Fischer im Oktober in die USA
Berlin spielt Streit mit Washington herunter

Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye ist ein Meister der Kunst, mit vielen Worten wenig zu sagen - auch dann, wenn er zu ein und demselben Thema gleich 34 mal gefragt wird.

HB BERLIN. Bewiesen hat er diese Kunst am Mittwoch in der Bundespressekonferenz, als die Journalisten in ihrer Ungeduld partout wissen wollten, was die Bundesregierung denn unternimmt, um die Risse im transatlantischen Verhältnis zu kitten. Schließlich ist die Wahl vorbei. Was hindert den wiedergewählten Kanzler Gerhard Schröder also daran, zum Hörer zu greifen und mit einem erklärenden "Look, George...." die Normalisierung der Beziehungen einzuleiten.

Warum er das nicht tut, erfuhr die Öffentlichkeit auch am Mittwoch nicht wirklich. Nur so viel wurde klar: Die Bundesregierung will nicht öffentlich zu Kreuze kriechen, weil sie laut Heye den Auslöser für die "denkbaren Verstimmungen" gar nicht nur auf deutscher Seite sieht. Da mögen Experten und Vertreter der US-Regierung noch so sehr auf dauerhafte Schäden verweisen. Schließlich habe Schröder doch nur auf das neue US-Ziel reagiert, nun den Sturz des irakischen Diktators Saddam Hussein zu betreiben. Den Hitler-Vergleich der zurückgetretenen Justizministerin Herta Däubler-Gmelin, über den US-Präsident offenbar immer noch zürnt, erwähnte Heye vorsorglich nicht.

Ansonsten blieb er sehr vage - was nur den Verdacht nährte, dass der Verweis auf die verschwiegene Diplomatie immer dann gewählt wird, wenn eigentlich kein Plan existiert, wie man vorgehen soll. Die Bundesregierung arbeite "mit großer Geduld an einer Verbesserung der Beziehungen", hieß es. Auf verschiedenen Kanälen selbstverständlich, zu denen auch der Besuch Schröders beim britischen Premierminister Tony Blair zähle.

Immerhin wurde deutlich, dass die Bundesregierung auf eine Deeskalation bis zum Nato-Gipfel in Prag im November setzt. Dann nämlich treffen Bush und Schröder erstmals wieder aufeinander. Und der Kanzler will sich eine Zurückweisung wie Verteidigungsminister Peter Struck durch seinen US-Kollegen Donald Rumsfeld beim Nato-Treffen in Warschau ersparen.

Um bis dahin für bessere Stimmung zu sorgen, wird wohl die deutsche "Versöhnungs-Geheimwaffe" Joschka Fischer Mitte Oktober nach Washington reisen. Der deutsche Außenminister hatte sich mit seinem moderaten US-Kollegen Colin Powell ohnehin nie entzweit und ständigen telefonischen Kontakt gehalten. Nun soll er nach Abschluss der rot-grünen Koalitionsverhandlungen auch den Groll der beiden Regierungschefs schlichten helfen.

Quelle: Handelsblatt

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