Firmen weiter auf Sparkurs
Deutsche Industrie wartet weiter auf den Aufschwung

Die Geschäftstätigkeit in deutschen Industriebetrieben hat sich einer Umfrage unter Einkaufsmanagern zufolge im Oktober erneut abgeschwächt, allerdings weniger stark als von Experten erwartet.

Reuters LONDON. Unter anderem dank eines gedämpften Auftragsrückgangs gab es im Vergleich zum September eine leichte Erholung im Verarbeitenden Gewerbe, wie der am Freitag veröffentlichte Reuters-Einkaufsmanager-Index für Deutschland zeigt. Eine Rolle spielte nach Angaben der Forschungsgruppe NTC, die monatlich Manager von 400 deutschen Firmen befragt, auch der Wiederanstieg der Produktion. Im Vormonat hatten in einzelnen Landesteilen die Flutschäden den Betrieb in vielen Unternehmen behindert.

Der Einkaufsmanager-Index (EMI) für Deutschland stieg im Oktober auf 48,4 Punkte von 46,0 Punkten im September, wie NTC, die den Index zusammen mit dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) im Auftrag von Reuters erhebt, in London mitteilte. Von Reuters befragte Analysten hatten nur mit einem leichten Index-Anstieg auf 46,2 Punkte gerechnet.

Mit einem Wert unter 50 Punkten liegt der Index wie in den beiden Monaten zuvor aber immer noch unterhalb der Grenze zwischen Rückgang und Wachstum. Insgesamt zeigte der Reuters-EMI damit nahezu in den gesamten vergangenen 19 Monaten einen Rückgang des Geschäfts.

Auftragsplus aus dem Ausland

Vor allem aus dem Ausland verzeichneten Industriefirmen in Deutschland wieder mehr Aufträge, wie NTC in der Umfrage ermittelte. Der Teilindex für die Exportnachfrage stieg auf 52,2 (September 47,1) Punkte, was unter anderem mit einem guten Neugeschäft in den USA, China, Italien und Israel begründet wurde. "Allerdings wurde die Lage der heimischen Wirtschaft erneut als schlecht beurteilt", teilte NTC mit. Der Auftragseingang lag mit einem Gesamtindex von 49,4 (46,8) Zählern weiter unter der Wachstumsmarke.

Nicht nur dank der Auslandsaufträge hat sich die Produktion indes kräftig erholt. Der Teilindex für die Leistung, der im September mit 44,3 Punkten noch auf den tiefsten Stand seit fast einem Jahr gefallen war, stieg im Oktober mit 52,3 Punkten auf den besten Wert seit März vergangenen Jahres. Nach den Produktionsstörungen infolge der Überflutungen hätten viele Firmen ihre Kapazitäten wiedergewonnen, teilte NTC zur Begründung mit.

Firmen weiter auf Sparkurs

Der Stellenabbau setzte sich allerdings auch im Oktober fort. "Die seit eine_ inhalb Jahren beobachtete allgemeine Abschwungtendenz in der Industrie führte zu weiteren Bemühungen um Kapazitätssenkungen in den befragten Unternehmen", teilte NTC mit. Der Teilindex für Beschäftigung sank auf den tiefsten Stand seit April, das Barometer für den Materiallagerbestand auf das niedrigste Niveau seit Dezember 2001. Mit der Verringerung von Lagerkosten versuchten die Unternehmen, angesichts bedrohter Gewinnspannen und schwacher Nachfrage ihre Ausgaben zu begrenzen, hieß es.

Die Einkaufspreise stiegen nach Angaben der Wirtschaftsforscher weiter an, wobei die jüngsten Preiserhöhungen vielfach mit der Unsicherheit auf den Ölmärkten begründet wurden. Der Preisanstieg habe sich allerdings wegen der zuletzt gesunkenen Ölpreise in Grenzen gehalten.

Schleppendes Geschäft auch in der Euro-Zone

Auch in der Euro-Zone ist die Industrie-Geschäftstätigkeit weiterhin rückläufig. Der Reuters-Einkaufsmanager-Index (EMI) für den Währungsraum stieg im Oktober auf 49,1 von 48,9 Punkten im September und signalisierte für die größten Volkswirtschaften der Euro-Zone weiterhin eine leichte Schrumpfung. Analysten hatten aber auch hier mit einem schwächeren Wert von 48,3 Zählern gerechnet.

Die Zahl der Neuaufträge signalisierte in der Euro-Zone mit einem Index-Wert von 50,0 (September 49,6) Punkten eine Stagnation bei der Nachfrage, wobei die Niederlande einen deutlichen Rückgang verzeichneten. Am stärksten füllten sich die Auftragsbücher in Griechenland sowie in Italien und Österreich.

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