Fischer: Uneingeschränkte Solidarität nur im Anti-Terror-Kampf
Bush und Blair für Angriff auf Irak

Die USA und Großbritannien werben um Verbündete im Kampf gegen den Irak. Doch trotz ihrer Warnung vor einer nuklearen Bedrohung durch Bagdad bleiben Frankreich und Deutschland zurückhaltend.

HB DÜSSELDORF. US-Präsident George W. Bush und der britische Premierminister Tony Blair versuchen, die Weltöffentlichkeit von der Notwendigkeit eines Angriffs auf den Irak zu überzeugen. Bagdad stehe kurz vor der Entwicklung von Atomwaffen, warnte der US-Präsident bei einem Treffen mit Blair in Camp David. Sowohl die USA als auch Großbritannien bemühen sich laut Blair weiter um eine möglichst breite Unterstützung für ein Vorgehen gegen Saddam Hussein.

Vor dem Treffen mit Blair hatte Bush bereits telefonisch mit den Präsidenten Frankreichs, Russlands und Chinas über das Vorgehen gegen den Irak beraten. Die Staaten sind neben den USA und Großbritannien ständige Mitglieder im Uno-Sicherheitsrat und stehen einem Militärschlag kritisch gegenüber.

Blair sagte, das Vorgehen gegen den Irak sei eine Herausforderung für die gesamte internationale Gemeinschaft. Einige Kritiker eines Militärschlages stellten durchaus vernünftige Fragen, räumte der britische Premier ein. Er sei aber zuversichtlich, dass auch sie von der Notwendigkeit zu handeln überzeugt werden könnten.

Am Donnerstag will sich Bush in einer Rede an die Uno-Vollversammlung wenden. Es wird erwartet, dass er die internationale Gemeinschaft zu schnellem Handeln drängen wird. In einem Redeentwurf wird Irak als "tickende Zeitbombe" bezeichnet.

Bush sagte, die Uno-Waffeninspektoren seien im Laufe ihrer Kontrollen im Irak bereits 1998 zu dem Schluss gekommen, dass Saddam Hussein "sechs Monate vor der Entwicklung einer Atomwaffe" stehe. Zugleich verwies er auf Satellitenbilder, die die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) vorgelegt hatte. Auf diesen sind Bauarbeiten an mehreren nuklearen Einrichtungen im Irak zu sehen. "Ich weiß nicht, welche Beweise wir noch brauchen", sagte Bush.

Unterdessen bekräftigten Bundeskanzler Gerhard Schröder und der französische Präsident Jacques Chirac ihre Vorbehalte. Bei einem Treffen in Hannover erklärten sie, ein Alleingang der USA sei abzulehnen. Eine Entscheidung müsse von der Uno getroffen werden. Unterschiedlich blieb die Haltung gegenüber einer eigenen militärischen Beteiligung. Schröder schloss sie für Deutschland erneut kategorisch aus. Chirac sagte, Frankreich werde erst eine Entscheidung treffen, wenn das Thema im Uno-Sicherheitsrat debattiert werde.

Außenminister Joschka Fischer erklärte in einem Handelsblatt-Interview, die uneingeschränkte Solidarität mit den USA gelte weiter, beziehe sich aber nur auf den Anti-Terror-Kampf. Fischer sagte gestern nach einem Treffen mit dem afghanischen Präsidenten Karsai, der Terrorismus sei noch lange nicht besiegt, auch wenn er derzeit keine konkreten Informationen über geplante Aktionen habe. Nach den Worten Karsais ist der Terrorismus als Bewegung in Afghanistan zwar ausgerottet, Aktionen von Einzelnen seien aber nie auszuschließen.

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