Firmenkäufe und Verluste bei Chrysler belasten – Dennoch Dividendenkontinuität erwartet
Daimlers Reserven sind zusammengeschmolzen

Auch in der Kasse von Daimler-Chrysler machen sich die Probleme bei Chrysler inzwischen deutlich bemerkbar. Die liquiden Mittel sind durch die Verluste bei der US-Sparte, aber auch die umfangreichen Zukäufe im Jahr 2000 rapide abgeschmolzen. Dennoch sind die Analysten zuversichtlich, dass der Konzern die Dividende halten wird.

STUTTGART/DÜSSELDORF. Es klang zunächst wie eine Hiobsbotschaft: Daimler-Chryslers Nettoliquidität aus dem industriellen Geschäft ist auf Null gesunken. Die Finanzreserven im Fahrzeuggeschäft übertreffen nicht mehr die daraus resultierenden Verbindlichkeiten. Grund sind die Verluste bei Chrysler im zweiten Halbjahr 2000 und die Firmenkäufe. Diese haben die noch zu Jahresanfang mit 10,9 Mrd. Euro sehr komfortablen Finanzmittel stärker strapaziert als erwartet, musste Finanzchef Manfred Gentz bei einem Analystentreffen in Detroit einräumen. Er ließ nach Aussagen von Teilnehmern durchblicken, dass die Nettoliquidität im ersten Halbjahr 2001 sogar negativ werden könne.

Dennoch gehen viele Analysten davon aus, dass Daimler-Chrysler für 2000 wieder eine Dividende von 2,35 Euro pro Aktie zahlen wird. Das würde den Konzern weitere 2,3 Mrd. Euro kosten. Pia-Christina Schulze vom Bankhaus Merck Finck & Co. verweist darauf, dass Gentz in der Analystenkonferenz Dividendenkontinuität angekündigt habe. Skeptischer sind die Analysten im Blick auf die Dividende für das laufende Jahr angesichts der weiterhin unklaren Belastungen durch die Restrukturierung von Chrysler.

Als "erschreckend, aber auf den zweiten Blick nicht dramatisch", bezeichnete Georg Stürzer, Analyst der Hypo-Vereinsbank, die geschrumpfte Liquidität. Stürzer verweist darauf, dass der Konzern nicht nur die Chrysler-Verluste von 2 Mrd. Euro ausgeglichen hat, sondern auch auf Einkaufstour gewesen ist. Insgesamt 3,2 Mrd. Euro dürften die Käufe des 34 prozentigen Anteils an Mitsubishi-Motors, der Kauf des US-Dieselmotorenherstellers Detroit Diesel und des kanadischen Truckherstellers Western Star gekostet haben.

Analysten befürchten, dass Rating-Agenturen Daimler abstufen

Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler verweist darauf, dass viele großen Unternehmen netto verschuldet seien: "Dies ist nicht ungewöhnlich". Sorgen müsse man sich erst, wenn die Finanzmittel im gleichen Tempo weiter schmelzen.

Eine Reihe von Analysten befürchtet, dass die Rating-Agenturen nun die Beurteilung von Daimler weiter absenken. Dies würde das Finanzergebnis des Konzerns zusätzlich belasten. Für die Image-Schwäche des Konzerns machen Anleiheexperten allerdings auch marktbezogene Gründe geltend. Zum einen leiden die Kurse von Firmenanleihen unter den schwachen Aktienbörsen. Automobilanleihen wie-aktien stünden zusätzlich wegen der schlechten Aussichten der Branche unter Druck. Daimler-Chrysler müsse jetzt wegen des angeknacksten Images in USA noch bessere Bedingungen bieten als Ford und General Motors.

Derzeit bewerten die führenden Ratingagenturen alle drei Konzerne jedoch mit einer recht guten Bonität von "A" beziehungsweise "A2". Daimler-Chrysler dürfte die rund 7 Mrd. $ seiner neuen Anleihe zur allgemeinen Unternehmensfinanzierung und nicht für die Verluste von Chrysler verwenden. Allein 2001 benötigt der Konzern 9 Mrd. $ für fällige Anleihen. Außerdem fahre das Unternehmen kurzfristige Refinanzierungsprogramme zurück - ein Schritt zu einer vorsichtigeren Politik, urteilt Vincent Dolan von der Commerzbank. Der Konzern habe die Refinanzierung im Griff.



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