind für jedes der 900 Spiele fällig - Telefongebühren für den Download noch nicht mitgerechnet. Weil die auch nochmal kräftig zu Buche schlagen, sieht Achim Egner, stellvertretender Vorstandschef der Debitel AG, noch großes Potenzial. Er hofft, mit N-Gage bis zu 20 % der Neuverträge in den Debitel-Shops machen zu können.

Auf jeden Fall erwartet er einen "fünfstelligen Absatz". Mit Standardvertrag kostet die Mobil-Konsole bei Debitel 99 Euro. Konkurrent T-Mobile hält sich noch bedeckt: "Der Preis wir im letzten Moment festgelegt", teilt ein Sprecher mit.

Debitel macht mehr Druck: Seit Samstag wird in den Shops ein bundesweiter Spiele-Wettbewerb mit dem Kultspiel "Tony Hawk Pro Skater" auf N-Gage ausgetragen. Egner räumt ein, dass die Unsicherheit groß ist, ob die Spieler auch viel telefonieren oder Spiele laden werden - nur das bringt Umsatz bei Debitel. Trotzdem: Gaming hat "einen hohen Stellenwert", sagt Egner.

Dem kann Jan Andresen von der kleinen Software-Schmiede Elkware nur zustimmen. Mit der Umsetzung des PC-Spieleklassikers "Anno 1503" von Sunflowers landeten er einen Riesenerfolg: Über 30 000 mal wurde "Anno" in wenigen Monaten verkauft, Elkware schreibt schwarze Zahlen. Jamba rechnet alleine für "Anno 1503" mit weiteren 80 000 Verkäufen bis Jahresende.

Das Problem: Spiele wie Anno 1503 sind in Java programmiert und laufen auf vielen gängigen Handys. Dafür muss man keinen N-Gage haben. Spezielle N-Gage-Spiele auf Basis des Betriebssystems Symbian wiederum sind aber mit 40 Euro ziemlich teuer und so groß, dass sie niemand über Datenfunk lädt. Sie kommen auf einer Speicherkarte - die Mobilfunkbetreiber sind daran nicht interessiert.

Zudem ist hier Nintendo bislang ungeschlagen. Nokias N-Gage wird auch nicht als echter Gegner angesehen: Die Japaner bereiten sich lieber schon mal auf den Angriff von Angstgegner Sony vor. Die "PSP", tragbare Version der über 50 Mill. mal verkauften "Playstation 2", soll im zweiten Halbjahr 2004 erscheinen und von der Bild- und Spielequalität Gameboy und N-Gage meilenweit hinter sich lassen. Nokia bleibt also nicht viel Zeit, zumal Sony seinen Neuling mit WLAN-Zugang für billiges Online-Gaming ausstatten will. Dafür braucht man weder Mobilfunk-Vertrag noch Handy.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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