Firmenpatriarch soll Führung abgeben
Das Lebenswerk des Leo Kirch ist dahin

Die Krise der schwer angeschlagenen Kirch-Gruppe spitzt sich zu. Nach dem Sanierungsplan der Banken soll Leo Kirch die Mehrheit an dem Konzern und die Führung abgeben. Geht der Firmengründer nicht auf das Angebot ein, droht wohl der Konkurs. Der Mythos Kirch ist in jedem Fall dahin.

MÜNCHEN. "Der Herr hat?s gegeben, der Herr hat?s genommen", sagte Leo Kirch vor vier Wochen in einem seiner wenigen Interviews. Inzwischen sieht es so aus, als ob der 75-jährige Medienunternehmer wirklich kurz vor dem Ende steht. Die Banken planen, der schwer angeschlagenen Kirch-Gruppe frisches Kapital von bis zu 800 Mill. Euro zur Verfügung stellen. Bedingung: Leo Kirch muss die Mehrheit und die Führung an der Kerngesellschaft Kirch Media aus der Hand geben. Die Alternative wäre der Konkurs des Unternehmens, heißt es. Die Verhandlungen liefen am gestrigen Sonntag auf Hochtouren - bis Redaktionsschluss ohne Ergebnis.

Ob Kirch dem Bankenplan zustimmt, ist offen, gilt aber in seinem Umfeld nicht mehr als ausgeschlossen. Noch bis vor einigen Tagen sei der Firmenpatriarch grimmig entschlossen gewesen, seinen Konzern mit in den Abgrund zu reißen, hieß es. Doch inzwischen denke der Selfmade-Unternehmer um. Immerhin beschäftigt die Kirch-Gruppe, einer der größten Medienkonzerne in Europa, rund 10 000 Mitarbeiter.

In Bankenkreisen wird ohnehin der bisherigen Unternehmensführung eine Hauptschuld an der Krise angelastet. "Das Unternehmen wurde doch bisher wie ein besserer Handwerksbetrieb geführt", heißt es abfällig. Die Banken haben offenbar auch aus dem Fall Holzmann gelernt: Der Baukonzern wurde 1999 zunächst gerettet, doch das neue Management brachte die Firma nicht aus der Krise.

Neben Kirch selbst dürfte auch dessen Vize Dieter Hahn - bisher wichtigster Gesprächspartner der Banken - keine Zukunft mehr in der Kirch-Gruppe haben. Die "extrem tiefe Loyalität zu Kirch" werde ihm zum Verhängnis, sagen Kenner des Unternehmens voraus.

Die Banken wollen mit dem Einstieg in erster Linie ihre Kredite retten. Zustimmen müssen zudem die übrigen Kirch-Media-Gesellschafter, also Rewe (5,7 %), Capital Research (knapp 3 %), Silvio Berlusconi, der saudische Prinz Al Waleed, Rupert Murdoch sowie Lehman Brothers (je knapp 2,5 %). Die Investoren, die alle in den vergangenen Jahren zu überhöhten Preisen eingestiegen waren, haben sich mittlerweile zu einer Interessengemeinschaft zusammen geschlossen. "Die Banken leisten Hilfestellung. Das wird billiger sein, als eine Zerschlagung des Unternehmens in Kauf zu nehmen", sagte am Sonntag Rewe-Chef Hans Reischl der Zeitung "Welt am Sonntag".

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