Fischer kritisiert USA
Blair will bald Beweise gegen Saddam Hussein veröffentlichen

Der britische Premierminister Tony Blair will "in den nächsten Wochen" Beweise dafür vorlegen, dass der irakische Präsident Saddam Hussein die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen vorantreibt. Saddam habe "große Mengen" an biologischen und chemischen Waffen angehäuft und bemühe sich auch um Atombomben, sagte Blair am Dienstag in seinem nordenglischen Wahlkreis Sedgefield.

HB LONDON. "Was wir am 11. September gelernt haben, ist, dass man sich mit diesen Problemen besser vorher als nachher auseinandersetzt", sagte der Premier.

Ursprünglich habe er die Beweise erst freigeben wollen, wenn eine Entscheidung über das Vorgehen gegen Bagdad getroffen worden sei, sagte Blair. Doch angesichts der derzeitigen Diskussion habe er nun beschlossen, die Veröffentlichung zeitlich vorzuziehen.

Es sei "bizarr", dass sich "hochanständige Leute" in den vergangenen Wochen hingestellt und gesagt hätten, man solle am Besten gar nichts gegen den Irak unternehmen. Auf die Frage, was er dazu sage, dass sich sowohl Bundeskanzler Gerhard Schröder als auch Unionskanzlerkandidat Edmund Stoiber gegen einen Alleingang der USA gewandt hätten, sagte Blair: "Wir sollten die deutsche Politik beiseite lassen. Die ist auch ohne mein Eingreifen sehr interessant."

Weltkirchenrat warnt vor militärischem Eingriff

Außenminister Joschka Fischer warnte die USA erneut eindringlich vor einem Angriff gegen den Irak. "Die USA sind gerade dabei, einen fatalen Fehler zu machen", sagte der Grünen-Politiker am Dienstag auf einer Wahlveranstaltung seiner Partei in Nürnberg. Gerade unter guten Freunden müssten auch solche Feststellungen möglich sein. Dies habe nichts mit Anti-Amerikanismus zu tun.

Auch der Weltkirchenrat warnte vor einem militärischen Angriff. Der in Genf tagende Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) appellierte in einer am Montagabend veröffentlichten Erklärung gleichzeitig an Bagdad, sämtliche UN-Resolutionen zu beachten und Kontroll- Inspektoren in das Land zu lassen. Der Zentralausschuss des ÖRK wollte am (heutigen) Dienstag seine einwöchige Jahrestagung beenden.

Asis gibt sich kooperationsbereit

Der irakische stellvertretende Ministerpräsident Tarik Asis gab den Vereinten Nationen inzwischen eine bedingte Kooperationsbereitschaft zu erkennen. In einer Unterredung mit UN - Generalsekretär Kofi Annan am Rande des Weltgipfels in Johannesburg sagte Asis am Dienstag nach Angaben des südafrikanischen Rundfunks zu, UN-Waffenkontrolleure ins Land zu lassen. Er verband dies aber mit der Bedingung, dass zuvor die gegen sein Land verhängten UN - Sanktionen aufgehoben werden müssten.

Das irakische Kabinett trat am Dienstag unter Vorsitz von Saddam Hussein zusammen und billigte einen Plan zum Bau eines Nachrichtensatelliten mit Hilfe ausländischer Beteiligung, wie die irakische Nachrichtenagentur INA meldete. Das staatliche Fernsehen und die Rundfunksender des Iraks haben seit kurzem Zugang zu Einrichtungen von Arabsat und Nilesat.

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