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Firmen suchen Wachstum aus eigener Kraft

Die Reorganisation wird zum Motor der Unternehmensentwicklung

Das nächste Jahr, so viel scheint klar, bleibt wirtschaftlich schwierig. Doch während klassische Branchen wie die Chemie oder der Maschinenbau unter dem konjunkturellen Gegenwind ächzen, tummelt sich im Schatten der Großkonzerne eine wachsende Zahl von zum Teil heute noch kleinen Anbietern, die vom ungebrochenen Trend zur Konzentration auf das Kerngeschäft profitieren.

Wachstumstreiber Reorganisation: Wenn die britische BP findet, dass ihre Verwaltung nicht notwendig zur Wertschöpfung eines Mineralölkonzerns gehört, lagert sie sie aus. In diesem Fall an die Beratungs- und Dienstleistungsgruppe Accenture. Wenn der US-Pharmakonzern und Viagra-Hersteller Pfizer seinen Schwerpunkt eher in Forschung und Entwicklung und weniger in der eigentlichen Produktion der Medikamente sieht, lagert er diese aus. So liefert die deutsche MG Technologies in den USA nicht nur die Produktionsanlagen an Pfizer, sondern betreibt sie gleich auch noch. Der finnische Fertiger Valmet produziert für Porsche den Boxster. Und wenn der französische Mischkonzern Alcatel, wie weite Teile der Informations- und Kommunikationsindustrie, auf dem Weg zum fabriklosen Unternehmen ist, übernehmen Auftragsfertiger die Produktion. Firmen wie Solectron oder Flextronics fertigen etwa, um nur wenige Beispiele zu nennen, die Playstation 2 für Sony, Handys für Ericsson und Nokia sowie Rechner für den Telekom-Infrastrukturanbieter Cisco.

Wenngleich die Wirtschaftskrise auch an den Solectrons und Flextronics dieser Welt nicht spurlos vorübergeht, ist doch eindeutig: Outsourcing - die Übertragung von nicht mehr als strategisch empfundenen Geschäftsfeldern an Dritte - wird die Wirtschaft in den nächsten Jahren stark verändern. Künftig werden global tätige Konzerne in den unterschiedlichsten Geschäftsfeldern ihre Produktionskapazitäten oder Dienstleistungen anbieten. Die heutige Brancheneinteilung wird damit teilweise hinfällig. Wir werden dann also nicht nur unterscheiden müssen, ob ein Unternehmen im Automobil- oder im Pharmasektor arbeitet, sondern auch, ob es forscht oder produziert, ob es für eine Marke steht oder ein No-Name-Anbieter ist.

Die Wachstumsraten solcher Unternehmen sind beeindruckend. Beispiel Convergys: 1998 entlässt das US-Telekom-Unternehmen Cincinnati Bell seine auf Call-Center-Management und Kundenabrechnungen spezialisierte Abteilung in die Eigenständigkeit. Heute hat Convergys 40 000 Mitarbeiter, setzt über 2 Milliarden $ um und hat seinen Börsenwert seit der Emission auf 6 Milliarden $ verdreifacht. Beispiel Celestica: Die Ausgründung zweier kanadischer IBM-Chipfabriken hat in den letzten fünf Jahren rund 20 Unternehmen gekauft und ist heute mit rund 10 Milliarden $ Umsatz der weltweit drittgrößte Anbieter von elektronischen Komponenten.

Den Anbietern so genannter Infraservices, also von Routinetätigkeiten oder Dienstleistungen, die sowohl intern wie extern erbracht werden können, sagt etwa die Unternehmensberatung McKinsey stürmisches Wachstum voraus. Die McKinsey-Berechnungen zeigen, welch gewaltiges Potenzial darin liegt: Den Angaben zufolge sind rund 60 Prozent aller Aktivitäten in der US-Wirtschaft Infraservices; 90 Prozent davon werden noch intern durchgeführt.

Gerade die Krise lädt dazu ein, überraschende Antworten auf überfällige Fragen zu geben. Deutschland hat, das zeigt der internationale Vergleich, in Sachen Outsourcing beträchtlichen Rückstand gegenüber anderen Nationen. Gibt es Unternehmen, die Produktion, Verwaltung oder IT-Dienstleistungen effizienter verrichten können als die eigene Firma? Wenn ja, würde eine Auslagerung neue Kräfte in den Feldern freisetzen, die wirklich zum Unternehmenswachstum und zur Wertschöpfung beitragen.

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