Fischer in Tel Aviv
Israel zieht Einheiten aus Palästinenser-Dorf ab

Die israelische Armee hat Militärangaben zufolge am Donnerstag ihre Einheiten aus dem Palästinenser-Dorf Beit Reema abgezogen. In dem Dorf, in dem mutmaßliche Beteiligte am Anschlag auf den israelischen Tourismusminister Rehawam Seewi vermutet wurden, seien zuvor fünf Palästinenser getötet worden, teilte die Armee mit.

rtr JERUSALEM. Noch am Donnerstag werde Israels Regierung den Abzug aus weiteren Palästinenser-Städten beraten, verlautete aus Kreisen der Regierung, die von den USA zu einem umgehenden Rückzug des Militärs aufgefordert worden war. Nach dem tödlichen Anschlag auf Seewi war die Armee in sechs palästinensisch verwaltete Städte eingerückt. Bundesaußenminister Joschka Fischer sprach am Donnerstag mit seinem israelischen Kollegen Schimon Peres.



Die israelischen Soldaten seien vor Sonnenaufgang aus Beit Reema abgezogen worden, hieß es in einer Stellungnahme der Armee. Zuvor sei ein Luft- und Bodeneinsatz ausgeführt worden mit dem Ziel, terroristische Aktivitäten gegen israelische Bürger und Soldaten zu verhindern und die Attentäter des Anschlags auf Seewi festzunehmen. Nach israelischen Erkenntnissen ist Beit Reema Wohnort des mutmaßlichen Attentäters Salah Alawi. Bei dem Anschlag sei Alawi für die Flucht und die Rückendeckung der Schützen verantwortlich gewesen. Israelische Rundfunksender berichteten, die Armee sei weiterhin bemüht, so viele militante Personen wie möglich zu verhaften, bevor der Druck auf die israelische Regierung zu groß werde und sie die Offensive beende.

Die Palästinenser-Regierung erklärte den Donnerstag zum Tag der Trauer für die Toten von Beit Reema. Sie warf Israel vor, ein Massaker begangen zu haben. Nicht Attentäter, sondern neun Mitarbeiter der palästinensischen Sicherheitskräfte seien getötet worden. Ein Dorfbewohner sagte, die Männer seien im Schlaf überwältigt worden. Ferner teilte die Palästinenser- Regierung mit, dass israelische Soldaten am Donnerstag in Bethlehem ein Mitglied der Eliteeinheit "Force 17" von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat getötet hätten. Aus Palästinenser-Kreisen verlautete, insgesamt seien drei Palästinenser erschossen worden. Das Feuer sei auf bewaffnete Männer eröffnet worden, teilte das israelische Militär mit.

Scharon wird am Donnerstag nach Angaben von Beratern mit einem engen Kreis von Ministern über ein Ende der Militäraktion in den Palästinenser-Gebieten beraten. Zuvor hatten die USA als engste Verbündete Israels erneut zu einem umgehenden Militärabzug aufgerufen. Peres sagte nach seiner Rückkehr aus Washington, die USA hätten Israel aufgefordert, Gewalt und Spannungen zu reduzieren. Er habe den USA versichert, dass die Armee nicht über einen längeren Zeitraum in den palästinensisch verwalteten Gebieten bleiben werde. Auch habe Israel nicht die Absicht, die palästinensische Autonomiebehörde zu stürzen. Peres sagte weiter, er hoffe, dass die israelischen Truppen innerhalb von Tagen abziehen würden. Israelische Rundfunksender berichteten, der Abzug werde am Freitag beginnen.

Aus US-Regierungskreisen verlautete, falls es keine Anzeichen für einen Abzug innerhalb der nächsten Tage gebe, würden die USA dem UNO-Sicherheitsrat nahelegen, die Besetzung zu kritisieren. Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, sagte am Donnerstag nach einem Treffen mit US-Außenminister Colin Powell, die USA schienen "ersthaft" an einem Frieden im Nahen Osten interessiert.

Fischer sagte in Tel Aviv nach einem Gespräch mit seinem Amtskollegen Peres und dem Koordinator der EU-Außenpolitik, Javier Solana, er hoffe auf konkrete Fortschritte von seinen Gesprächen mit der israelischen und palästinensischen Führung. Auch Solana hofft nach eigenen Angaben auf Fortschritte "in den kommenden Tagen oder Stunden". Er forderte Israel zur Fortsetzung des Rückzugs aus den Palästinenser-Gebieten und Arafat zu weiterem Vorgehen gegen die Gewalt auf.

Seit September 2000 hält in den Palästinenser-Gebieten ein Aufstand gegen die israelische Besetzung an, bei dem etwa 850 Menschen getötet wurden, die meisten von ihnen Palästinenser.

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