Fischer muss gehen
Allianz räumt bei Dresdner auf

Die hohen Verluste ihrer Tochter Dresdner Bank zwingen die Allianz zum Handeln: Leonhard Fischer, bei der Bank zuständig für das Investmentbanking, muss gehen. Hinter den Kulissen rumort es erheblich.

HB FRANKFURT/M. Die Aufräumarbeiten der Allianz bei der Dresdner Bank haben ein erstes prominentes Opfer gefordert: Leonhard Fischer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Kreditinstituts und Vorstandsmitglied der Münchener Versicherung, muss gehen. Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle reagierte, nachdem der Kurs des Versicherers seit Jahresanfang um 63 % gefallen war. Hauptgrund für den Kurssturz ist der hohe Verlust bei der Dresdner Bank von rund einer Milliarde Euro in den ersten sechs Monaten.

Offiziell trennten sich Allianz und Fischer auf Grund unterschiedlicher Auffassungen über die weitere Entwicklung des vom Dresdner-Vorstand verantworteten Unternehmensbereichs Corporate & Markets (Investmentbanking und Firmenkundengeschäft). Aus der Bank ist allerdings zu hören, dass Fischer am heftigen Widerstand der Verantwortlichen im Deutschlandgeschäft scheiterte. "Arbeitnehmer-Vertreter und Regionalleiter der Dresdner haben sich derart in den Reformer Fischer verbissen, dass es für Schulte-Noelle keine andere Möglichkeit mehr gab", sagte ein Dresdner-Banker. Zudem machten alte Seilschaften, die die Dresdner Bank als Ganzes erhalten wollten, Stimmung gegen Fischer. Dazu soll auch der ehemalige Vorstandschef Wolfgang Röller zählen.

Fischer gehörte zu den Stützen der Allianz, die den Umbau der Dresdner Bank voranbringen wollten. Unter anderem wurde Ende Juli der Abbau von weltweit etwa 3 000 Arbeitsplätzen beschlossen, davon 1000 im Bereich Investmentbanking. Insgesamt sollen die Kosten der Dresdner um 700 Mill. Euro gesenkt werden. Von ehemals sechs Geschäftssparten sind lediglich zwei übrig geblieben - Privatkunden auf der einen und Firmenkunden und Investmentbanking auf der anderen Seite. Details zum Restrukturierungsprogramm gibt das Kreditinstitut heute bekannt.

Die Entscheidung, Fischer fallen zu lassen, ist eine Kehrtwende der Allianz: Noch vor zwei Monaten wurde er zum Bleiben überredet. Auf einem Treffen von Allianz-Managern in Mailand hatte der Investment-Banker seinen Rücktritt angeboten. Der Abgang ist für Fischer umso bitterer, da er die Investmentbanking-Sparte Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW) als sein "Baby" ansah. Noch im August hatte er im Gespräch mit dem Handelsblatt betont: "Ich gehe nicht, wenn es schwierig wird!" Auch verwies er auf die erzielten Erfolge: "Wir haben die Kosten bei DKW in den vergangenen 15 Monaten um rund 40 Prozent gesenkt."

Die Aufgaben von Fischer übernimmt Bernd Fahrholz, Vorstandschef der Dresdner und zugleich Mitglied des Allianz-Vorstands. Er steht nach Informationen aus Finanzkreisen ebenfalls erheblich unter Druck. Er müsse innerhalb der nächsten zwölf Monate Erfolge aufweisen und die Integration weiter vorantreiben. Sollte es ihm nicht gelingen, die Bank operativ in die schwarzen Zahlen zurückzuführen, würden die Münchener sich von ihm trennen, heißt es aus der Bank.

Die Börse honorierte den Abschied Fischers, da die Verluste in seinem Bereich angefallen waren: Die Allianz-Aktie legte in der Spitze um knapp sieben Prozent zu.

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