FIS freut sich über 7 Millionen Euro Gewinn
Die Zeiten werden noch besser

Eine Konjunkturschwäche spürt der Ski-Weltverband nicht. Mit der WM verdient man gut, finanzielle Risiken gibt es keine. Künftig wird sogar noch mehr übrig bleiben.

ST. MORITZ. Etwas betagt sah er ohnehin schon aus. Falsch bereift war er zudem. Der Milka-Kastenwagen jedenfalls kam gestern nicht mehr von der Stelle auf der Plazza da Ceremonia mitten in St. Moritz. Die Reifen drehten auf schneebedeckter Straße durch, erst ein paar nette Anschieber setzten den lilafarbenen Transporter wieder in Gang.

Auch so kann man auffallen, wenn auch unfreiwillig. Ansonsten schreiben die Vorgaben des Ski-Weltverbandes FIS Milka-Produzent Kraft Foods und all den WM-Sponsoren genau vor, wie und wo und in welchem Umfang sie auftauchen dürfen. Marketingdirektor Christian Knauth, seit zehn Jahren im Amt, beobachtet das Szenarium freilich mit großer Gelassenheit. "Läuft alles gut", sagt er kurz und knapp, als das Handy klingelt. Der Gesprächspartner ist zufrieden, das Telefonat schnell beendet. Knauth hat langfristige Verträge abgeschlossen und erzielt bei der laufenden WM einen Gewinn von rund zehn Millionen Franken (knapp sieben Millionen Euro). Zum Vergleich: Die Nordische Ski-WM im italienischen Val di Fiemme, die Mitte Februar beginnt, wirft nicht einmal drei Millionen Franken ab.

Der Weltverband schließt die WM-Verträge mit der European Broadcasting Union (EBU), die wiederum mit einem Vermarkter zusammenarbeitet. Bis einschließlich der WM 2005 ist das der Marketinggigant IMG, ehe dann die Wiener APF zum Zuge kommt.

Knauth kann für die alpinen Weltmeisterschaften 2007 und 2009 bereits mit einer 15-prozentigen Gewinnsteigerung planen, womit er angesichts konjunktureller Schwäche sehr zufrieden ist ("Eine gute Geschichte, keine Frage"). Die Zeiten werden also noch besser, was heutzutage eher selten prognostiziert wird. Höhere Erlöse erhofft sich der Marketingchef außerdem im Weltcup, wo die Rechte bei den nationalen Skiverbänden und den Veranstaltern liegen. "Um die nationalen und internationalen Interessen besser zu verknüpfen, haben wir einige Joint-Venture-Verträge abgeschlossen", sagt Knauth.

Grundsätzlich legt die FIS Wert darauf, mit verschiedenen Partnern - sowohl bei den Fernsehsendern als auch bei den Vermarktern - zu kooperieren. "Schauen Sie sich den Fußball an und dessen Probleme mit Kirch. Die Abwicklung auf verschiedenen Schultern ist daher sehr wichtig", meint Knauth. Etwas anders sieht er die Sache bei den Sponsoren. Zwar gibt es für die drei FIS-Bereiche Alpin, Nordisch und Snowboard/Freestyle mit Audi, Ruhrgas und Nokia drei verschiedene Geldgeber, doch dies muss nicht so bleiben. Sollte ein Unternehmen alles komplett abdecken wollen, "dann würden wir nicht nein sagen". Knauth verweist zugleich jedoch auf die unterschiedlichen Zielgruppen, die man erreichen würde. "Die Streuverluste wären wohl relativ hoch."

Wunsch der FIS ist, künftig mehr Global Player auf die Werbebanden zu bekommen. Bislang ist dies kaum der Fall. Ins Bild passt daher auch Knauths Ansichten zu der Vergabe der WM ins teure St. Moritz: "Es war mal wieder an der Zeit, in einen solch hochwertigen Ort zu gehen." Zwischen den Nobelherbergen - auch die FIS-Funktionäre haben sich im "Kempinski Grand Hotel des Bains" einquartiert - fühlen sich die Vermarkter ausgesprochen wohl. Denn bei all den netten Incentives, die die Unternehmen anbieten, ist die Besetzung hochkarätiger als 2001 in St. Anton.

Auch Knauth freut es, dass "mit dem Top-Image von St. Moritz eine andere Klientel erreicht wird. Da kommt dann auch der Antinori, der große Weinproduzent aus Italien". Da könne man es verschmerzen, dass maximal 120 000 Zuschauer erwartet werden, während in St. Anton noch die doppelte Zahl erreicht wurde.

Zu elitär soll es jedoch nicht werden. Im nächsten Winter wird es alpine Weltcup-Veranstaltungen auch in Tschechien und der Slowakei geben. Asien hat der Weltverband seit längerem im Auge und veranstaltet demnächst das dritte Weltcuprennen in Südkorea. Den Zukunftsmarkt, den viele Fußballmanager dort vermuten, sieht Knauth nicht. Gleichwohl hat es ihn gefreut, als kürzlich der Japaner Akira Sasaki sensationell Platz zwei im Slalom von Wengen belegte.

Gefallen fand er zudem an den bisherigen WM-Resultaten: "Wenn Österreicher und Amerikaner vorne dabei sind, ist das marketingmäßig sehr gut. Gerade die USA sind ausbaufähig." An die Deutschen, die ihm beim Skispringen einen finanziellen Aufschwung bescherten, denkt im alpinen Bereich kaum jemand. Höchstens dann, wenn man in Erinnerungen schwelgt. "Wir brauchen auch im Skisport Persönlichkeiten", befindet Knauth. "So wie früher Tomba, Stenmark, Sailer und Schranz. Oder auch die Rosi Mittermaier."

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