Firmenporträt: Procter & Gamble: Ein Pionier in allen Haushalten

Firmenporträt: Procter & Gamble
Ein Pionier in allen Haushalten

17 000 Wella-Mitarbeiter haben einen neuen Arbeitgeber: Der deutsche Schampoo-Konzern gehört jetzt zum amerikanischen Konsumriesen Procter & Gamble. Das Unternehmen aus Cincinatti im Bundesstaat Ohio bezahlt 5,7 Mrd. $, weitet damit das Engagement im Haarpflegesektor aus - und seine Präsenz in Europa, wo man bisher unterrepräsentiert war.

Unterrepräsentiert - das heißt nicht, dass die Europäer und vor allem die Deutschen den Konzern bisher nicht kannten. Auch wenn der Name Procter & Gamble manchem vielleicht nicht geläufig ist: Es dürfte wohl keinen Haushalt geben, in dem nicht das ein oder andere von mehr als 250 Produkten des Unternehmens steht.

Zu Procter & Gamble gehören Tempos und Pampers, die längst zum Überbegriff für Taschentücher und Windeln geworden sind. Zu Procter & Gamble gehören Ariel und Meister Proper, Blend-A-Med, die Grippemittel von Wick und die Always-Binden. Sogar die Punica-Oase wird von Gärtnern aus Ohio gepflegt, und aus dem selben Hause kommen die Pringles-Chips.

Seit einigen Jahren baut der Konzern nun seine Präsenz im Kosmetikbereich aus. Procter & Gamble steht hinter Oil of Olaz, hinter den Parfum-Serien von Hugo Boss und Helmut Lang, im November 2001 kaufte man die Schampoo-Sparte Clairol vom Pharmariesen Bristol Myers-Squibb - und jetzt eben Wella. Das Ziel des Konzerns ist klar: Man will den Abstand zum französischen Konkurrenten L?Oreal ausbauen, der nach wie vor den besten Ruf in der Branche hat.

Über das Schampoo-Business hinaus kann sich allerdings auch die Reputation von Procter & Gamble sehen lassen. Das Unternehmen gehört zu den traditionsreichsten in den USA. Gegründet wurde es im Jahre 1837 von William Procter und James Gamble - einem Engländer und einem Iren, die eigentlich unterwegs in den Goldenen Westen waren.

Sie blieben nur zufällig in Cincinatti hängen, weil beide nach den zurückliegenden Strapazen gesundheitliche Probleme hatten und dringend einen Arzt brauchten. Um die Rechnungen zu bezahlen machte sich Procter kurzerhand als Kerzenmacher selbständig, Gamble verdingte sich bei einem Seifenmacher, und weil man sich persönlich nahe stand - ihre beiden Ehefrauen waren nämlich Schwestern - kam man auf die Idee, die eigenen Produkte gemeinsam zu vertreiben. Eine Firma war geboren.

Zwanzig Jahre später machten Procter, Gamble und 80 Mitarbeiter bereits einen Umsatz von 1 Mio. $, und den ganz großen Durchbruch schaffte man 1862, als das Unternehmen die Soldaten im Bürgerkrieg mit Seife ausstatten sollte und die Maschinen Tag und Nacht liefen.

Ende des 19. Jahrhunderts machte das Unternehmen dann eine Erfindung, die Börsengeschichte schrieb: Vor dem Hintergrund der US-weiten Arbeiterunruhen entwickelte man ein Konzept, nachdem die Angestellten am Erfolg des Unternehmens beteiligt wurden: Procter & Gamble gaben die ersten Mitarbeiter-Aktien aus.

Auch in anderer Hinsicht schrieb das Unternehmen über die Jahre Geschichte. 1920 schuf man das erste firmeneigene Vertreter-Netz in den USA, und 1923 trat man als erstes Unternehmen als Sponsor von Fernsehsendungen auf - es handelte sich um eine Kochsendung, und die machte das Bratfett Crisco bekannt.

Zum 100. Firmenjubiläum von Procter & Gamble - das war 1937 - wies die Bilanz bereits einen Umsatz von 237 Millionen Dollar aus, Expansionen nach Fernost, Lateinamerika und schließlich nach Europa begründeten danach das stetige Wachstum des Konzerns.

Heute ist Procter & Gamble das mit Abstand größte Unternehmen im Konsum-Sektor - mit einer Marktkapitalisierung von 110 Mrd. $ ist man mehr als dreimal so groß wie die Konkurrenten Gillette und Colgate-Palmolive. Im letzten Jahr wies die Bilanz ein Umsatzwachstum von 8 % und ein Gewinnwachstum von 24 % aus, und künftig soll auch der gute Name Wella zum Ergebnis beitragen. Noch nicht in diesem Jahr, aber ab 2004, wenn Synergie-Effekte von mehr als 300 Mio. $ implementiert sein sollen.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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