Firmen zahlen für Betreuung entlassener Mitarbeiter
Die Krise belebt das Geschäft der Job-Berater

Die Zahl der Entlassungen wächst - und mit ihr die Branche der Outplacement-Firmen: Die Wirtschaft bezahlt die Job-Berater, um entlassenen Führungskräften neue Stellen zu verschaffen. Die Masse der Gefeuerten kommt allerdings nicht in den Genuss der aufwendigen Hilfe.

MÜNCHEN. Schlechte Zeiten sind gute Zeiten - zumindest für Firmen, die anderen Leuten neue Jobs beschaffen. Das spüren derzeit die Outplacement-Berater, also Experten, die sich im Auftrag von Firmen um neue Stellen für entlassene Mitarbeiter kümmern. "Wir rechnen in diesem Jahr mit einem Wachstum von 25 Prozent", sagt Sönke Clausen, Partner der MUM-Outplacement-Beratung in München. Nach 60 Mill. DM im vorigen Jahr sollen 2001 bis zu 80 Mill. DM in die Kassen der etwa 30 auf Outplacement spezialisierten Firmen in Deutschland fließen.

Begibt sich ein entlassener Mitarbeiter flankiert von einem Berater auf Jobsuche, sind die Chancen gut, eine neue Stelle zu finden. Clausen: "Unsere Erfolgsquote liegt bei fast 100 Prozent."Führungskräfte werden dabei im Einzel-Outplacement bis zur erfolgreichen Neu-Platzierung betreut. Mitarbeiter unter der Führungsebene erhalten oft ein zeitlich begrenztes Gruppen-Outplacement mit weniger Betreuung. "Die Hauptvorteile einer Outplacement-Beratung liegen eindeutig beim verabschiedenden Unternehmen", heißt es beim Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU). Die Firmen hätten gute Gründe, ihren Mitarbeitern Hilfe anzubieten: So ließen sich zum Beispiel Motivationsverluste bei den im Unternehmen verbleibenden Mitarbeitern vermeiden.

Von einem Auftragsboom durch Massenentlassungen bei großen Hightech-Firmen wie Siemens oder Infineon kann aber keine Rede sein. "Outplacement ist kein großes Thema für uns", heißt es bei Siemens. Der Konzern will bis zu 17 000 Stellen kappen. "Nur vereinzelt" würde Outplacement angewandt, betont eine Sprecherin.

Auch für den Chip-Hersteller Infineon, der 5 000 Stellen streicht, steht die Hilfe nicht zur Diskussion.Während US-Konzerne die Kosten für Outplacement sogar in Ad-hoc-Mitteilungen bekannt geben, bleibt die Beratung in deutschen Konzernen oft ein Privileg der Führungskräfte. Die meisten Kandidaten verdienen laut einer BDU-Studie bis zu 250 000 DM.

Für die Bundesanstalt für Arbeit ist Outplacement nichts Neues - zumindest wenn Firmen eine größere Zahl Stellen streichen. "Wenn wir von Entlassungen hören, werden wir frühzeitig aktiv", heißt es in der Nürnberger Behörde. Eine intensive Betreuung wie beim Einzel-Outplacement kann sich der Staat freilich nicht leisten. Von der psychologischen Hilfe nach dem Kündigungsschock bis zum treuhänderischen Stellengesuch übernimmt ein Outplacement-Berater alles, was zu einer neuen Stelle führt.

In Deutschland tummeln sich in der Branche fast nur kleinere Firmen. Große Personaldienstleister wie Randstad sehen für Outplacement noch wenig Potenzial. "Wir sind mit Interesse dabei, momentan fehlt aber noch die Nachfrage", betont eine Randstad-Sprecherin. Die Branche der spezialisierte Outplacement-Firmen rechnet damit, 2002 die Grenze von 100 Mill. DM-Umsatz zu überspringen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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