Firmen sind historisch niedrig bewertet
Amerikaner entdecken attraktive Übernahmeziele

Während US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld überlegt, Truppen aus Deutschland abzuziehen, bauen Amerikas Geschäftsleute Brückenköpfe aus. So kauft der US-Milliardär Haim Saban für über 2,2 Mrd. US-Dollar Kirch Media. Procter & Gamble übernimmt die Mehrheit des Haarpflege-Spezialisten Wella.

jkn/tmo/rtr NEW YORK/FRANKFURT. Einige Experten glauben, dass die jüngsten US-Akquisitionen eine Trendwende markieren. Nachdem bislang vor allem europäische Konzerne in den USA expandierten, überwogen zuletzt amerikanische Zukäufe in Europa, besonders in Deutschland. Die niedrigen Aktienkurse machten deutsche Firmen zu attraktiven Übernahmezielen, meint Eric Shube von der New Yorker Anwaltskanzlei Allen & Overy. "Die Bewertungen sind historisch niedrig, einige Firmen kosten an der Börse weniger als ihr Kassenbestand", sagt Shube. "Das Gleiche gilt zwar auch für US-Firmen, aber ich glaube, es herrscht einfach eine große Nervosität gegenüber Zukäufen in Amerika."

Kein Wunder, denn europäische Konzerne haben Milliardensummen mit Käufen in den USA verbrannt. So stürzte die Aktie von Daimler seit dem Zusammenschluss mit dem Autobauer Chrysler um fast drei Viertel ab. Auch Vivendi Universal und die Deutsche Telekom verhoben sich mit Zukäufen in den Vereinigten Staaten.

Laut Branchendienst Mergermarket steigt die Zahl amerikanischer Übernahmen in Europa seit dem Herbst, allerdings von niedrigem Niveau aus. Auf längere Sicht sank der Wert europäischer Zukäufe in den USA von mehr als 100 Mrd. Euro im dritten Quartal 2000 auf unter fünf Mrd. Euro im ersten Quartal 2003. Gedämpfter verlief in etwa dem gleichen Zeitraum der Rückgang von US-Akquisitionen in Europa, von 40 Mrd. Euro im ersten Quartal 2000 auf zuletzt knapp 20 Mrd Euro.

"Die Amerikaner schauen sich derzeit verstärkt Ziele in Europa an", sagt Ian Brimacome, Global Head Investment-Banking der Finanzboutique Putnam Lovell. US-Versicherer und Vermögensverwalter reize vor allem der Wachstumsmarkt für betriebliche und private Altersvorsorge. Deutschland gilt aber als schwieriges Ziel. "Wir haben uns bei den US-Mandaten umgehört. Die sind alle nach wie vor sehr vorsichtig", so Wulf Merkel, Managing Partner Deutschland bei der Sozietät Ashurst Morris Crisp.

Christine Graeff von der Kommunikationsagentur Brunswick spricht von einer zwiespältigen Lage. "Natürlich ist die Bewertung deutscher Firmen einmalig niedrig. Doch US-Firmen haben immer noch Angst vor deutschen Regularien etwa im Aktienrecht oder beim Thema Mitbestimmung", sagt die M&A-Beraterin. Zudem seien deutsche Verbraucher sehr konservativ, was ausländischen Wettbewerbern den Markteintritt erschwere, ergänzt Brimacome.

Allerdings öffnen sich mehr deutsche Firmen für ausländische Investoren. "Viele Unternehmerfamilien denken derzeit über ihre Beteiligungen nach, auch vor dem Hintergrund der unklaren steuerlichen Lage", sagt Hartmuth Jung, europäischer Co-Head für M & A von UBS Warburg. Experten fürchten, dass die erst kürzlich abgeschaffte Steuer auf den Verkauf von Unternehmensbeteiligungen wieder eingeführt wird.

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