Firmen sparen bei Dienstreisen
Für Spesenritter sind harte Zeiten angebrochen

Angesichts von Konjunkturflaute, Massenentlassungen und leeren Firmenkassen setzen viele Unternehmen bei Dienstreisen den Rotstift an. Manager müssen nun ungewohnte Erfahrungen machen. Zu Geschäftsterminen fliegen sie nicht mehr First oder Business, sondern finden sich auf deutlich billigeren Plätzen in der "Holzklasse" wieder.

HB/dpa BERLIN. Bei Tagungen und Aktionärsversammlungen suchen Außendienstler und Anteilseigner vergeblich nach dem üppigen Buffett. Großunternehmen wollen so Millionenbeträge sparen. "Es gibt weniger Tagungen, weniger Geschäftsessen. Es wird auf jeden Euro geguckt. Die miserable Wirtschaftslage zwingt die Konzerne zu deutlichen Einsparungen", sagt der Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Marc Schnerr.

Für die Mitarbeiter des Düsseldorfer Waschmittel- und Klebstoffriesen Henkel (47 000 Beschäftigte) gilt schon länger, "entstehende Kosten nach bestem Wissen und Gewissen zu prüfen", sagt Henkel-Sprecher Lars Witteck. Notwendige Dienstreisen stünden nicht zur Debatte. "Aber die Mitarbeiter sollten natürlich gucken, ob eine Verbindung 2. Klasse sinnvoll ist." Diese Variante müssen auch die Beschäftigten der hoch verschuldeten Deutschen Telekom (bundesweit 130 000 Mitarbeiter) beachten.

Die Allianz in München hält ihre mehr als 30 000 Beschäftigten im Innen- und Außendienst dazu an, bei Dienstreisen und Bewirtungskosten nach der "billigsten Möglichkeit" zu suchen. Bei der Post heißt es, die Kosten stünden "ständig auf dem Prüfstand". Wer auf langen Strecken Kilometerspesen abrechnen wolle, bekomme nur den Tagessatz für einen Leihwagen erstattet.

Rund um das Frankfurter Bankenviertel, wo zu Zeiten des Aktien- Booms erfolgreiche Broker die Champagner-Flaschen köpften, muss der Einzelhandel eine neue Konsum-Unlust verkraften. Die edlen Feinkost- und Modegeschäfte hätten zwar noch ihr Auskommen, litten aber unter dem Wegfall tausender Arbeitsplätze bei den Banken und der dazugehörigen Kaufkraft, berichtet ein Sprecher des Frankfurter Einzelhandelsverbands. Die Kreditinstitute selbst würden bei ihren Empfängen auf pompösen Blumenschmuck und Kellnerscharen verzichten - zu Lasten der heimischen Dienstleister.

"In wirtschaftlich schlechten Zeiten kann man durch intelligente Maßnahmen einiges erreichen", beschreibt Rainer Schmidt-Rudloff, Referent bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), die Einschnitte. Um Flugkosten zu sparen, würden Konferenzen über Telefon und Video geführt. "Das muss natürlich für alle Ebenen gelten. Es kann nicht sein, dass die Sachbearbeiter nicht mehr reisen dürfen, die Manager aber 1. Klasse fliegen."

Während Fluggesellschaften und Hoteliers einen Rückgang bei den zahlungskräftigen Geschäftskunden fürchten, will die Bahn vom Sparzwang profitieren. "Wir spüren die Tendenz, dass mehr Geschäftsreisen gebucht werden. Die Reisezeit wird ökonomisch genutzt, weil die Manager während der Fahrt arbeiten können", glaubt Bahn-Sprecher Werner Klingberg.

Dagegen lässt im Gastgewerbe das Abschmelzen der Tagungs- und Spesenbudgets die Alarmglocken schrillen. Tourismuskrise und die reduzierten Geschäftsreisen haben die Hotelkonjunktur im ersten Halbjahr 2002 beeinträchtigt. Die durchschnittliche Auslastung sank nach Angaben des Hotelverbandes um 5,9 Prozent.

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