Firmensprecher dementiert Medienbericht über drohende Insolvenz
Babcock in Bedrängnis

Der traditionsreiche Oberhausener Technologiekonzern Babcock Borsig ist in einen bedrohlichen finanziellen Engpass geraten. Das Unternehmen benötigt nach eigenen Angaben kurzfristig 200 Mill. ? zur Fortführung des Geschäftsbetriebes.

rtr DüSSELDORF. Sollten bereits laufende Gespräche mit den Banken und einigen Anteilseignern bis zum 25. Juni (Dienstag) nicht erfolgreich abgeschlossen sein, könne der Konzern die Juni-Gehälter nicht zahlen, teilte Babcock am Freitag mit. Der Konzern beschäftigt weltweit 22 000 Menschen, davon rund 13 000 in Deutschland.

Firmensprecher Hans-Joachim Wieckmann hatte zuvor auf Anfrage erklärt, Babcock sei zwar in einen finanziellen Engpass geraten. Es drohe aber keine Insolvenz, sagte er nach einem anders lautenden Zeitungsbericht. "Die Situation bei Babcock ist schwierig aber lösbar." Der Babcock-Aktienkurs brach an der Börse indes zwischenzeitlich um die Hälfte ein.

Betriebsrat: Arbeitsnehmer sollen 50 Millionen Euro einsparen

Das vom Unternehmensberater Roland Berger im Auftrag der Babcock erstellte Restrukturierungskonzept sehe unter anderem den Abbau von mindestens 1000 Stellen und den Verkauf von Unternehmensteilen und Beteiligungen vor, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende und stellvertretende Babcock- Aufsichtsratschef, Heinz-Georg Westfeld, Reuters.

Bezüglich des Beitrages der Arbeitnehmer zur Sanierung des Konzerns sagte Westfeld: "Bis Montagabend sollen wir ein Paket schnüren, das Einsparungen in Höhe von 50 Mill. ? erbringen sollen". Er glaube aber nicht, dass dies so kurzfristig erreicht werden könne. Westfeld kündigte an, die Arbeitnehmervertreter würden am Sonntag zu Sondierungsgesprächen mit dem Babcock-Vorstand zusammen kommen.

Bislang habe sich der Betriebsrat für den Metall- und Elektrobereich des Konzerns auf die Stundung der Tariferhöhung für Juni geeinigt. Dies wäre in Summe ein Betrag von etwa 1,3 Mill. ?, fügte Westfeld hinzu.

Medienberichten zufolge sind die Banken nur dann zu weiteren Krediten bereit, wenn auch die Arbeitnehmer und Anteilseigner einen Beitrag leisteten.

Von den Anteilseignern erwarten die Banken einem Zeitungsbericht zufolge eine Kapitalerhöhung. Zu den Kernbanken von Babcock zählen nach Konzernangaben die Dresdner Bank, die Commerzbank, die Deutsche Bank und die WestLB. Die beiden letztgenannten Geldhäuser sind mit jeweils knapp neun Prozent auch am Unternehmen beteiligt. Ob die Anteilseigener dem zustimmen, ist aber noch unklar. Zu ihnen gehören Banken, die Preussag AG sowie der US-Investor Guy Wyser-Pratte.

Das in Auftrag gegebene Restrukturierungskonzept war nötig geworden, weil Babcock nach der angekündigten und zum Teil bereits vollzogenen Trennung von seiner Mehrheitsbeteiligung an der Kieler Werft HDW eines seiner zwei Standbeine entzogen wurde. Babcock hatte jüngst 25 % seiner Beteiligung von 50 % plus einer Aktie an der HDW-Werft an den US-Investor type="unknownISIN" value="One Equity">One Equity Partners (OEP) verkauft. Dieser Verkauf ist heftig umstritten. Aktionäre konnten für den 14. und 15. August eine außerordentliche Hauptversammlung durchsetzen, auf der auch über die komplette Trennung vom Schiffbau abgestimmt werden soll. In der Branche wird befürchtet, Babcock komme ohne die finanzielle Unterstützung seiner Schiffbaubeteiligung in seinem verbliebenen Geschäftsfeld Energietechnik in Schwierigkeiten.

Hoher Auftragsbestand

Babcock habe derzeit mit fünf Mrd. ? den höchsten Auftragsbestand der Firmengeschichte, sagte Wieckmann. Die Aufträge würden aber erst im kommenden Jahr abgerechnet. Händler hatten zuvor die Gefahr einer Insolvenz des Unternehmens durch den Verkauf der HDW als hoch eingeschätzt. Die Lage sei nicht auf Grund der Veräußerung von HDW sondern allenfalls trotz der Veräußerung problematisch, sagte Wieckmann dazu. HDW habe nur einen geringen Beitrag zum Konzerngewinn beigesteuert. Ein HDW-Sprecher sagte dazu, wenngleich im vergangenen Jahr Belastungen im Fährgeschäft von rund 180 Mill. ? zu verkraften gewesen seien, habe HDW dennoch einen Gewinn von 20 Mill. ? gemacht.

Im laufenden Jahr mindestens 100 Millionen Euro Verlust

Babcock selber hatte Ende Mai angekündigt, wegen der geplanten Neuausrichtung werde der Konzern im laufenden Geschäftsjahr mindestens 100 Mill. ? Verlust einfahren. Der Umsatz der "neuen" Babcock, so viel gab der Konzern in seinem jüngsten Zwischenbericht schon bekannt, soll auf 2,5 Mrd. ? von bislang für das laufende Jahr prognostizierten 4,5 Mrd. ? schrumpfen.

Der designierte Babcock-Vorstandschef, Steag-Chef Jochen Melchior, hatte seinen Wechsel an die Spitze des Oberhausener Konzerns davon abhängig gemacht, dass alle Beteiligten das von Roland Berger erstellte Umstrukturierungskonzept unterstützen. Nach dem Ausscheiden von Babcock-Vorstandschef Klaus Lederer in der vergangenen Woche ist der Chefsessel bei Babcock nicht besetzt.

Aktie bricht erneut kräftig ein

Die im MDax notierte Aktie brach am Freitag kräftig ein und markierte zeitweise mit 1,49 ? einen neuen Tiefstand. Am Nachmittag notierte das Papier noch mit einem Minus von rund 41 % bei 1,95 ?.

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