Firmengründer von Ikea
Ingvar Kamprad: Ein schwedischer Schotte

Richtig schlau wird man aus dem Mann nicht. Mal will er aufhören, mal nicht, mal sieht er seinen Sohn Peter als seinen Nachfolger, mal glaubt er nicht, dass dessen Begabung für die Leitung eines Weltkonzerns ausreicht. Es passt vieles nicht zusammen, aber so ist es mit den Möbeln ja auch: Mal fehlt hier ein Teilchen, mal ist dort eine Schraube übrig.

STOCKHOLM. Geschadet hat das weder dem Firmengründer Ingvar Kamprad noch seinem Konzern. Ikea ist heute das weltgrößte Einrichtungshaus mit Wachstumsraten selbst in schwierigen Zeiten. Heute wird der Wert seines nicht an der Börse notierten Imperiums, das im vergangenen Jahr über 10 Mrd. Euro umsetzte, auf mindestens 30 Mrd. Euro geschätzt.

Der 76-jährige Kamprad zieht trotz ungeklärter Nachfolgefrage im Hintergrund immer noch die Fäden in einem Konzern mit 154 Möbelhäusern in 22 Ländern. Für 65 000 Mitarbeiter weltweit ist er "der Ingvar". Das "Du" gehört ebenso zur Firmenphilosophie wie der kleine Sechskantschlüssel.

Der Unternehmensgründer meidet die Öffentlichkeit, doch wenn er einmal vor Kameras oder Mikrofone tritt, dann sorgt der unscheinbare ältere Herr stets für Schlagzeilen. Vor kurzem gab er in einem Zeitungsinterview zu verstehen, dass seine drei Söhne möglicherweise irgendwann einmal die Konzernleitung übernehmen könnten. "Vielleicht muss ich dem Peter noch ins Gewissen reden, damit er meine Nachfolge antritt", sagte Kamprad. Die Nachricht sorgte für große Aufmerksamkeit, obwohl er wenig Neues und nichts Konkretes präsentierte.

Doch Ikea ist kein Möbelhaus, sondern eine Religion. Wohl kaum ein Wohn- oder Kinderzimmer auf dieser Welt, in dem nicht schon einmal, auf den Knien über den Boden rutschend, verzweifelt über mystische Bildchen in der Bauanleitung geflucht wurde. Ikea geht jeden etwas an, und das unterschätzt Kamprad häufiger.

In der vergangenen Woche entschuldigte er sich bei seinen Mitarbeitern, dass er vorlaut über die Nachfolgefrage sinniert hatte. "Ich habe wieder Mist gebaut", teilte er den Ikeanern handschriftlich mit und fügte gleich hinzu: "Du wirst es noch eine Weile mit mir aushalten müssen. Wir haben noch viel zu tun."

Dass einer seiner drei Söhne, vermutlich Peter, irgendwann die Konzernleitung übernehmen wird, ist wahrscheinlich. Schon früh hatte der Vater seinen Sprösslingen Verantwortung im Unternehmen übertragen. Doch die Aufgaben lösten sie nicht immer zu seiner Zufriedenheit. Warum kontrolliert er sein verschachteltes Imperium über Stiftungen? "Auch wenn ich heute meinen Söhnen vertraue, weiß ich nicht, ob ich ihnen künftig vertrauen kann", erklärte er verdutzten Journalisten.

Zunächst bleibt also alles beim Alten: Er die graue Eminenz im Hintergrund, Anders Moberg nach außen hin der Konzernchef. Die Direktiven holt sich der junge Schwede aus der Schweiz, wo Kamprad seit vielen Jahren zurückgezogen lebt. Es war nicht das erste Mal, dass Ingvar Kamprad sich in der Öffentlichkeit und bei seinen Mitarbeitern entschuldigt hat. Durch die "wohl schwerste Krise meines Lebens", wie er einmal sagte, musste er, als 1994 bekannt wurde, dass er von Anfang der vierziger Jahre bis nach dem Zweiten Weltkrieg mit schwedischen Nazis sympathisierte. Man hat es ihm nachgesehen - auch sein Eingeständnis, mit dem Alkohol ein zu enges Verhältnis gehabt zu haben.

Kamprad ist ein echter Selfmademan, ein liebenswürdiger Autodidakt, der sein Talent als Händler schon früh entdeckte. Mit sieben, so erzählt man sich stolz in seinem südschwedischen Heimatort Agunnaryd, sei der Ingvar schon von Hof zu Hof gezogen und habe Streichhölzer und Saatgut verkauft. Noch während der Kaufmannsausbildung gründete er Ikea, das sich aus den Initialen seines Namens, seines Hofes und des Ortes - Ingvar Kamprad, Elmtaryd, Agunnaryd - zusammensetzt.

Von Anfang an war das Sparen fester Bestandteil der Firmenphilosophie, und es machte auch nicht vor dem Fiskus halt. Das Möbelhaus aus dem Hochsteuerland Schweden ist heute ein Netzwerk aus Stiftungen und Holdings, die in Holland, Luxemburg und in Curacao in der Karibik registriert sind. In Curacao laufen die Fäden des Kamprad-Imperiums zusammen, zu dem Banken, Leasingfirmen und Versicherungen gehören. Hierhin fließen drei Prozent des Umsatzes der Ikea-Häuser. Wie viel dort gehortet wird, weiß vermutlich nur Kamprad selbst. Und der spricht nicht gern über Geld.

Der Mann, der auf der Liste der reichsten Menschen der Welt auf Platz 17 rangiert, dieser manchmal kauzige Unternehmer mit ausgebeulten Hosen und durchgescheuertem Sakko kokettiert mit seiner Sparsamkeit. Die Anekdoten vom Firmenboss, der nur Holzklasse fliegt, sind zahlreich. Zum Teil auch wahr. Früher soll er einen Porsche gefahren haben. "Aber nie schneller als 70 Stundenkilometer", macht er den Sportwagen zum Alltagsgefährt.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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