Firmengründer von Mobilcom hofft auf Schadensersatz von France Télécom in Milliardenhöhe
Schmid steht vor einem Scherbenhaufen

Vom Maurersohn zum Multi- Millionär: Gerhard Schmid hat in Deutschland als Chef der Mobilcom AG eine beispiellose Karriere hingelegt. Doch am Ende steht er fast wieder mit leeren Händen da.

lip HAMBURG. Wie schnell sich das Blatt wendet: Noch vor gut einem Jahr lobte Gerhard Schmid, Firmengründer der Büdelsdorfer Mobilcom AG, seinen Pariser Geschäftspartner Michel Bon in höchsten Tönen. Bon, im Hauptberuf Vorstandschef des französischen Staatskonzerns France Télécom und 28,5 %iger Großaktionär von Mobilcom, sei als Partner kreativ, mutig und vor allem - zuverlässig.

Nun weiß es Schmid besser: Am Freitag vergangener Woche hat France Télécom den norddeutschen Mobilfunkbetreiber nach mehr als vier Jahren Zusammenarbeit wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen und überraschend den Geldhahn zugedreht. Bon trägt die Konsequenzen und räumt seinen Posten.

Dabei hatte sich Schmid sein Lebenswerk anders vorgestellt: 1991 hatte der vor 51 Jahren im fränkischen Selb geborene Sohn eines Maurers Mobilcom gegründet. Er erkennt die "ungeahnten Möglichkeiten" eines liberalisierten Telefonmarktes und jagt dem Ex-Monopolisten Deutsche Telekom Kunden ab, indem er Telefongespräche im Festnetz zu deutlich günstigeren Preisen anbietet.

Rasch braucht das Unternehmen frisches Kapital, um die starke Expansion voranzutreiben. 1997 führt er Mobilcom als erste Gesellschaft an den Neuen Markt. Doch drei Jahre später steht der frühere Vorstand des Autovermieters Sixt vor einer noch größeren Herausforderung - dem Start der neuen Mobilfunktechnik UMTS in Deutschland.

Da Schmid die milliardenschweren Investitionen nicht allein stemmen kann, wendet er sich im Frühjahr 2000 an France Télécom und bietet den Parisern Aktien von Mobilcom an. Sie greifen zu. Mit dem finanzstarken Partner im Rücken erwirbt Schmid im August 2000 für 8,4 Mrd. Euro eine UMTS-Lizenz. Im Gegenzug muss sich der Selfmade-Millionär aber verpflichten, im November 2003 seine Aktien an die Franzosen abzugeben.

Doch dann macht Schmid einen entscheidenden Fehler: In der Gewissheit, dass die Franzosen sein Aktienpaket von mehr als 35 % abkaufen, wird der Firmengründer geldgierig. Auf sein Anraten erwirbt seine Ehefrau Sybille Schmid-Sindram weitere 10 % an Mobilcom, wodurch die Familie Schmid wieder knapp über die Mehrheit an Mobilcom verfügt.

Als die Franzosen ihm bereits Anfang 2002 das Paket abnehmen wollen, verärgert Schmid den Pariser Geschäftspartner mit seinen hohen Preisvorstellungen von fast einer Milliarde Euro. Um den Preis zu drücken, zettelt die hochverschuldete France Télécom eine Schlammschlacht gegen den Vorstandschef an. Die Pariser bezichtigen die Ehefrau von Schmid, ihr Aktienpaket an den Büdelsdorfern mit Geld aus der Mobilcom-Kasse finanziert zu haben. Die Folge: Sie bringen Schmid als Vorstandschef in Misskredit und drohen mit einem Rückzug aus ihrem Büdelsdorfer Engagement. Der Aktienkurs bricht ein.

Am Ende muss Schmid seinen Vorstandssessel räumen und steht vorerst finanziell mit leeren Händen da. Denn ob er mit seiner Schadensersatzforderung in Milliardenhöhe gegen die France Télécom durchkommt, ist äußerst fraglich.

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