Fishers Zwischenruf
Der Irrglaube vom Öl

Hohe Ölpreise drücken die Aktienkurse in den Keller - und umgekehrt. Dies ist keine Börsenweiheit, sondern ein weitverbreiteter Irrtum. Tatsächlich hängt beides nicht miteinander zusammen. Einfacher Beweis dafür ist ein simples Rechenmodell.

Ein beliebter Sündenbock ist zurück. Schlagzeilen warnen, dass ein höherer Ölpreis schlecht für Aktien ist. Wenn Öl oben ist, sind Aktien unten und umgekehrt - wie etwa: "Öl steigt, Aktien fallen!" Oder: "Niedriges Öl treibt Aktien in die Höhe." Wenn Öl und Aktien beide steigen, heißt es: "Aktien steigen trotz Ölpreisanstieg" - als ob das ungewöhnlich wäre. Aber das ist ein Irrglaube.

Ein Korrelationskoeffizient ist eine Zahl zwischen eins und minus eins. Wären Öl- und Aktienpreise historisch gesehen entgegengesetzt im Zickzack gelaufen, müsste der Korrelationskoeffizient beinahe minus eins sein. Probieren Sie es zu Hause mit Excel (das die Sache automatisch für Sie berechnet) und frei zugänglichen Internetdaten: In den vergangenen 25 Jahren hatten die Tageskurse von deutschen Aktien und Öl eine Korrelation von minus 0,08. Es gab also kaum einen Zusammenhang. Ein weiterer Beweis: Das R-Quadrat (das Quadrat des Korrelationskoeffizienten), das zeigt, wie sehr ein Faktor den anderen antreiben kann. Es beträgt 0,57 Prozent - die Bewegungen des Öls erklären damit weniger als ein Prozent der Kursbewegungen deutscher Aktien. Genauso verhält es sich auch bei den US-amerikanischen und globalen Aktien - Ölpreisschwankungen geben keinen Hinweis für Aktienbewegungen.

Warum also glauben die meisten an das Märchen? "Confirmation bias" wäre eine Erklärung. Es ist die Tendenz, den Informationen zu glauben, die unsere Vorurteile stützen, und Widersprechendem gegenüber blind zu sein. An Tagen, an denen Öl oben ist und Aktien unten (oder umgekehrt), denken wir: "Ja! So funktioniert das!" Wenn Öl und Aktien sich zusammen bewegen, denken wir uns: "Natürlich bewegen sie sich nicht jeden Tag gegenläufig. Man muss nur größere Zeiträume beobachten." Oder wir nehmen an, dass dies eben zeitversetzt geschieht - unsere vorgefertigte Meinung überlebt unbeschadet. Falsch.

Letzte Woche erklärte ich, wieso ein höherer Ölpreis keine Inflation verursacht - es gibt keinen Zusammenhang. Fakt ist: Heute ist unsere Abhängigkeit vom Öl geringer, Öl hat nicht mehr die Auswirkungen, die es früher hatte. Der höhere Ölpreis ist heute durch stärkeres globales Wachstum verursacht. Großartig. Unbemerkte positive Faktoren lassen die Aktien steigen.

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