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Firmengründer verklagt Chipkartenhersteller Winter

Der 76 Jahre alte Firmengründer Otto Winter hat den Vorstand und den Aufsichtsrat des am Neuen Markt gelisteten Chipkartenherstellers Winter AG wegen Bestechung, Untreue und Prospektbetrugs angezeigt.

rtr MüNCHEN. Die Staatsanwaltschaft München II und die Polizei hätten die Ermittlungen aufgenommen, sagte ein Justizsprecher am Freitag und bestätigte damit einen vorab veröffentlichten Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus". "Die Ermittlungen stehen noch am Anfang." Ein Anwalt des Unternehmens sagte dagegen, Otto Winter selbst, dessen Familienzweig knapp 30 % am Unternehmen hält, habe versucht, Geld aus der Winter AG herauszupressen. Er wies die Vorwürfe zurück und kündigte eine Einstweilige Verfügung gegen einzelne Behauptungen von Otto Winter an.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass am 19. Oktober eine Anzeige des Unternehmensgründers eingegangen sei. Die Polizei prüfe zurzeit die umfangreichen Vorgänge, sagte der Sprecher, wollte sich zu deren genauem Inhalt aber nicht äußern. Laut dem Magazinbericht wirft Otto Winter dem Vorstand, dem Aufsichtsratschef Friedrich Rosenkranz und einem ehemaligen Aufsichtsratsmitglied vor, beim Börsengang den Ausgabekurs der Winter-Aktie nach oben getrieben zu haben, indem sie im Prospekt einen nicht existenten Großauftrag von BMW angegeben hätten. Der Anwalt der Münchener Kanzlei Nörr Stiefenhofer Lutz, der die Winter AG vertritt, sagte, den Auftrag habe es tatsächlich gegeben. Er sei später sogar noch ausgeweitet worden.

Außerdem führt Otto Winter an, Vorstand und Aufsichtsrat hätten sich beim Börsengang im Herbst des vergangenen Jahres bereichert und Geschäftspartner mit Geld und Autos bestochen. Dazu erklärte der Anwalt des Unternehmens, ein auf Drängen der Familie Winter aufgelegtes "Friends-and-Family"-Programm, das rechtswidrig Preisabschläge vorsah, sei rückabgewickelt worden. Die Bestechungsvorwürfe hätten Wirtschaftsprüfer bereits ohne Ergebnis untersucht. Otto Winter habe die Vorgängerunternehmen der AG als Gesellschafter bis zum Börsengang faktisch geführt und die Firma als "Selbstbedienungsladen" betrachtet, sagte der Rechtsvertreter. Seit der Vorstand einen zehn Jahre laufenden Beratervertrag gekündigt habe, überhäufe Winter das Unternehmen mit Klagen.

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